Evangelische Bischöfe besorgt über soziale Lage

Nachricht 12. November 2006

Hannover (epd). Evangelische Bischöfe haben sich besorgt zur sozialen Situation in Deutschland geäußert. Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann beklagte am Wochenende die Folgen der Arbeitsmarktreform Hartz IV: "Die Würde des Menschen muss unantastbar bleiben, damit wir in sozialem Frieden zusammenleben können." Nach Ansicht des braunschweigischen Landesbischofs Friedrich Weber ist die Situation vieler Jugendlicher in Deutschland "dramatisch". Etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche lebten auf Sozialhilfeniveau.

Käßmann sagte in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung (Sonnabend-Ausgabe), die Einzelschicksale müssten mehr Beachtung finden, wie etwa das Kind, das in der Ganztagsschule nicht Mittag essen könne, weil der Regelsatz nicht ausreiche. Gleiches gelte für die alte Frau, die wegen drei Quadratmetern zu viel umziehen müsse, oder den Familienvater, der legal nichts dazu verdienen dürfe.

Bischof Weber sagte am Sonnabend auf einem "Jugendsozialgipfel" in Hannover, christliche Sozialethik gehe davon aus, dass die Leistungsfähigkeit unterschiedlich ist. Deshalb sei es aber zwingend, dass sich die Gesellschaft ihrer ärmsten Mitglieder annehme und dass ihre Leistungsfähigkeit auch den Schwächeren zugute komme. Weber kritisierte, dass die Präsenz armer Menschen in den Kirchengemeinden "verschwindend niedrig" sei.

Die Kluft zwischen Arm und Reich müsse nach dem christlichen Menschenbild überwunden werden. Doch schon in der Bibel sei es nicht nur um materielle Grundsicherung gegangen, sondern auch um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Zu dem Jugendsozialgipfel hatte die Evangelische Jugend in Niedersachsen eingeladen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b3064/12.11.06)
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