Auf einen Blick (31.10.)

Nachricht 31. Oktober 2006

Rabbiner begrüßt besseres Verhältnis zu Kirchen

Wunstorf/Region Hannover (epd). Der Rabbiner Walter Homolka hat das verbesserte Verhältnis zwischen Protestanten und Juden begrüßt. "Nur wer sich seiner Identität sicher ist, kann auf den anderen zugehen und mit ihm ins Gespräch kommen", sagte der Rektor der jüdisch-liberalen Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam am Dienstagabend in der Stiftskirche in Wunstorf bei Hannover. Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde hatte ihn zur Predigt am Reformationstag eingeladen.

Der Rabbiner Leo Baeck (1873-1956) habe mit seinen Werken über das Christentum wichtige Grundlagen für den jüdisch-christlichen Dialog gelegt, sagte Homolka. Dabei habe er am Luthertum seiner Zeit herbe Kritik geübt. Schon vor der NS-Zeit habe er der lutherischen Kirche vorgeworfen, sie habe "aus dem Deutschtum eine Religion gemacht". Die lutherische "Zwei-Reiche-Lehre" habe die Religion von Politik und Gesellschaft getrennt und darauf verzichtet, schon im Diesseits für das Reich Gottes zu wirken.

Versöhnt hätten Baeck erst der mutige Widerstand der "Bekennenden Kirche" gegen die versuchte Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten und der Einsatz amerikanischer Kirchen für die Rechte der Schwarzen, sagte der frühere niedersächsische Landesrabbiner. Für Baeck sei Jesus ein strenggläubiger Jude geblieben. Der Reformator Martin Luther habe zwar auch den jüdischen Ursprung Jesu betont, habe sich aber später aus Enttäuschung zum Feind des Judentums entwickelt. "Baecks Kritik war die Voraussetzung für einen Dialog heute", sagte Homolka.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2930/31.10.06)
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Das aktuelle Thema: Reformationstag
Der 31. Oktober - für viele das Datum von Halloween. Dabei ist es auch der Tag der Reformation. Damit auch Kinder dabei nicht nur an Kürbis und Co. denken, sondern auch an Martin Luther hat die Paul-Gerhard Gemeinde in Hameln ein Musical auf die Beine gestellt. Ein Bericht von Mark Eickhorst
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Reformationstag soll bundesweit arbeitsfreier Feiertag werden

Wittenberg/Hannover – Bis zum Jahr 2017 soll der Reformationstag in ganz Deutschland gesetzlicher Feiertag sein. Dies hat der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), angeregt. In seiner Predigt zum Reformationstag in der Schlosskirche zu Wittenberg sagte er: „Wenn dies in Chile möglich ist, wo es nur 15 Prozent Evangelische gibt, warum nicht im Mutterland der Reformation?“

Der bayerische Landesbischof bezeichnete „christliche Freiheit“ als ein Schlüsselwort im Denken Martin Luthers. Sie meine allerdings nicht Beliebigkeit, mit der sie heute gerne verwechselt werde. Christliche Freiheit und Liebe, Glaube und Dienst am Nächsten gehörten zusammen. Die Freiheit, die den Menschen durch Christus geschenkt werde, ziele nicht auf eine völlige Losgelöstheit, auf Beliebigkeit oder Unsicherheit, sondern auf Bindung – an Gott und den Nächsten. „Ein Glaube, der nicht den Alltag gestaltet, der nicht zum Gottesdienst in der Welt wird – das ist kein Glaube, wie Paulus und Luther ihn beschreiben“, so der Leitende Bischof. Christliche Freiheit befreie den Menschen auch von seiner Selbstbezogenheit, von den Zwängen des Alltags und mache ihn vor allem frei für das, worauf es eigentlich ankomme: „Freundschaft und Mitmenschlichkeit, Fürsorge und Verantwortung, Glaube, Liebe und Hoffnung.“

Unverständnis äußerte der Landesbischof Friedrich, der auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört, über manche Kritik am EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“. „Da scheinen einige dem Geist der Verzagtheit offenbar mehr zu huldigen denn dem der Reformation.“ Die evangelische Kirche müsse immer neue Formen und Strukturen finden. Dabei wage sie auch unkonventionelle Schritte, um den Menschen auch in Zukunft Beheimatung zu bieten und ihnen den Glauben und die Liebe Gottes näher zu bringen.

