Auf einen Blick (22.11. - akt. 18:30)

Nachricht 22. November 2006

Holze-Stäblein: Gute Chancen für Erhalt des Sprengels

Aurich (epd). Landessuperintendentin Oda-Gebbine Holze-Stäblein sieht gute Chancen für den Erhalt des evangelischen Sprengels Ostfriesland. Der in der kommenden Woche in Hannover tagenden Landessynode liege ein Gesetzesentwurf vor, der eine Erweiterung des Sprengels um die Kirchenkreise Emsland und Bentheim vorsehe, sagte die Regionalbischöfin am Mittwoch in Aurich bei ihrem letzten Buß- und Bettagsempfang vor ihrem Ruhestand. Die endgültige Entscheidung liege jedoch bei den Synodalen.

Mit Emsland und Bentheim werde der Sprengel etwa auf die doppelte Größe anwachsen. Der Sitz der Landessuperintendentur solle in Aurich bleiben. Sie appellierte an das Traditionsbewusstsein der Ostfriesen, ihre enge Bindung an die Kirche beizubehalten. Nur wünsche sie sich weniger Scheu vor dem Abendmahl.

Holze-Stäblein kündigte an, dass sie nach ihrer Verabschiedung in den Ruhestand am 31. Juli aus privaten Gründen nach Hannover zurückkehren wolle. "Das ist keine Absage an dieses wunderbare Land mit seinen besonderen Menschen", betonte sie. Bis man sie in den Ruhestand schicke, wolle sie noch auf allen 145 lutherischen Kanzeln gepredigt haben: "Wie es aussieht, schaffe ich das auch."

(epd Niedersachsen-Bremen/b3221/22.11.06)
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Spieckermann und Bartling setzen sich für Migranten ein

Hannover (epd). Die hannoversche Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann und der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Heiner Bartling, haben sich für eine Ausweitung der neuen Bleiberechtsregelung für Flüchtlinge eingesetzt. Die Entscheidung der Innenministerkonferenz in der vergangenen Woche sei hoffentlich nur ein erster Schritt gewesen, sagte Bartling am Buß-und Bettag in Hannover. Der frühere niedersächsische Innenminister hielt gemeinsam mit der evangelischen Theologin eine Dialog-Predigt in der Neustädter Kirche.

Menschen, die schon lange in Deutschland lebten, brauchten eine dauerhafte Perspektive. Er frage sich, ob die Deutschen in der Flüchtlingsproblematik zu geringe Ansprüche an sich selbst und an die Gesellschaft stellten, sagte Bartling: "Vielleicht, weil wir eigentlich damit zufrieden sind, wie wir es bewältigen?"

Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann sagte, die neue Bleiberechtsregelung entspreche nicht dem, was beide große Kirchen immer wieder einklagten, nämlich eine tragfähige Lösung für Flüchtlinge, die seit langem geduldet würden und integriert seien. Der Mangel an Arbeitsplätzen sei schon für Hartz IV-Empfänger ein Problem und drohe es jetzt auch für die Migranten zu werden. Sie hoffe, dass die Regelung nur ein Anfang sei.

Die Dialog-Gottesdienste zum Buß-und Bettag in der Neustädter Kirche seien ein guter Anlass, um über die gemeinsame Verantwortung von Politik und Kirche miteinander ins Gespräch zu kommen, sagte Spieckermann am Rande der Veranstaltung. Die Schirmherrschaft für diese Gottesdienste habe seit 2004 Landtagspräsident Jürgen Gansäuer (CDU).

(epd Niedersachsen-Bremen/b3190/22.11.06)
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Bleiberecht von Flüchtlingen im Kirchenasyl unklar

Göttingen/Hannover (epd). Flüchtlinge im Kirchenasyl dürfen nach Ansicht von Unterstützern nicht grundsätzlich von einer Bleiberechtsregelung ausgenommen werden. Nach dem jüngsten Beschluss der Innenministerkonferenz sollen Flüchtlinge kein Aufenthaltsrecht bekommen, wenn Behörden ihnen schon einen Termin für die Abschiebung genannt oder wenn sie selbst falsche Angaben zu ihrer Identität gemacht haben.

Dagegen sagte der Sprecher des "Ökumenischen Netzwerks Asyl in der Kirche" in Niedersachsen, Karl-Helmut Barharn, am Montag dem epd in Göttingen: "Wenn jemand bereits einen Abschiebetermin hat und in einer Kirche Zuflucht gesucht hat, darf das kein Ausschlussgrund sein." Auch Flüchtlinge im Kirchenasyl, die in ihrem Asylverfahren einen falschen Namen angegeben hätten, dürften nicht von vornherein von einem Bleiberecht ausgeschlossen werden: "Auch von den Nazis verfolgte Juden haben falsche Namen angegeben."

