Erklärt: Reformationstag / Halloween

Nachricht 27. Oktober 2006

Reformationstag
95 Thesen verändern die Welt


Von Öffentlichkeitspastor Jörg Buchna, Norden

95 Thesen Martin Luthers gegen den Ablasshandel gelten als Geburtsstunde der Reformation und der reformatorischen Kirchen. Ob der Augustinermönch Luther die Zettel mit diesen Thesen am 31. Oktober 1517 wirklich mit dem Hammer an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, gilt nicht mehr als historisch gesichert. Heute nimmt man vielmehr an, dass er die Thesen an eine Reihe von Kollegen und Adelige verschickte. Über die geschichtsträchtige Wirkung dieser Thesen besteht allerdings keinerlei Zweifel.

Dass Luther eine Reform der katholischen Kirche an „Haupt und Gliedern“ anstrebte, war dabei freilich keineswegs mit der Absicht verbunden, eine „evangelische“ oder gar „lutherische“ Kirche zu gründen. Dem Reformator ging es vielmehr darum, die Bibel wieder zur Grundlage kirchlicher Verkündigung und kirchlichen Handelns zu machen. Der zentrale Glaubenssatz war dabei für ihn die Aussage des Apostels Paulus im Brief an die Römer (Kapitel 3, Vers 28): „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben“.

Wenn heute die evangelischen Kirchen den Reformationstag begehen, dann tun sie es auch und gerade im Sinne des selbstkritischen reformatorischen Grundsatzes „ecclesia semper reformanda“ (Kirche muss sich immer wieder erneuern). Gesetzlicher Feiertag ist der Reformationstag heute nur in den neuen Bundesländern, nicht aber in Berlin und den alten Bundesländern. Die Festlegung auf den heutigen Termin, den 31. Oktober, erfolgte übrigens durch Georg II von Sachsen im Jahre 1667. Dieses Datum setzte sich dann allgemein durch. Zuvor wurde der Reformationstag in den jeweiligen Landeskirchen je nach dem Termin der Einführung der Reformation in dem betreffenden Land begangen.

Halloween
Ein Papst, die Geister und "trick or treat"


Von Öffentlichkeitspastor Jörg Buchna, Norden

Der Name „Halloween“ leitet sich ab von „All Hallows Evening“ = „Vorabend zu Allerheiligen“ ab. Dieses Fest wurde im Jahre 837 von Papst Gregor IV als Gedenktag für die christlichen Märtyrer, als „Tag aller Heiligen“ festgelegt. Man beabsichtigte damit, die christianisierten Briten und Bretonen und andere Völker keltischen Ursprungs von ihren alten Bräuchen wegzubringen. Zu diesen Bräuchen gehörte die Vorstellung, dass in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November die Menschen Zugang zur Welt der Geister finden. Die Welt der Lebenden und der Toten war, wie man annahm, in dieser Nacht für einander durchlässig. Die Seelen der Verstorbenen, so meinte man, könnten zurückkehren etwa in Tiergestalt. Davon waren die Menschen einerseits zwar fasziniert Andererseits aber fürchteten sie sich zugleich vor den Geistern. Deshalb versuchte man sie durch allerlei „Gegenmittel“ wie Feuer oder auch Masken zu vertreiben. So wurden etwa Gesichter in Rüben geschnitzt, um die Geister fernzuhalten

Was den beleuchteten Kürbis , den „Jack O´Lantern“ als „Symbol“ von Halloween betrifft, leitet sich dieser von folgender Legende ab: Ein Mann namens Jack überlistete einst den Teufel. Er hatte diesen nämlich auf einen Baum gelockt, in den Jack dann ein Kreuz schnitzte. So war der Teufel auf dem Baum gefangen. Erst gegen die Zusage, dass der Teufel ihn nicht mehr in Versuchung führen werde, tilgte Jack das Kreuzeszeichen wieder. Nach seinem Tod landete Jack dann auch nicht in der Hölle. Der Himmel blieb ihm allerdings auch verschlossen. Da gab ihm der Teufel eine glühende Kohle, die von Jack in eine ausgehöhlte Rübe gelegt wurde. Und so ist Jack , zum ewigen Wandern verdammt, ruhelos mit seinem Licht in einer ausgehöhlten Rübe unterwegs. Dass statt einer Rübe ein Kürbis für den „Jack O ´Lantern“ verwendet wurde, geht auf in die USA eingewanderte Iren zurück. Der Grund , statt der Rübe einen Kürbis zu verwenden, ist einleuchtend. Im Vergleich zur Rübe stellte ein erleuchteter Kürbis von seinem Umfang und seiner Strahlkraft her natürlich einen wesentlichen stattlicheren „Jack O´Lantern“ dar. Und dieser Kürbis sollte den Menschen dazu dienen, den Teufel und damit alle bösen Geister abzuschrecken.

Hinsichtlich des „Halloween-Heischeganges“, vergleichbar dem Brauch beim Martini-Singen, ließe sich auf einen bei den Druiden in Irland geläufigen Brauch verweisen. Danach ging man von Haus zu Haus, um Gaben zu sammeln. Wer Gaben gab, dem verhieß man den Segen des Gottes Muck Olla. Wer Gaben verweigerte, der wurde mit einem Fluch belegt. Vielleicht leitet sich das in Amerika gebräuchliche „trick or treat“ (Süßes- oder es gibt Saures) aus dieser Tradition ab. Bei „trick or treat“ gehen als Geister verkleidete Kinder von Haus zu Haus und rufen „trick or treat“. Entweder bekommen sie dann etwas Süßes geschenkt oder aber sie spielen den „Verweigerern“ einen Streich.