Lutherisches Kirchenamt - Pressestelle
http://www.velkd.de
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„Der Mensch ist zur Freiheit berufen“. Wolfgang Huber predigt zum Reformationstag

Die Freiheit der Getauften sei das Thema des Reformationstages, erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in seiner Predigt zum Reformationstag am 31. Oktober in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. Dieses Thema sei hochaktuell. „Das Reformationsfest ist kein nostalgischer Blick in ein Wittenberger Museum. Es geht vielmehr um rettende Klarheit für heute und morgen.“ Jung und Alt verbinde die Frage, wie man unter den komplexen Anforderungen unserer Zeit eine eigenständige Person sein könne, die in Freiheit ihre Individualität entfalte und dabei das Wohl anderer Menschen im Sinn behalte.

Der Ruf des Evangeliums gleiche einem aufrüttelnden Fanfarenstoß, so der Bischof in seiner Predigt zu Galater 5,1. „Gott hat uns das schwere Joch von Hals und Schultern genommen.“ Der Mensch könne aufatmen, denn er sei zur Freiheit berufen. „Das Evangelium ist dein Kompass. Du gehörst zu den Kindern der Freiheit.“ Die Kirche der Freiheit folge dem Ruf des Evangeliums. Sie trage Verantwortung dafür, dass „Kinder aus christlichen Familien und nach Möglichkeit auch deren Freunde“ den Umgang mit der Freiheit lernen. „Sie prangert eine Verwahrlosung der Sitten nicht nur an, wenn sie in Afghanistan geschieht und in der Bildzeitung abgebildet wird.“ Vielmehr gehe es um die Einübung in den Unterschied von Freiheit und Willkür und um das Verhältnis von Freiheit und Bindung. „Das Zutrauen zu Gott, in dem wir die Freiheit des Menschen verankert wissen, ist nicht eine Idee von gestern, sondern ein rettendes Leuchtfeuer auf dem Weg in die Zukunft.“

Martin Luther habe die Kirche zu ihrem Ursprung gerufen und sie erneuert: „eine Kirche der Freiheit“. Viele Menschen hätten den Ball aufgenommen und ihn weitergespielt „bis zum heutigen Tag. Das zu feiern ist besser als Halloween.“ Halloween sei kein christliches Ereignis und werde in der Kirche auch nicht gefeiert, betonte der Bischof. „Die Vorstellung, dass die Geister Verstorbener als böse Geister wiederkehren, verträgt sich nicht mit dem christlichen Glauben. Für ihn sind die Verstorbenen bei Gott geborgen; sie brauchen nicht umherzugeistern.“ Der evangelischen Kirche sei auch nicht gleichgültig, dass dieses Spektakel ausgerechnet am 31. Oktober über das Land der Reformation hereinbricht. „Wir können den Reformationstag nicht zugunsten einer Gruselparty aufgeben.“

Hannover, 31. Oktober 2006
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi
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Gegen Monotonie von der Kanzel - Die "Meisterklasse Predigt" gilt als Braunschweiger Besonderheit

Von Manfred Laube (epd)

Braunschweig (epd). Friedhelm Meiners predigt gern und viel, hält Rundfunkandachten und hat schon in Fernsehgottesdiensten mitgewirkt. In der Martinikirche in Braunschweig ist er mit seinen Predigten und seinen Andachten immer wieder "auf dem Markt". Wenn er vor die Kirchentür tritt, steht er unter Marktleuten auf dem historischen Altstadtmarkt vor dem Haus der Industrie- und Handelskammer. Der 49-Jährige mit der Nähe zu Handel und Handwerk absolviert gerade den "Meisterkurs" für Pfarrerinnen und Pfarrer: die "Meisterklasse Predigt".

