Auf einen Blick (19.10.)

Nachricht 19. Oktober 2006

Gegen den "geilen Geiz" bei Lebensmitteln - Bauern und Kirche gemeinsam für Verbraucher-Verantwortung

Von Dieter Sell (epd)

Bremen (epd). BSE-verseuchtes Rindfleisch, Würmer im Fisch, Acrylamid in Pommes, Gammelfleisch und illegal genmanipulierter Reis: Die Liste der Lebensmittelskandale der jüngsten Zeit ist lang - und das trotz hoher Erwartungen der Verbraucher. Schließlich sollen Lebensmittel gut und möglichst billig sein. "Alles bio, alles billig, das passt nicht zusammen", sagen Eckhart Hoehne und seine Ehefrau Marietta, die Kirchenland gepachtet haben und damit in Bremen einen von knapp 16.500 ökologisch wirtschaftenden Höfen in Deutschland bewirtschaften.

"Die Erwartungen der Verbraucher nehmen die bäuerlichen Betriebe in die Zange", bestätigt Friedhelm Blüthner, der als Umweltbeauftragter der Bremer Kirche auch Sprecher aller Umweltbeauftragten in der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. "Die eine Zangenwange besteht aus den sinkenden Erlösen für landwirtschaftliche Produkte." Discounter und Weltmarkt sorgten dafür, dass viele Landwirte kein Auskommen mit dem Einkommen haben könnten. "Die andere Zangenwange besteht aus den Kosten, die im Gegenteil noch steigen", betont Blüthner. Der 39-jährige Landwirt Hoehne führt schon in der 18. Generation das etwas abseits der Hauptstraße gelegene "Gut Stackkamp" mit 175 Hektar Land. 3.000 Hühner und 300 Mastschweine gehören zu dem idyllisch gelegenen Hof im Bremer Süden. Über eine schattige Baumallee mit großen Eichen und Buchen geht es zum Hofladen, in dem die Familie Produkte anbietet, die im bäuerlichen Betrieb produziert wurden.

Wer hier kauft, bekommt knackiges Obst und Gemüse aus dem Gutsgarten, selbstgemachte Marmelade, sämigen Imker-Honig - und legefrische Eier. In unterschiedlichen Größen sind sie ein paar Cent teurer als beim Discounter nebenan. "Wir leben von Stammkunden", sagt Marietta Hoehne. "Wir füttern nur eigenes Getreide und bringen die Gülle und den Mist wieder auf unsere Felder", erläutert sie den Stoffkreislauf, auf den die Hoehnes in alter bäuerlicher Tradition Wert legen.

Das Ehepaar erlebt täglich, wie sich der Preis und der Wert landwirtschaftlicher Produkte immer weiter voneinander entfernen. So geht Eckhart Hoehne "der Hut hoch", wenn er an die Werbeaktion einer großen Handelskette denkt, die kürzlich das 250-Gramm-Päckchen Deutsche Markenbutter zum Preis von 50 Cent ins Kühlregal gelegt hat. Auch wenn der Einkaufspreis bei den landwirtschaftlichen Erzeugern für die Kampagne nach Angaben der Kette nicht gesenkt wurde, findet Hoehne es "eine Frechheit, dass mit Lebensmitteln so herum geschleudert wird".

Wenn es um gute Lebensmittel gehe, "ist Geiz eben nicht geil", bekräftigt auch Pastor Blüthner, der dafür wirbt, für Qualität mehr zu zahlen. Der Leiter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande der hannoverschen Landeskirche, Pastor Stephan Wichert-von Holten, unterstreicht ebenfalls die Verantwortung der Kunden im Supermarkt und im Einzelhandel: "Der Kunde scheidet zwischen schlechten und guten Produkten."

Der Kunde habe die Verantwortung, sich kundig zu machen und sei im Gegensatz zu Herstellern und Händlern bei seiner Kaufentscheidung den wenigsten Zwängen ausgesetzt, betont Wichert-von Holten. Eine Kombination von gut und billig sei eben schwer zu finden, ergänzt Hoehne: "Wenn billige Wurst in die Läden kommt, kann keine 1-A-Qualität rauskommen."

(epd Niedersachsen-Bremen/b2816/19.10.06)
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Lutherbrot und Kätheklöben werben für Reformationstag

Müden/Kr. Celle (epd). Mit "Lutherbrot", "Kätheklöben" und "herzhaften Käsefüßen" wirbt der Bäckermeister Michael Hoffmann aus Müden an der Örtze für den kirchlichen Reformationstag am 31. Oktober. Hoffmann habe sich für drei Backrezepte von Ereignissen im Leben des Reformators Martin Luther inspirieren lassen, sagte Pastor Christian Berndt von der evangelische Kirchengemeinde des Heideortes am Montag.

Protestanten erinnern mit dem Reformationstag an den Ursprung der evangelischen Kirche. Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen gegen das Ablasswesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg genagelt haben. In Müden haben Kirche und Bäcker 15.000 Brottüten mit Erläuterungen zu den Gebäckkreationen und zu Luther bedrucken lassen. Die Tüten weisen außerdem auf die Veranstaltungen der Kirchengemeinde zum Reformationsfest hin.