Nach Auskunft des niedersächsischen Innenministeriums ist ein Kirchenasyl nicht zwingend ein Hinderungsgrund für ein Bleiberecht. Der Beschluss der Innenminister und -senatoren beinhalte keine grundsätzliche Regelung der Kirchenasyl-Fälle, sagte ein Ministeriumssprecher in Hannover. Wenn die übrigen Voraussetzungen für ein Aufenthaltsrecht vorlägen, müsse jeweils der Einzelfall geprüft werden. Abschiebungen von möglicherweise Berechtigten seien zurzeit ausgesetzt.

In Niedersachsen gewähren nach Angaben des Netzwerks derzeit zwei Gemeinden Flüchtlingen Kirchenasyl. Eine fünfköpfige vietnamesische Familie wird seit drei Monaten von einer evangelischen Gemeinde in Hoya beherbergt. Ein weiteres Kirchenasyl gebe es in Edemissen bei Hildesheim.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3218/22.11.06)
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Ökumenischer Gottesdienst mit Bischöfen Trelle und Weber

Braunschweig (epd). Der katholische Bischof Norbert Trelle aus Hildesheim und der evangelische Landesbischof Friedrich Weber werden am Sonnabend im Braunschweiger Dom das erste Mal gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst feiern. Wie die Braunschweiger Landeskirche am Mittwoch mitteilte, folgt Trelle damit einer Einladung, die Weber im Februar anlässlich der Amtseinführung seines katholischen Kollegen ausgesprochen hatte. Weber ist Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Der Gottesdienst beginnt um 17 Uhr.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3207/22.11.06)
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Flut in Ostafrika: Caritas und Diakonie rufen zu Spenden auf

Freiburg/Stuttgart, 22. November 2006. Angesichts der verheerenden Überschwemmungen in Ostafrika rufen Caritas international und Diakonie Katastrophenhilfe dringend zu Spenden auf. Gemeinsam mit ihrem lokalen Partner „Daryeel Bulsho Guud“ (DBG) versorgen die beiden kirchlichen Hilfswerke in Somalia rund 15.000 Menschen mit Reis, Bohnen, Speiseöl, Plastikplanen und Moskitonetzen. Caritas international wird zudem rund 10.000 Flut-Opfer in Kenia unterstützen. Für diese Soforthilfe haben Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international bislang 200.000 Euro bereit gestellt.

Rund 1,8 Millionen Menschen sind insgesamt von den Überflutungen in Ostafrika betroffen. In Somalia konzentriert sich die Hilfe auf die Regionen Middle und Lower Shabelle. Am schlimmsten betroffen ist der Distrikt Kurtunwarey, 150 Kilometer südlich von Mogadischu. Dort ertranken bislang 47 Menschen, Tausende sind auf der Flucht. Viele Dörfer sind komplett überflutet, andere vollständig vom Wasser eingeschlossen. Große Teile des Ackerlandes der Region, die als Kornkammer Somalias gilt, stehen unter Wasser. Die Ernte ist weitgehend zerstört. Dringend benötigt werden außer Nahrungsmitteln und Zelten auch Moskitonetze, um die Ausbreitung von Malaria zu verhindern.

In Kenia will Caritas international rund 10.000 Menschen in den am stärksten betroffenen Regionen Kilifi, Kwale und Mombasa mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Kleidung und Medikamenten versorgen. Die Hilfsgüter werden gezielt an Kranke, Kinder und Alte verteilt.

Für die Nothilfe in Somalia und Kenia sind die Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international dringend auf Spenden angewiesen:

Kennwort: „Fluthilfe Ostafrika“
Spendenkonten:
Diakonie Katastrophenhilfe:
Konto 502 707, Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70 oder online über das
Internet www.diakonie-katastrophenhilfe.de/somalia
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Patienten in Todesangst - Ärzte in der Grauzone - Podiumsdiskussion in Braunschweig über Formen der Sterbehilfe

Von Manfred Laube (epd)

Braunschweig (epd). Selbs kritisch erinnerte sich der Chefarzt des Braunschweiger Marienstiftes, Rainer Prönneke, an seine Ausbildungszeit: "Weil wir das Leiden selber nicht ertragen konnten, wurden die Patienten mit hohen Dosen von Schmerzmitteln betäubt." Der Chefarzt erläuterte an diesem Beispiel, welche Fortschritte die Betreuung Sterbender seit den 60er Jahren bis zur heutigen Palliativmedizin gemacht hat. Trotz moderner Schmerztherapie kann jedoch, wie andere Diskussionsteilnehmer bestätigten, die Dosierung noch immer zum medizinischen Grenzfall werden.

