Auf einen Blick (17.10.)

Nachricht 17. Oktober 2006

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Hagenah wird neuer Vorsteher des Birkenhofs in Hannover

Hannover (epd). Pastor Werner Hagenah wird neuer Vorsteher des Birkenhofs in Hannover. Der diakonische Verein beschäftigt 680 Mitarbeitende in seinen Schwerpunkten Jugendhilfe, Altenhilfe und berufsbildende Schulen, teilte der Verwaltungsrat am Dienstag mit. Hagenah wird am 10. November als Nachfolger für Pastor Hanns-Christoph Henckel eingeführt, der in den Ruhestand gegangen ist.

Der Theologe Hagenah hat auch Diplompädagogik studiert und in Berlin promoviert. Er unterrichtet seit 1977 an den Schulen des Birkenhofs. Die Leitung der sechs Schulen werde er weiter beibehalten, hieß es. Dort werden etwa 650 Schülerinnen und Schüler von 60 Lehrkräften zu Erzieherinnen, Altenpflegerinnen und Heilpädagogen ausgebildet.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2797/17.10.06)
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Regionalbischöfin will Förderung sozial Schwacher

Osnabrück (epd). Die Osnabrücker Regionalbischöfin Doris Janssen-Reschke hat die Politik zu einer "wirklichen Förderung sozial Schwacher" aufgerufen. Gleichzeitig kritisierte sie die Diskussion um den Begriff der Unterschicht. Arbeitslosigkeit, Armut und die Auswirkungen der neuen Hartz-IV-Gesetzgebung machten immer mehr Menschen zu gesellschaftlichen Verlierern, sagte die evangelische Landessuperintendentin am Dienstag in Osnabrück: "Gefragt ist nicht eine Debatte um Begriffe, sondern ein Bekenntnis zum Sozialstaat."

Eine wachsende Zahl von Menschen seien von sozialer und wirtschaftlicher Ausgrenzung betroffen, sagte Janssen-Reschke. Die erhoffte Wiedereingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt bleibe für viele Langzeitarbeitslose eine Illusion. Viele Familien könnten auf der Basis der gültigen Regelsätze des neuen Arbeitslosengeldes II ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten: "Es ist nicht gut für ein Gemeinwesen, wenn einige von der automatischen Vermehrung ihres Kapitals gut leben, während andere verarmen und aus allen sozialen Zusammenhängen ausgeschlossen werden."

Die Auswirkungen dieser gesellschaftlichen Spaltung seien auch in Osnabrück zu spüren. Die aktuelle Sozialbilanz der diakonischen Einrichtungen zeige klar eine steigende Zahl von Klienten, die unter der Perspektivlosigkeit litten und psychosomatisch erkrankt seien. "Es ist Ausdruck unseres christlichen Weltbildes, diese Menschen nicht allein zu lassen", betonte Janssen-Reschke. Dazu brauche die Kirche aber die Zusammenarbeit mit der Politik.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2798/17.10.06)
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Landeskirche will mit neuen Schulen auf Kinder zugehen

Hannover (epd). Durch neue Evangelische Schulen will die hannoversche Landeskirche stärker auf Jugendliche, Eltern und Lehrer zugehen. Schulen in kirchlicher Trägerschaft seien eine Chance, intensiv miteinander ins Gespräch zu kommen, sagte die hannoversche Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track in einem Interview der evangelischen Mitarbeiterzeitschrift "Dialog", die Mitte Oktober in Hannover erschienen ist: "Das Feld der Bildung und damit auch der Schulen halte ich für ein zentrales Feld, an dem sich die Zukunft der Kirche mit entscheiden wird."

Die Landeskirche will in Gifhorn und Nordhorn jeweils ein Gymnasium gründen und dazu in Wolfsburg eine Grundschule und in Osnabrück ein Schulzentrum übernehmen. Bisher sind zwei allgemein bildende Schulen in Hildesheim und Dassel bei Northeim in ihrer Trägerschaft. Evangelische Schulen sollten ein offenes Angebot sein, das es Jugendlichen ermögliche, sich intensiv mit den Fragen nach Sinn und Orientierung zu beschäftigen.

