Landesbischöfin: Gott schickt Krankheit nicht als Strafe

Nachricht 03. November 2006

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat Menschen Mut gemacht, auch mit der Diagnose einer schweren Krankheit offen umzugehen. "Gott schickt Krankheit nicht als Strafe", sagte die 48-Jährige am Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow "Johannes B. Kerner". Die evangelische Bischöfin sprach erstmals nach ihrer Krebsoperation vor acht Wochen im Fernsehen über ihre Erkrankung und die noch andauernde Strahlentherapie.

Sie habe eine ganze Zeit gebraucht, bis sie sich selbst mit ihrer Krankheit auseinander setzen konnte. "Ich musste lernen, Geduld zu haben und einzusehen, dass ich meinen Körper nicht wie sonst beherrschen konnte", sagte Käßmann, die eine begeisterte Joggerin ist. Jede achte bis neunte Frau in Deutschland erkrankt an Brustkrebs. Sie selbst habe großes Glück gehabt, da der Krebs sehr früh bei einer Routine-Untersuchung erkannt worden sei: "Es ist sehr wichtig, dass jede Frau zu Vorsorgeuntersuchungen geht."

Nach ihrer Brustkrebs-Diagnose Ende August habe sie für sich selbst erfahren können, dass Gottvertrauen gerade auch in schweren Zeiten trage: "Wir können ja nie tiefer fallen als in Gottes Hand." Ihr sei in dieser Zeit sehr bewusst geworden, dass Themen wie Krankheit und Sterben von der Gesellschaft nicht tabuisiert werden dürften. Der Tod gehöre zum Leben dazu.

"Wir sollten uns alle immer wieder Zeit für Gott nehmen", sagte die evangelische Bischöfin. Dazu gehörten zum Beispiel Gebete, regelmäßige Zeiten des Schweigens oder der Sonntag als Ruhetag von der Hektik des Alltags. Auch deshalb lehne sie Ladenöffnungen am Sonntag strikt ab: "Wenn die ganze Gesellschaft keinen Rhythmus von Arbeit und Rückzug mehr hat, dann ist ein kollektives Burnout-Syndrom nicht mehr weit."

Die in Marburg geborene Käßmann ist seit 1999 Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland mit mehr als drei Millionen Mitgliedern. Seit 2003 gehört sie außerdem dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. Sie ist verheiratet und Mutter von vier Töchtern.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2969/03.11.06)
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