Diese Meisterklasse ist eine Braunschweiger Besonderheit. Sie wurde wegen des Titels von einigen Pfarrern zunächst belächelt, wird inzwischen aber auch von Auswärtigen besucht, berichten der Direktor und die Studieninspektorin des Predigerseminars, Dieter Rammler und Ingrid Drost-von Bernewitz. Sie hatten vor fünf Jahren gemeinsam mit dem Schriftsteller und Dozenten Heinz Kattner, dem Schauspieler Gerd Zietlow und dem Erlanger Theologieprofessor Martin Nicol die Idee, ein "Atelier Sprache" einzurichten.

Ausgangspunkt war die Sorge um die Sprech- und Sprachkultur der Kirche, um die Glaubwürdigkeit im Glaubensgespräch. 2003 kam ein zusätzlicher Impuls aus Hamburg hinzu: Journalistenschüler hatten am Himmelfahrtstag 31 Predigten gehört und legten die Auswertung vor. Sie bemängelten, dass nur ein Prediger seinen Text frei vortrug und dass kaum ein Pfarrer persönlich Stellung bezog.

Langweilige Rhetorik, monotoner Tonfall, wenig spürbare Leidenschaft und fehlende Körpersprache standen außerdem auf der Negativliste der Hamburger Beobachter. In sechs Drei-Tage-Kursen können in Braunschweig jetzt Prediger lernen, wie sie besser bei ihrem Publikum ankommen. Gleich im ersten Kurs heißt es "frei predigen." Nach dem Motto "Die Präsenz des Predigers stärkt die Botschaft entscheidend" lernen dann die Teilnehmer etwas darüber, was ihr Körper beim Denken und Sprechen ausstrahlt. Der Kurs mit Professor Nicol heißt "Einander ins Bild setzen. Dramaturgische Homiletik I".

Der Abschluss steht unter dem programmatischen Motto "Eigene Predigtsprache - glaubwürdig und wirksam ". Ein Zertifikat belohnt die Absolventen der Meisterklasse. Die Auszeichnung ist nicht ganz billig zu haben: Jeder Kurs kostet 195 Euro. Friedhelm Meiners und auch andere Teilnehmer sind der Überzeugung, dass sich der Meisterkurs lohnt. Meiners muss aber einräumen, dass er frei zu predigen schon lange vorher gelernt hat, und zwar bei einer Beerdigung, zu der er sein Redemanuskript vergessen hatte.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2918/31.10.06)
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Bischof Huber zu Gast bei diakonischem "Freundesmahl"

Hildesheim (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Bischof Wolfgang Huber, ist in diesem Jahr der Gastredner beim 21. "Freundesmahl" in den Diakonischen Werken Himmelsthür in Hildesheim. Er wird am 1. Dezember zum Thema "Zukunft gestalten - Erwartungen an Religion und Glauben" sprechen, teilte der Freundesverein der Diakonischen Werke am Dienstag mit. Der Erlös des Freundesmahls kommt der Arbeit der Einrichtung mit geistig und mehrfach behinderten Menschen zugute. Im vergangenen Jahr waren es rund 7.000 Euro.

"Mit dem Geld fördert der Verein vor allem Freizeit-Aktivitäten, die sonst unter den Tisch fallen würden", sagte der Vorsitzende des Freundesvereins, der ehemalige Hildesheimer evangelische Landessuperintendent Walter Meyer-Roscher. Er finanziere aber auch besondere Anschaffungen wie ein Wasserbett, die aus dem normalen Etat der Einrichtung nicht zu bezahlen wären. Insgesamt überweist der Förderverein pro Jahr rund 13.000 Euro an die Diakonischen Werke Himmelsthür.

