Teilweise Kritik an Polizei bei Castortransport

Nachricht 13. November 2006

Gorleben (epd). Seelsorger, Sanitäter und Rechtsanwälte haben Behinderungen ihrer Arbeit durch die Polizei beim Castortransport kritisiert. Er sei von Polizeibeamten "herumgeschubst" worden, sagte der evangelische Pastor Eckhard Kruse am Montag dem epd. Der Uelzener Propst Wolf von Nordheim hat an anderer Stelle mit seinem Team keine Behinderungen erlebt. Insgesamt waren rund 35 evangelische Seelsorgerinnen und Seelsorger am Wochenende als kirchliche Konfliktschlichter unterwegs, bis der Castortransport am Montagmorgen das Zwischenlager in Gorleben erreichte.

Von Nordheim berichtete von seinem Einsatz in der Nacht zum Montag: "Wir hatten keine Schwierigkeiten der Akzeptanz unseres Einsatzes durch die Polizei." Er bewertete den Einsatz der Seelsorger, die bei Konflikten zwischen Demonstranten und Polizei vermitteln wollten, insgesamt positiv: "Allein die Tatsache, dass wir dazwischen stehen, wird sicher dazu führen, dass manches unterbleibt."

Rechtsanwälte bemängelten, sie seien von der Polizei nicht zu Mandanten durchgelassen worden. "Zwei Kollegen wurden sogar in Ausübung ihres Mandates festgenommen", sagte der Anwalt Thomas Hauswaldt. Die Betroffenen hätten in der Nacht zu Montag mit den Teilnehmern einer Blockade in dem Ort Langendorf gesprochen. "Als sie der Aufforderung der Polizei zum Verlassen des Platzes nicht sofort Folge leisteten, wurden sie festgenommen."

Nach dem Eindruck von Pastor Kruse haben viele Castorgegner von der Polizei "keine Achtung als Menschen erfahren". "Die Demonstranten wurden zum Teil behandelt, als wären es Verbrecher", sagte der Pfarrer. Dabei sei der Konflikt um die Atomkraft ein gesellschaftliches Problem, der Protest sei nachvollziehbar und verständlich.

Sanitäter und Ärzte bemängelten, dass Polizisten ihnen den Zugang zu Blockierern verweigert hätten. "Wir wollten den Teilnehmern einer Ankettaktion Wärmflaschen bringen, doch die Polizei hat uns das nicht erlaubt", sagte eine Ärztin.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3070/13.11.06)
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Seelsorge auf nächtlichen Straßen - Kirchenvertreter berichten vom Einsatz beim Castortransport

Von Karen Miether (epd)

Dannenberg (epd). Wolf von Nordheims Stimme klingt müde und rau. Im Kirchenbüro in Dannenberg schildert der Propst aus dem benachbarten Uelzen am frühen Montagmorgen Eindrücke der Nacht, die er an der Straßenstrecke des Castortransportes nach Gorleben verbracht hat. Für leitende evangelische Theologen sonst ungewöhnliche Vokabeln wie "eine ordentliche Räumung" oder "eine ruppig angelegte Polizeiaktion" kommen ihm dabei geläufig über die Lippen.

Seit elf Jahren ist das Büro in Dannenberg während der Atommülltransporte ins niedersächsische Zwischenlager Einsatzzentrale für Seelsorger. 35 Pastorinnen, Pastoren und kirchliche Mitarbeiter waren in diesem Jahr unterwegs, um bei Konflikten zwischen Polizei und Demonstranten zu vermitteln. "Allein die Tatsache, dass wir dazwischen stehen, wird sicher dazu führen, dass manches unterbleibt", sagt der Propst.

Gemeinsam mit dem Diakon Henning Schulze-Drude und dem Rechtsanwalt und Kirchenkreistagsvorsitzenden Rainer Künne-Rosien war von Nordheim vom späten Sonntagabend bis Montag früh um sechs bei nasskaltem Wetter unterwegs. Er berichtet von Demonstranten, die sich an Beton angekettet hatten, und Wasserwerfern der Polizei.

Sein Augenmerk ruhte etwa darauf, dass Blockierer "ordentlich weggetragen und nicht geschleift" wurden. Drei Stunden hat er sich ausgeruht und dann in Uelzen eine Andacht zu einem 100. Geburtstag gehalten. Wie er sehen vor allem die Kirchenvertreter aus dem Wendland ihren Einsatz in den Castor-Tagen als Teil ihres Dienstes. Der Streit um den Atommüll prägt in der Region nahe Gorleben auch den Alltag.

Die Entschlossenheit zu protestieren habe zugenommen, sagt der Langendorfer Pastor Detlef Hasse. "Die Leute haben große Sorge um ihre Heimat und die Zukunft." Der Castor-Transport ist zwischen Kirche und Hasses Pfarrhaus hindurch durch Langendorf gefahren. Zuvor hatten sich auf der Straße Atomkraftgegner an Betonpyramiden angekettet.

Am Montagabend wurde in der Kirche Gottesdienst gehalten, wie in jedem Jahr, nachdem der Castor Gorleben erreicht hat. "Die Andacht ist immer wieder Ort der Klage, aber auch für Solidarität und Trost", sagt Hasse. Für auswärtige Demonstranten boten Kirchengemeinden zudem handfeste Stärkung an.

Bei den Katholiken in Dannenberg gab es einen Mittagstisch, in vielen evangelischen Gemeindehäusern gespendeten Kuchen, Brote und ein Nachtquartier. Der Protest werde von vielen Menschen in der Gemeinde mitgetragen, stand in Dannenberg angeschlagen: "Wenn Sie sich diesem friedlichen Protest anschließen wollen, können Sie unsere Gäste sein."

(epd Niedersachsen-Bremen/b3072/13.11.06)
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