Landesbischöfin ruft Menschen zum Bibellesen auf

Nachricht 31. Oktober 2006

Hannover (epd). Die hannoversche Landebischöfin Margot Käßmann hat am Reformationstag dazu aufgerufen, wieder mehr in der Bibel zu lesen. "Ich wünsche mir, dass sich die Menschen mehr Zeit nehmen, um ihren Glauben einzuüben", sagte Käßmann am Dienstagvormittag in einem Fernsehgottesdienst aus der Marktkirche in Hannover. Sie habe in den vergangenen Wochen selbst erfahren, wie wichtig es sei, durch den Glauben gehalten zu werden: "Wir können nie tiefer fallen als in Gottes Hand", sagte die 48-jährige evangelische Theologin, die acht Wochen nach einer Krebserkrankung erstmals wieder einen Gottesdienst hielt.

"Unser Glaube kann uns einen festen Stand im Leben geben", sagte Käßmann weiter. Wer sich von Gott geborgen fühle, finde auch die tiefe innere Ruhe, die dem Reformator Martin Luther den Mut gegeben habe, sich sogar mit Kaiser und Papst anzulegen. In seinem Glauben, dass der Mensch ohne eigene Verdienste allein aus Gnade von Gott geliebt werde, habe Luther Freiheit gefunden: "Und diese Freiheit war keine oberflächliche Happiness."

Luther sei für seine Überzeugung eingestanden und habe Verantwortung für sich und andere übernommen: "Heute würden wir das Zivilcourage nennen", sagte die Bischöfin. Die Welt brauche mutige Menschen, die unerschrocken umsetzten, was Jesus Christus als höchstes Gebot genannt habe: "Gott über alle Dinge zu lieben und deinen Nächsten wie dich selbst."

Der Gottesdienst war eine Inszenierung aus Gesprächen, Theaterszenen und einem Musikmix aus alten und neuen Reformationsliedern. In vier Schlüsselszenen brachte der hannoversche Regisseur Peter Ries den Besuchern das Leben Martin Luthers nahe. Dazu gehörten Luthers Standhaftigkeit 1521 in Worms, vor Kaiser und Kardinälen für seinen Glauben einzutreten, und seine Anfänge im Augustinerkloster Kloster in Erfurt. Auch Luthers Ringen mit der Bibelübersetzung auf der Wartburg und seine Begegnung mit seiner späteren Frau Käthe gehörten dazu.

Die Bischöfin betonte, dass Luthers Ehefrau, die ehemalige Nonne Katharina von Bora, für sie ein beeindruckendes Beispiel einer berufstätigen Mutter sei. Ohne sie wäre Luther in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Beide seien unter schwierigsten Bedingungen mit viel Mut ihre Bindung eingegangen und hätten in einer gleichberechtigten Ehe miteinander gelebt: "Daran mangelt es heute vielen, die eine Ehe aufschieben."

Margot Käßmann, die in Marburg geboren ist, ist seit 1999 Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland mit mehr als drei Millionen Mitgliedern. Seit 2003 ist sie außerdem Mitglied im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Sie ist verheiratet und Mutter von vier Töchtern. Ende August musste sie sich einer Brustkrebsoperation mit einer anschließenden Strahlentherapie unterziehen und war zwei Monate krankgeschrieben.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2920/31.10.06)
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