EKD-Kundgebung: Armut bekämpfen – Reiche in die Pflicht nehmen

Nachricht 10. November 2006

W ü r z b u r g (idea) – Die evangelische Kirche erwartet, dass Armut bekämpft und Reichtum in die Pflicht genommen wird. So heißt es in einer „Kundgebung“, die die EKD-Synode am 8. November in Würzburg bei vier Gegenstimmen verabschiedet hat.

Das Papier unter dem Titel „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“ wurde von einem Ausschuss unter Vorsitz von Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) erarbeitet, die dem Kirchenparlament angehört. Theologisch konservative Synodale hatten beantragt, dass bei dem Titel der zweite Teil des Bibelworts „aber die Sünde ist der Leute Verderben“ eingefügt werden sollte. Dies wurde mit knapper Mehrheit von 41 zu 37 Stimmen abgelehnt. Man habe aber den Gedanken in den Text aufgenommen, so Frau Göring-Eckardt. So heißt es, Menschen vom gemeinsamen Leben auszuschließen, sei Sünde vor Gott.

In der Erklärung wird auf die wachsende Kluft zwischen Reichen und Armen in Deutschland hingewiesen. In diesem reichen Land sei der Anteil der Menschen, die von Armut bedroht sind, seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie so schnell gestiegen wie heute. Er liege derzeit bei 17 Prozent. Anderseits verfügten Menschen noch nie in der Geschichte über so umfangreiches Einkommen und Vermögen wie heute. Wörtlich heißt es: „Gott traut uns zu, unser Land gerecht zu gestalten und seinen Reichtum zum Wohle aller einzusetzen.“ Die Würde jedes Menschen sei von Gott gegeben: „Armut kann diese Würde nicht beeinträchtigen und Reichtum fügt ihr nichts hinzu.“

Kein Robin-Hood-Prinzip
Im Einzelnen macht das Papier Vorschläge für die Gestaltung einer gerechteren Gesellschaft. Dabei gehe es nicht darum, nach dem Robin-Hood-Prinzip den Reichen etwas wegzunehmen, um es den Armen zu geben. Aber Besitzer hoher Einkommen und Vermögen müssten auch vom Staat stärker in die Pflicht genommen werden, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen. Dankbar nehme man zur Kenntnis, wenn Reiche zum Beispiel über Stiftungen oder Spenden einen zusätzlichen Beitrag zum sozialen Ausgleich leisten. Alle evangelischen Gemeinden werden aufgerufen, sich durch ein Projekt zur Armutsüberwindung und Armutsvermeidung zu profilieren.

Freizeitkarte für ärmere Kinder
Das EKD-Papier fordert bessere Chancen für Arme, insbesondere Arbeitslose, sich in das gesellschaftliche Leben einzubringen. Ferner heißt es: „Wir müssen überall zu einer Kirche werden, in der Arme Heimat haben und an den Entscheidungen ihrer Gemeinden beteiligt sind.“ Öffentliche Güter und Dienstleistungen müssten für alle bereitstehen. So wird eine Freizeitkarte für ärmere Kinder angeregt. Ferner gelte es, gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen unabhängig vom materiellen Besitz sicherzustellen.

Faire Regeln für den Welthandel
Die Kundgebung ruft ferner dazu auf, weltweit einen Ausgleich zwischen armen und reichen Ländern zu schaffen. Deutlicher als bisher müsse Deutschland zur Entwicklungspartnerschaft beitragen. Für den Welthandel sei ein faires Regelwerk nötig. Menschenrechte und ökologische Standards müssten überall verwirklicht werden. Gefordert wird auch eine Umsetzung des vor Jahren gefassten Beschlusses, mindestens zwei Prozent des Kirchensteueraufkommens dem kirchlichen Entwicklungsdienst zur Verfügung zu stellen. Bisher erfüllen nur die badische Landeskirche und die Evangelische Militärseelsorge dieses Ziel. Es soll nun geprüft werden, ob dies durch eine EKD- Umlage geschehen kann.

(08.11.2006/16:52)
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