Andacht und Gebete statt Glotze und Computer

Nachricht 23. November 2006

Sechs Mädchen proben vier Wochen christliche Gemeinschaft

Von Dieter Sell (epd)

Oyten/Kr. Verden (epd). Eine Wohnung ohne Fernseher und Computer? Für sechs Mädchen aus Oyten bei Bremen gar kein Problem. Die Teenager im Alter zwischen 16 und 18 Jahren teilen sich vier Wochen eine Wohnung der evangelischen Kirchengemeinde, um ein Experiment zu wagen: Wie läuft das selbstständige Zusammenleben ohne Eltern - und wie fühlt sich eine christliche Wohngemeinschaft an? Denn die sechs Mädchen verstehen sich als bewusste Christinnen und haben in ihrer WG auf Zeit Glotze und Computer gegen Andacht und Gebete getauscht.

Die 130 Quadratmeter große Wohnung im Dachgeschoss des Oytener Gemeindehauses ist picobello in Schuss. Jeweils zu zweit haben sich die jungen Frauen auf schlichten Matratzen in den Zimmern einquartiert. Tücher, Bilder und Lichterketten sorgen für Atmosphäre. Gegen sechs Uhr morgens beginnt ihr Tag mit einem Gebet und dem gemeinsamen Frühstück. "Wir versuchen, die Gebete auf unser Leben zu beziehen", erklärt Svenja Reimann. Danach starten sie in den Tag - drei in die Schule, drei in die Erzieherinnen-Ausbildung.

Mit dem Konfirmandenunterricht haben die Mädchen Kontakt zur etwa 7.800 Mitglieder zählenden evangelischen St.-Petri-Gemeinde in Oyten gefunden. Mittlerweile gehören sie zum harten Kern der Ehrenamtlichen in der Kinder- und Jugendarbeit. Über ihr Engagement habe sie Gott kennen gelernt und so ihren eigenen Glauben vertieft, sagt Lena Schumacher. "Und ich möchte noch viel weiter kommen." Im Wohnprojekt sehen die Sechs ganz in der Tradition christlicher Kommunitäten eine Chance dazu. "Wir achten aufeinander und helfen uns gegenseitig", beschreibt Jana Fricke.

Zwar haben sich Journalisten in den zurückliegenden Wochen die Klinke in die Hand gegeben, um über das Projekt unter dem Titel "Home@St.Petri" zu berichten. Doch mit einem kirchlichen "Big-Brother-Container" hat die Gruppe nichts im Sinn. Zwischentöne sind angesagt: "Wir erleben, dass Dinge wie das Essen und die Gemeinschaft nicht selbstverständlich sind", betont Svenja Reimann. Jeden Abend wird gekocht, Dienstpläne regeln den Putzdienst.

Die Sechs genießen es, über Gott und die Welt miteinander zu reden. "Ich könnte auch zu Hause mehr reden", nimmt sich Svenja für ihre Rückkehr zu den Eltern vor. Durch die Distanz merke sie jetzt auch, wie sehr sie von ihrer Familie geliebt werde. "Das nimmt man oft auf die leichte Schulter, weil es so selbstverständlich scheint."

Für die Mädchen ist das Experiment, das auf Anregung von Gemeindediakon Andreas Bergmann zustande kam, auf ganzer Linie geglückt. "Es ist eine tolle Gemeinschaft", schwärmt Jana Fricke. "Man wird uns hier wohl raustragen müssen", meint Svenja Reimann. Ende November ist unwiderruflich Schluss mit der christlichen Mädchen-WG. Im Dezember kommen bereits die Nachmieter. Internet: www.ev-kirche-oyten.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b3217/23.11.06)
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