Ab Donnerstag hat der Bäcker für zwei Wochen das deftige Roggenbrot "Hallo Luther" ebenso im Sortiment wie "Hallo Käthe", einen Klöben mit Bier und Korinthen, der an Luthers Ehefrau Katharina von Bora erinnert. Als drittes Gebäck nehmen die "herzhaften Käsefüße Hallo Karl" einen Bezug zu einem Ausspruch Luthers. Mit den Worten "hier stehe ich und kann nicht anders" weigerte er sich, auf dem Reichstag in Worms 1521 vor Kaiser Karl V. seine Schriften zu widerrufen.

Anlass der Aktion in Müden sei die "Hallo Luther"-Kampagne (Internet: www.hallo-luther.de), mit der die hannoversche Landeskirche den Reformationstag in den Blick rücken wolle, sagte Pastor Berndt. Damit reagiert die evangelische Kirche auf das von den USA übernommene Gruselfest "Halloween", das inzwischen auch in Deutschland ebenfalls am 31. Oktober begangen wird.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2792/16.10.06)
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Neue Ausgabe der plattdeutschen Bibel erschienen

Göttingen (epd). Im Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht ist eine neue Ausgabe der plattdeutschen Bibelübersetzung von Johannes Jessen erschienen. "Dat Ole un dat Nie Testament in unse Moderspraak" enthalte das ganze Neue Testament sowie Auszüge des Alten Testamentes, teilte der Verlag am Donnerstag mit. Das Buch sei in einer neuen, modernen Schrift gedruckt worden.

Weniger bekannte Ausdrücke würden erklärt, so dass die frohe Botschaft für "Jan un allemann" verständlich werde, heißt es in der Verlagsmitteilung. Jessens Fassung von 1962 ist die meistgedruckte neuniederdeutsche Bibelübersetzung. - Johannes Jessen, Dat Ole un dat Nie Testament in unse Moderspraak. Göttingen 2006. 1016 Seiten, 39,90 Euro.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2824/19.10.06)
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Kirche zeigt Ausstellung “Gesichter des Islam”

Göttingen (epd). Evangelische Einrichtungen aus Göttingen zeigen vom 31. Oktober an die Ausstellung “Gesichter des Islam”. Ein umfassendes Rahmenprogramm mit Vorträgen und interreligiösen Veranstaltungen werde die Schau begleiten, kündigte der evangelische Kirchenkreis Göttingen am Dienstag an. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Portraits und Interviews islamischer Frauen in Deutschland. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth (CDU) als Schirmherrin eröffnet die Ausstellung in der Innenstadtkirche St. Johannis am 31. Oktober um 18 Uhr.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2801/17.10.06)
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Göttinger Christen, Juden und Muslime beten für Frieden

Göttingen (epd). Christen, Juden und Muslime aus Göttingen wollen am 18. November gemeinsam für den Frieden beten. Das Gebet finde in der neuen Moschee der türkischen Ditib-Gemeinde statt, teilte der "Runde Tisch der Religionen Abrahams" am Dienstag mit. Dem Runden Tisch gehören die evangelische und die katholische Kirche, die Jüdische Gemeinde sowie mehrere islamische Gemeinschaften in Göttingen an.

In der Vergangenheit startete der Runde Tisch unter anderem eine Hilfsaktion für ein schwer krankes palästinensisches Kind. Das zwei Jahre alte Mädchen wurde in der Göttinger Uni-Klinik erfolgreich am Herzen operiert. Das gemeinsame Friedensgebet wird seit 2001 jährlich im November oder Dezember ausgerichtet.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2802/17.10.06)
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Ein weiterer Schritt zu mehr Transparenz - Diakonisches Werk der EKD legt Vorstandsvergütung offen

Berlin, 19. Oktober 2006. Die Diakonische Konferenz hat im Rahmen ihrer jährlichen Zusammenkunft auf Empfehlung des Diakonischen Rates den Jahresabschluss des Diakonischen Werkes der EKD zum 31. Dezember 2005 genehmigt. Der von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüfte Jahresabschluss wird, wie im Vorjahr, auch ins Internet gestellt und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Mit seinem freiwilligen Lagebericht will der Vorstand nicht nur den verantwortlichen Gremien des Werkes gegenüber Rechenschaft ablegen, sondern auch die Öffentlichkeit über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Werkes informieren. Der Lagebericht weist dabei erstmalig auch die Vergütung des Vorstands aus und leistet so einen weiteren Beitrag zur Transparenz.

"Das Diakonische Werk der EKD vollzieht einen weiteren Schritt hin zu mehr Transparenz. Der Lagebericht legt erstmalig auch die Vergütung des Vorstandes offen. Dies ist eine logische Konsequenz der Umsetzung des Corporate Governance Kodex für die Diakonie, der im vergangenen Oktober von der Konferenz beschlossen worden ist. Wir wollen unsere Vorbildfunktion im Hinblick auf die Umsetzung des Corporate Governance Kodex für die Diakonie auch weiterhin erfüllen", so begründete der Vizepräsident des Diakonischen Werkes der EKD, Dr. Wolfgang Teske, Vorstand für Wirtschaft und Verwaltung, diese Entscheidung. "Mit dem Lagebericht wollen wir ebenso wie mit unserem umfangreichen Rechenschaftsbericht die Gremien des Werkes und die Öffentlichkeit informieren. Zu dieser umfassenden Information gehört auch eine realistische Darstellung der Risiken für die zukünftige Entwicklung."

Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.
Barbara-Maria Vahl -- Pressesprecherin
www.diakonie.de