Tausende demonstrieren friedlich gegen Rechts

Nachricht 29. Oktober 2006

Göttingen (epd). Mehrere tausend Menschen haben am Sonnabend in Göttingen friedlich gegen Rechtsextremismus demonstriert. An einer Kundgebung der NPD beteiligten sich zur gleichen Zeit etwa 200 Personen. Die Polizei, die etwa 6.000 Beamte eingesetzt hatte, nahm mehrere Gegendemonstranten in Gewahrsam. Sie sprach von rund 4.000 Teilnehmern.

Neonazis beherrschten in Ostdeutschland inzwischen ganze Landstriche und säßen in zwei Landtagen, sagte der evangelische Pastor Ludger Gaillard bei der vom "Göttinger Bündnis gegen Rechts" veranstalteten Kundgebung. Es müsse gelingen, der NPD und den Neonazis "den Boden unter den Füßen weg zu ziehen". Auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Göttingen, Harald Jüttner, warnte vor einem Wiedererstarken der Rechtsextremisten.

Bei der Demonstration gegen Rechts waren auch kirchliche Konfliktschlichter unterwegs. Die acht evangelischen und katholischen Pfarrer und Diakone hätten bei drohenden Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und der Polizei vermittelt, sagte der Göttinger Superintendent Wolf-Dietrich Köhler. In einigen Fällen seien auf diese Weise Konflikte vermieden worden.

Die Polizei nahm vor der Kundgebung zahlreiche Gegendemonstranten in Gewahrsam. Sie hätten gegen das Versammlungsgesetz verstoßen, sagte Polizeisprecher Mathias Althaus. Die Beamten hatten bereits am frühen Sonnabendmorgen auf den Zufahrtstraßen nach Göttingen Sperren errichtet und anreisende Demonstranten kontrolliert. Zudem wurden die Neonazis in einem Zelt vor dem Bahnhof durchsucht.

Die Kundgebung der Rechtsextremisten fand am Platz vor dem Bahnhof statt. Die NPD hatte zunächst einen Demonstrationszug durch die Göttinger Innenstadt angemeldet, war mit diesem Anliegen aber vor den Gerichten gescheitert. Zuletzt hatte am Freitag das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass sich die NPD lediglich zu einer zweistündigen Kundgebung vor dem Bahnhof versammeln dürfe. Eine von Rechtsextremisten für Sonnabend geplante Demonstration in Celle war vollständig verboten worden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2903/28.10.06)
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