Prönneke ist einer der zehn Autoren des im Lutherischen Verlagshaus erschienenen Buches "Beim Sterben helfen?" Alle zehn saßen am Dienstagabend in der Buchhandlung Graff in Braunschweig vor rund 150 Zuhörern und diskutierten zwei Stunden lang konzentriert über Verbesserungen, Versäumnisse und Verbote bei der ärztlichen Behandlung todkranker Patienten.

In 90 bis 95 Prozent der Fälle ließen sich Patienten in Sterbehospizen und mit den Mitteln der Palliativmedizin adäquat versorgen, sagte Alfred Simon aus Göttingen von der Akademie für Ethik in der Medizin. Simon und auch Klinikpfarrer Rolf Denkers aus Hannover wiesen mehrfach auf mindestens fünf Prozent der Patienten hin, die nicht mehr heilbar seien, deren Körper und Seele zerfielen, die nicht weiterleben wollten.

Ärzte bewegten sich dann ungewollt in einer Grauzone, bestätigte der Braunschweiger Chefarzt im Ruhestand Klaus Gahl, Gemeint war die Grauzone zwischen der verbotenen aktiven und der erlaubten passiven Sterbehilfe. Der Arzt kann Medikamente gegen den Schmerz sehr hoch dosieren. Damit mildert er das Leiden, bewirkt aber auch einen früheren Tod und könnte dadurch in die Nähe aktiver Sterbehilfe gerückt werden.

Gahl war es wichtig, dass nach Möglichkeit Arzt und Patient gemeinsam über die Therapieform entscheiden. Der frühere Generalstaatsanwalt Heinrich Kintzi warnte vor einem Dammbruch und der Gefahr des Missbrauchs, wenn Ärzte über eine Tötung entscheiden dürften. Es sei nicht hinnehmbar, wenn in Deutschland der Lebensschutz des Menschen aufweiche. Die Niederlande mit ihrer nicht so strengen Gesetzgebung sind nach Auffassung des Juristen kein gutes Vorbild. Dort gebe es Patienten, die eine Karte bei sich trügen, auf der stehe: Mach mich nicht tot, Doktor!

Der Herausgeber des Buches, Landesbischof Friedrich Weber, berichtete, dass nach seiner Erfahrung als Seelsorger hinter der Bitte um aktive Sterbehilfe oft der Wunsch stehe, nicht allein zu sterben. Der Landesbischof wies dabei auf die ehrenamtliche Sterbebegleitung durch den Hospizverein und den Bau eines Hospizes in Braunschweig hin. Buchhändler Joachim Wrensch kündigte an, die Einnahmen aus den Eintrittskarten des Abends auf 1.000 Euro aufzustocken und dem Hospizverein zu spenden.

Klinikpfarrer Denkers gab allen zu bedenken, dass sie nicht wüssten, was sie in der Sterbesituation tatsächlich empfinden werden. Das Leben sei voller Brüche, lautete sein Schlusswort, warum soll am Ende alles gelingen?

(epd Niedersachsen-Bremen/b3200/22.11.06)
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Forscher: Internet-Abhängige sind oft psychisch gestört

Hannover (epd). Menschen, die das Internet exzessiv nutzen, leiden einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover zufolge häufig unter psychischen Störungen. Der Mediziner Bert te Wildt von der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie habe Patienten untersucht, die aufgrund ihrer Abhängigkeit von Internet und Computerspielen psychiatrische Hilfe brauchten, teilte die Hochschule am Mittwoch mit.

Die zu drei Viertel männlichen Patienten hielten sich täglich etwa sechseinhalb Stunden im Internet auf und beschäftigten sich vor allem mit Rollenspielen wie "World of Warcraft". Für jeden einzelnen der 23 Studienteilnehmer habe es eine psychiatrische Diagnose gegeben. 80 Prozent litten unter Depressionen, die sie auch schon vor ihrer Internet-Abhängigkeit hatten. Häufig seien auch Angsterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen festgestellt worden, hieß es.

Zum Zeitpunkt der Untersuchung habe keiner der Teilnehmer unter weiteren Suchterkrankungen gelitten. Anders als bei stoffgebundenen Abhängigkeiten wie Alkohol-, Medikamenten- oder Drogensucht zeigten die Ergebnisse der Studie, dass hinter einer krankhaften Nutzung des Internets psychische Störungen steckten.

In der künstlichen Medienwelt veränderten sich die Symptome dann. Immer mehr Menschen zögen sich aus der realen Welt in eine kindliche digitale Fantasiewelt zurück. Dort spielten sie die Helden, die sie im wirklichen Leben nie sein könnten, hieß es. Dieses Phänomen müsse auch von der Politik zur Kenntnis genommen und untersucht werden, hieß es.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3208/22.11.06)
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