Der Verein lädt jedes Jahr prominente Gastredner nach Hildesheim ein. In den vergangenen Jahren waren dies unter anderem Gerhard Schröder, Christian Wulff, Nina Ruge, Thomas Quasthoff und US-Botschafter John C. Kornblum. Die Diakonischen Werke Himmelsthür sind mit rund 1.700 Bewohnern an 17 Standorten und ebensovielen Mitarbeitern die größte Einrichtung für behinderte Menschen in Niedersachsen. Der 1983 gegründete Freundesverein hat rund 250 Mitglieder.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2922/31.10.06)
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Studentengemeinden setzen Dialog mit Muslimen fort

Clausthal-Zellerfeld (epd). Die christlichen Studentengemeinden in Clausthal-Zellerfeld setzen im Wintersemester ihren Dialog mit islamischen Studenten fort. Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Evangelischen Studentengemeinde (ESG), der Katholischen Hochschulgemeinde und der Islamischen Studentengemeinde beschäftigt sich mit Fragen von Liebe, Trauung, Ehe und Familie, heißt es im neuen Semesterprogramm der ESG. In der Harzstadt treffen sich rund 30 muslimische Studenten jeweils am Freitagabend zum Gebet, unter ihnen Syrer, Palästinenser, Ägypter, Marokkaner und Türken.

Die ESG plant im Sommersemester außerdem Ausflüge, offene Treffpunkte und Andachten, darunter eine Morgenandacht um 7 Uhr früh. Eine interdisziplinäre Vortragsreihe beleuchtet an jedem Mittwochabend um 19.30 Uhr Fragen aus Wissenschaft, Technik und Ethik. Dabei geht es in diesem Semester um das Thema Kommunikation. Gefragt wird unter anderem: "Machen Handys krank?" An der Technischen Universität Clausthal werden Ingenieure und Naturwissenschaftler ausgebildet. (Internet: www.esg-heim.tu-clausthal.de)

(epd Niedersachsen-Bremen/b2925/31.10.06)
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Göttinger Juden erhalten wieder eine Synagoge

Göttingen (epd). 68 Jahre nach der Zerstörung der Göttinger Synagoge durch die Nationalsozialisten bekommt die Jüdische Gemeinde der Stadt wieder ein eigenes Gotteshaus. "Die Bauarbeiten kommen gut voran", sagte am Dienstag der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Göttingen, Harald Jüttner. Bereits am 15. Dezember wolle die Gemeinde in der Synagoge den Beginn des jüdischen Lichterfestes Chanukka feiern.

Bei der Synagoge handelt es sich nicht um einen Neubau. Auf dem Grundstück der Jüdischen Gemeinde werde eine Fachwerk-Synagoge aus Bodenfelde wieder aufgebaut, erläuterte Jüttner. Lastwagen hatten die bis zu drei Tonnen schweren Wandteile des Gebäudes nach Göttingen gebracht. In einer Zimmerei wurden schadhafte Balken erneuert. Die 64 Quadratmeter große Synagoge soll 60 bis 70 Personen Platz bieten.

Die Synagoge in Bodenfelde wurde 1825 errichtet. Nach der Auflösung der dortigen jüdischen Gemeinde durch den Terror der Nationalsozialisten hatte ein Landwirt das Gebäude erworben. Sein Enkel war der letzte Besitzer, ihm diente das Gebäude als Scheune. Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Göttingen hatten die Synagoge vor mehr als zehn Jahren entdeckt und mit dem Eigentümer eine Option für den späteren Kauf vereinbart.

Die Kosten für Abriss, Transport und Wiederaufbau der Synagoge in Höhe von rund 200.000 Euro übernimmt der in Göttingen ansässige Förderverein für ein Jüdisches Zentrum. Er hatte im Jahr 2000 auch ein 3.600 Quadratmeter großes Grundstück in der Innenstadt erworben und der Jüdischen Gemeinde übereignet. Nach Angaben des Vereins fehlen noch rund 50.000 Euro an der Finanzierung für den Aufbau der Synagoge.

Die vor zwölf Jahren wieder gegründete Jüdische Gemeinde Göttingen hat nach eigenen Angaben etwa 200 Mitglieder. Die meisten von ihnen seien Einwanderer aus Osteuropa, sagte Jüttner. Im vergangenen Jahr entstand in Göttingen noch eine konservativ ausgerichtete Jüdische Kultusgemeinde mit etwa 50 Mitgliedern. - Spendenkonto für den Synagogenbau: Förderverein Jüdisches Zentrum Göttingen, Kto 22200430, Sparkasse Göttingen, BLZ 260 500 01.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2921/31.10.06)
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