Auf einen Blick (7.12.)

Nachricht 07. Dezember 2006

Neu erschienen:
Predigten zum Advent zur Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung.
Predigten, Gedanken und Betrachtungen für Gemeinden und ökumenische Initiativen.
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Alternativer Nobelpreis für Ruth Manorama
„Brot für die Welt“ gratuliert langjähriger Projektpartnerin

Stuttgart, 6. Dezember 2006. Die indische Frauenrechtlerin Dr. Ruth Manorama und langjährige Projektpartnerin von „Brot für die Welt“ erhält am 8. Dezember in Stockholm den Alternativen Nobelpreis 2006 (Right Livelihood Award). Seit mehr als 30 Jahren setzt sich die 54-Jährige für Frauenrechte und die Existenzrechte der Slumbewohner in ihrer Heimat ein. Besonders den „Dalits“, den „Unberührbaren“, gilt ihr Einsatz. „Brot für die Welt“ unterstützt die Arbeit der selbst „unberührbaren“ Inderin seit mehr als 20 Jahren.

„Wir gratulieren Ruth Manorama ganz herzlich zu dieser Auszeichnung“, so Hannelore Moll, Abteilungsleiterin Projekte und Programme bei „Brot für die Welt“. „Der Preis ist nicht nur eine Würdigung ihrer unermüdlichen Arbeit. Gleichzeitig rückt die Verleihung eine sehr benachteiligte Gruppe von Menschen in den Mittelpunkt.“ Obwohl die kastenbedingte Diskriminierung durch die indische Verfassung verboten sei, würden die entsprechenden Gesetze nur unzureichend umgesetzt, so Moll. Die „Dalits“ seien noch immer die Ärmsten der Armen und gesellschaftlich ausgegrenzt. Die Frauen seien zusätzlich gegenüber den Männern benachteiligt.

„Brot für die Welt“ arbeitet mit Ruth Manorama seit der Gründung ihrer Hilfs- und Menschenrechtsorganisation 1985 intensiv zusammen. Vor allem die Dalit-Frauen in den Slums bekommen Hilfe. Sie werden darin unterstützt, ihre Rechte einzufordern und sich gegen Gewalt und Diskriminierung zu wehren. Auch das Recht auf Wohnung und der Schutz vor Vertreibung aus den Slums spielt in der Zusammenarbeit eine große Rolle.

www.brot-fuer-die-welt.de
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Leitende der europäischen Kirchen treffen sich in Brüssel

Über 60 Kirchenleitende der protestantischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen Europas werden sich am 12. und 13. Dezember in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg in Brüssel treffen, um zwei Tage über „Werte – Religionen – Identität“ zu diskutieren. An der Konferenz, die von der Kommission Kirche und Gesellschaft der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) veranstaltet wird, nehmen unter anderem Rev. Jean Arnold de Clermont (Präsident der KEK und der Föderation der protestantischen Kirchen in Frankreich), Erzbischof Anastasios (Primas der Orthodoxen Kirche in Albanien und Vizepräsident der KEK), Bischof Wolfgang Huber (Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)), Erzbischof Jukka Parma (Lutherische Kirche in Finnland), Bischof Richard Chartres (Bischof von London, Kirche von England), Rev. Thomas Wipf (Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und des Schweizer Evangelischen Kirchenbunds), Metropolit Krystof (Primas der Orthodoxen Kirche in Tschechien und der Slowakei).

Die jüngsten Entwicklungen in der Europäischen Union hätten zu einer zunehmenden Aufmerksamkeit für die Bedeutung der Werte in der europäischen Politik und in Beziehung zum Selbstverständnis der europäischen Völker geführt. Darauf weist Rüdiger Noll, Direktor der Kommission Kirche und Gesellschaft der KEK im Blick auf das Tagungsthema hin. Diese Konferenz finde kurz vor dem Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft statt, die voraussichtlich eine wichtige Rolle in der Debatte über die Zukunft von Europa und der Zukunft der EU-Verfassung spielen wird – auch im Blick auf die zu erwartende Berliner Erklärung im März 2007. Ziel dieser Kirchenleiterkonferenz, die an dem 12. und 13. Dezember zusammenkommen wird, ist es, Fragen nach der Beziehung von Werten, Religion und Identität zu besprechen und den Beitrag der Kirchen zur Debatte über die Zukunft von Europa zu formulieren.

Der Kongress sei die erste Veranstaltung in einem breit angelegten Projekt in Kooperation mit „Comité Européen de Coordination“, der „Vereinigte Reformierte Kirche im Vereinigten Königreich“ und der EKD.

