Landesbischöfin lobt neue "Bibel in gerechter Sprache"

Nachricht 17. November 2006

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Christinnen und Christen dazu ermutigt, sich mit der neuen "Bibel in gerechter Sprache" auseinanderzusetzen. "Diese Übersetzung hat mir eine große Horizonterweiterung gebracht", sagte Käßmann am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Hannover. Zu der kontroversen Diskussion in den Medien um die neue Übersetzung sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland, diese Bibel habe nie den Anspruch erhoben, die Lutherbibel zu ersetzen.

"Die Lutherbibel ist unsere Standardbibel", betonte Käßmann. Luthers Übersetzung sei großartig und genial, aber wie jede Übersetzung auch eine Interpretation. Die "Bibel in gerechter Sprache" greife das zentrale biblische Thema Gerechtigkeit auf. Die 52 mitarbeitenden Theologinnen und Theologen wollten nicht nur eine verständliche Sprache finden, die Frauen und Männern gerecht werde. Sie hätten beim Übersetzen gerade auch soziale Gerechtigkeit und den christlich-jüdischen Dialog berücksichtigt.

Es sei großartig, dass die ersten 20.000 Exemplare der Ende Oktober erschienen Bibel bereits nach zehn Tagen ausverkauft waren. "Uns kann doch nichts besseres passieren, als dass die Menschen wieder Bibel lesen", sagte Käßmann. In Diskussionen um die neue Übersetzung werde deutlich, dass sich viele Kritiker gar nicht ernsthaft mit dem Anliegen beschäftigt hätten. Sie spüre aber auch die Angst davor, vertraute Gottes-Vorstellungen zu hinterfragen: "Gott lässt sich nun einmal nicht auf unsere Bilder festlegen, und die Bibel darf nicht zum Museum werden."

Der Bochumer Theologie-Professor und Mitherausgeber Jürgen Ebach sagte, die neue Übersetzung blende keine Passagen aus und füge nichts hinzu. Es werde allerdings durchgängig sichtbar gemacht, wo Frauen an den Geschehnissen beteiligt waren. "Die Bibel ist in ihren Original-Sprachen keineswegs so auf Männer zentriert, wie die üblichen Übersetzungen dies vermitteln."

Auch anti-judaistische Interpretationen sollten vermieden werden. "Jesus war und blieb Jude", sagte Ebach. Es habe auch zur Ermordung von Millionen von Juden im Nationalsozialismus beigetragen, dass sein "Judesein" vergessen und verschwiegen worden war: "Warum hat niemand gemerkt, dass 'Jude raus' auch 'Jesus raus' heißt?" Es sei den Übersetzern darum gegangen, das zu revidieren, was Christen den Juden angetan hätten.

Die Mitherausgeberin Pastorin Hanne Köhler aus Frankfurt wies darauf hin, dass das Bibel-Projekt allein aus Spenden finanziert worden sei. Rund 400.000 Euro seien von mehr als 1.200 Einzelpersonen und Gruppen aufgebracht worden. Die zehn Theologen und 42 Theologinnen hätten fünf Jahre lang ehrenamtlich an der Übersetzung gearbeitet. Auch für die neue Auflage, die Ende November auf den Markt kommen soll, gebe es bereits mehrere tausend Vorbestellungen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3136/17.11.06)
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