Landesbischöfin gegen EU-Beitritt der Türkei

Nachricht 22. November 2006

Aurich (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat sich gegen eine Aufnahme der Türkei in die Europäische Union (EU) ausgesprochen. Die EU sei eine aus einer Wirtschaftsgemeinschaft entstandene politische Gemeinschaft. Sie werde durch eine gemeinsame Kultur und eine Wertegemeinschaft, die vom jüdisch-christlichen Erbe geprägt sei, zusammengehalten. "Die Aufnahme der Türkei in diese Union könnte zum Zusammenbruch führen", sagte die evangelische Bischöfin am Mittwoch in Aurich beim Buß- und Bettagsempfang des Sprengels Ostfriesland.

Die Grenzen der EU seien nicht willkürlich ausdehnbar, sagte Käßmann. "Die Türkei hat unbestritten eine vollkommen andere Geschichte und Entwicklung durchlebt als die heutigen Mitgliedsstaaten der EU." Daher könne sie von ihrer Tradition wie auch von ihrer religiösen Prägung her nicht einfach als europäische Nation gesehen werden.

Die Menschen in der EU rief sie auf, sich klar zu ihren jüdisch-christlichen Wurzeln zu bekennen und sich mit Europa zu identifizieren: "Es geht um ein Ja zu einem Europa, das sich zu gemeinsamen Werten, zu Menschenrechten, Religionsfreiheit und Demokratie bekennt." In einem solchen Europa ließen sich auch Menschen muslimischen Glaubens integrieren, selbst wenn diese auf ihren Werten beharrten. Daraus lasse sich allerdings nicht ableiten, dass die Türkei EU-Mitglied sein müsse.

Käßmann forderte die Kirche auf, sich nicht "in eine fromme Ecke" zu verkriechen, sondern "Verantwortung für unser Land" zu übernehmen. Gerade junge Menschen suchten nach Orientierung. Ein wichtiges Element der Wertevermittlung sei die christliche Erziehung. Weitere Beispiele für christliche Wertevermittlung seien die Zehn Gebote, die zwei Drittel der Deutschen für verbindlich hielten, Solidarität und Gerechtigkeit, die Einbindung in ein christlich geprägtes Europa und der Umgang mit dem Tod.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3201/22.11.06)
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