Hannover/Brüssel, Pressestelle der EKD
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Neue Kinderbischöfe in Göttingen im Amt

Göttingen (epd). In der evangelischen Gemeinde Göttingen Nikolausberg hat Landessuperintendent Burghard Krause am Mittwoch die neuen Kinderbischöfe Charleen Janocha (10) und Cornelius Reh (9) in ihr Amt eingeführt. Gleichzeitig verabschiedete Krause die bisherigen Kinderbischöfe Anna Strüber und Tobias Schröder. Sie scheiden nach zweijähriger Amtszeit aus, weil sie zwölf Jahre alt geworden sind.

Dritter Kinderbischof ist Paul Malessa (10). Die 1999 erstmals ernannten kleinen Bischöfe in Göttingen-Nikolausberg sollen die Interessen der Mädchen und Jungen gegenüber dem Ortsrat und dem Kirchenvorstand vertreten.

Kinder sähen die Welt mit anderen Augen, sagte Krause in der voll besetzten Nikolausberger Kirche. Die Erwachsenen bräuchten diesen „Blick der kleinen Leute“. Deshalb sei es gut, dass es Kinderbischöfe gebe, die den Mund aufmachten und auch den Mut hätten, sich mit Erwachsenen zu streiten.

In ihrem Rechenschaftsbericht erzählten die Kinderbischöfe, sie hätten sich im zu Ende gehenden Jahr vor allem für den Abbau von Zigarettenautomaten und für Zebrastreifen eingesetzt. In einigen Fällen seien die Bemühungen erfolgreich gewesen. So habe die Stadt Göttingen nach der Intervention der Kinderbischöfe zugesagt, einen Zigarettenautomaten vor einem Kindergarten abzubauen.

Um eine sicherere Überquerung der Nikolausberger Hauptstraße zu erreichen, hatten sich die Kinderbischöfe ebenfalls an die Behörden gewandt. Die Stadt will nun prüfen, ob in Höhe der Bushaltestelle auf der Fahrbahn eine Verkehrsinsel gebaut werden kann.

Die Nikolausberger Kinderbischöfe organisierten auch schon eine Müll-Sammel-Aktion und eröffneten einen Kinderraum im Gemeindezentrum. Der Ortsrat und der Kirchenvorstand sollen die Kinderbischöfe einmal im Jahr zu ihren Sitzungen einladen.

Mit der Ernennung von Kinderbischöfen will die Kirchengemeinde eine alte Tradition neu beleben. Im Mittelalter seien am Vorabend des Nikolaustages in vielen Orten Europas Kinderbischöfe eingesetzt worden, die mit Aktionen auf die Sorgen und Probleme von Kindern aufmerksam machten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3376/06.12.06)
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Arbeits- und Themenheft zu Paul Gerhardts Geburtstag

Göttingen (epd). Zum 400. Geburtstag des lutherischen Barock- und Kirchenlieder-Dichters Paul Gerhardt am 12. März 2007 hat der Deutsche Verband Evangelischer Büchereien das Themenheft „Dem Herren mußt du trauen“ veröffentlicht. Es gebe in Text und Bild einen Überblick über mehr als 25 Buchtitel und einige CDs, die aktuell zum Jubiläumsjahr erschienen seien, sagte Verbands-Geschäftsführerin Gabriele Kassenbrock am Mittwoch in Göttingen.

Zusätzlich stelle das Heft Bausteine für Paul Gerhardt-Veranstaltungen in den Gemeinden vor. Das Angebot reiche vom Singen über einen Gedichtevergleich bis zu einer Wanderung mit Paul Gerhardt-Liedern. Die Vorschläge sollten dazu anregen, sich mit dem Leben und den Texten Gerhardts auseinanderzusetzen.

Paul Gerhardt (1607-1676) hat mehr als 130 Lieder verfasst, darunter so bekannte wie „Geh aus, mein Herz“, „Befiehl du deine Wege“ und „Nun ruhen alle Wälder“. 26 von ihnen sind bis heute im Evangelischen Gesangbuch enthalten. Nach Martin Luther ist Gerhardt der am häufigsten im Gesangbuch vertretene Autor. – Das 32-seitige Heft „Dem Herren mußt du trauen“ kann beim Deutschen Verband Evangelischer Büchereien, Bürgerstr. 2a, 37073 Göttingen gegen eine Schutzgebühr von zwei Euro plus Versandkosten bestellt werden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3377/06.12.06)
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Separate Staatsverträge mit jüdischen Verbänden

Hannover (epd). Das Land Niedersachsen erwägt, mit dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden einen eigenen Staatsvertrag abzuschließen. Bislang gebe es einen solchen Vertrag nur mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden, sagte Kultusminister Bernd Busemannh (CDU) am Mittwoch in Hannover. Dieser 2005 abgeschlossene Vertrag regele das Rechtsverhältnis zwischen den Partnern sowie finanzielle Zuschüsse des Landes.

Dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden sei bereits 2005 der Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt worden, erklärte Busemann. Dieser Verband vertritt die liberalen Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen.

Nach Angaben Busemanns erhält der Landesverband der Jüdischen Gemeinden jährliche Zuwendungen von 1,02 Millionen Euro. Diese Summe sei im Haushalt 2007 auf 1,04 Millionen Euro erhöht worden. Aufgrund interner Regelungen werden bislang zehn Prozent der Zuschüsse an den Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden weiter geleitet.

Busemann stellte in Aussicht, künftig mit beiden Landesverbänden gesonderte Staatsverträge zu verhandeln. Dazu müssten die aktuellen Mitgliederzahlen festgestellt sowie die Aufgabenfelder geklärt werden. „Gegebenenfalls wäre eine entsprechende Anpassung der Landesförderung an die aktuellen Verhältnisse zu leisten“, sagte Busemann.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3379/06.12.06)
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"Brot zu Wucherpreisen" nährt die Spendenlust - Ideen unterstützen bundesweit das Hilfswerk "Brot für die Welt"

Von Dieter Sell (epd)

Bremen/Stuttgart (epd). Axel Bodmann und Philipp Häfker haben schwer zu schleppen. Die beiden zwölfjährigen Konfirmanden aus der evangelischen St.-Lukas-Gemeinde in Bremen verkaufen "Brot zu Wucherpreisen" und gehen mit 40 Halbpfündern von Tür zu Tür. Seit knapp 40 Jahren machen sich auf diese Weise Jugendliche im Stadtteil Grolland für "Brot für die Welt" auf den Weg. Die Aktion ist eine ideenreiche Initiative von vielen, mit denen bundesweit Spenden für das evangelische Hilfswerk mit Sitz in Stuttgart gesammelt werden.

Quinua aus Südamerika, Roggen aus Europa, Sesam aus Afrika, Urweizen aus Australien und Reis aus Asien stecken im Teig, aus dem ein Bio-Bäcker fast 750 verlockend duftende Brote gebacken hat. 20 Jugendliche und 20 Erwachsene bieten sie zum Mindestpreis von 1,50 Euro an. "Die Grollander sind großzügig und runden nach oben auf", freut sich Initiatorin Monika Rohdenburg.

Auch andernorts spenden Menschen bereitwillig für Entwicklungsarbeit. Im westfälischen Breckerfeld gibt es seit vielen Jahren "Wandern für die Andern", ein Sponsorenlauf, der bereits mehr als 150.000 Euro eingebracht hat. Seit 25 Jahren kicken Pfarrer der Evangelischen Kirche in der Pfalz für den guten Zweck. Schätzungen zufolge sollen die "Pälzer Parre" bislang 300.000 Euro erspielt haben. Andernorts laden Jugendliche wie in der Gesamtschule Glinde bei Hamburg zum Theater ein.

Die Kreativität zahlt sich aus. Im vergangenen Jahr bekam "Brot für die Welt" Spenden in Höhe von 54,6 Millionen Euro, mit denen tausend Projekte zur Selbsthilfe in Entwicklungsländern unterstützt wurden. Alleine im Land Bremen waren es zusammen mit den Brot-Geldern aus Grolland knapp 380.000 Euro. Manches davon kam durch pfiffige Ideen zusammen. "Man muss klein anfangen - jeder Euro hilft", ist Monika Rohdenburg überzeugt.

Bremens Diakonie-Landespfarrer Michael Schmidt sieht die Sache auch theologisch. Er bringt die Aktionen mit der biblischen Speisung der Fünftausend zusammen, die von fünf Broten und zwei Fischen satt geworden sein sollen. "Das waren sehr bescheidene Möglichkeiten", sagt Schmidt. Er freut sich über die Ehrenamtlichen, die angesichts von Millionen hungernden Menschen weltweit nicht mutlos werden, sondern "in die Hand nehmen, was man hat und was man selber kann".

In vielen Häusern der 1.700-Seelen-Gemeinde von St. Lukas jedenfalls werden die Jugendlichen mit ihren Broten bereits erwartet. So auch von Ilse Ostermann, die Axel und Philipp die Tür öffnet. Bereitwillig steckt sie einen Schein in die Sammelbüchse von Monika Rohdenburg. Die Spenden-Aktion "gehört hier in der Adventszeit einfach dazu", sagt die 75-Jährige. Freudestrahlend nimmt sie sich ein helles Brot mit dem Geschmack von fünf Kontinenten - zum gern bezahlten "Wucherpreis".

Internet: www.diakonie-bremen.de und www.brot-fuer-die-welt.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b3359/05.12.06)
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