Gesellschaft und Kirche brauchten Kinder und Jugendliche, die bereit seien, sich für andere zu engagieren, sagte Gäfgen-Track: "Die Kirche lebt davon, dass Menschen im Glauben sprachfähig sind." Den Eindruck, kirchliche Schulen seien Eliteschulen, wies sie zurück. Die Pisa-Studie habe gezeigt, dass evangelische Schulen gerade bei den Hauptschulen gut abgeschnitten hätten: "Evangelische Schulen fördern das Potenzial der Starken und der Schwachen und machen damit beide stärker."

Laut Gäfgen-Track liegen kirchliche Schulen derzeit voll im Trend. In Ostdeutschland gebe es geradezu eine Gründungswelle. Im Landeskirchenamt wollten Eltern ihre Kinder bereits für 2009 an einer der geplanten Schulen anmelden. Auch Lehrer und Schulleiter hätten sich bereits beworben. Die Oberlandeskirchenrätin führte dies unter anderem darauf zurück, dass kirchliche Schulen eng mit den Eltern zusammenarbeiteten.

Bundesweit gibt es nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) etwa 1.000 Evangelische Schulen mit knapp 150.000 Schülern. Unter ihnen sind zahlreiche berufsbildende und sonderpädagogische Schulen sowie mehr als 300 allgemein bildende Schulen mit rund 85.000 Schülern. Schwerpunkte sind Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und Ostdeutschland. Die Zahl wächst ständig. Die katholische Kirche betreibt bundesweit 1.128 Schulen, darunter 531 allgemein bildende Schulen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2783/17.10.06)
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Von der Generalsynode der VELKD:

Ökumenische Bewegung hat künftig gute Chancen

Das Thema „Ökumene“ ist nach Ansicht des Catholica-Beauftragten der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Friedrich Weber (Wolfenbüttel), „vielfach spürbar an den Rand geraten, wird der Vollständigkeit halber mit erwähnt, aber nicht gedanklich ausgestaltet“. Vor der Generalsynode der VELKD sagte er am 17. Oktober in Ahrensburg, eigentlich solle die Ökumene all unser Denken, Reden und Handeln bestimmen. In der Praxis auf Gemeinde- und Kirchenkreisebene könne es jedoch immer wieder geschehen, dass weniger ökumenisch gestaltet werde, weil an die geringere Zahl von Priestern bzw. Pfarrerinnen und Pfarrern höhere Anforderungen im jeweils eigenen Kirchenbereich gestellt würden. „Ökumene wird dann mitunter eher als eine Aufgabe eingeschätzt, die man zwar schweren Herzens, aber leichten Gewissens auch einmal zurückstellen kann.“

Weber würdigte den lutherisch/römisch-katholischen Dialog, der seit den siebziger Jahren zahlreiche Dialogergebnisse hervor gebracht habe. Damit sei eine Basis geschaffen worden, auf die man aufbauen könne. Zugleich bestehe aber die Gefahr, zuerst den Überblick und dann die Kenntnis im Einzelnen zu verlieren. Ursache hierfür sei, dass es – mit Ausnahme der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre zwischen dem Lutherischem Weltbund und der römisch-katholischen Kirche von 1999 – „keine geordnete Rezeption“ gegeben habe.

In seinem Catholica-Bericht betonte der Braunschweiger Landesbischof gleichwohl, dass die ökumenische Bewegung „gegenwärtig und künftig gute Chancen“ habe, „wenn wir sie nicht behindern, indem unseren Kirchen zu wenig zugetraut und zugemutet wird oder indem die Beteiligten versuchen, die jeweils andere Seite nach ihrem Bild zu gestalten“. Alle ökumenische Arbeit habe nicht nur die Verheißung und den Auftrag Jesu für sich, sondern auch die tiefe Einsicht, dass Gott mehr gewirkt habe und wirke, als eine Tradition oder Konfession aufgenommen habe oder ihm schon hinreichend Raum gebe. „Diese Einsicht lehrt uns, das eigene Glaubensgut im Zusammenhang der weltweiten Christenheit zu sehen, neu zu sehen und das ökumenische Potenzial zu entdecken.“ Neben einer „Ökumene der Profile“ sei es sinnvoll, auch von einer „Ökumene des Lebens“ zu sprechen, um die Arbeit der Gemeinden vor Ort in den Blick zu nehmen.

Über die Verlautbarungen von Papst Benedikt XVI. sagte Weber, es sei klar, dass dieser zuerst von seinem System her denke und spreche. „Eigentlich brauchte die ökumenische Arbeit Gedanken, die die Gefangenschaft aller in ihren traditionellen Systemen durchbrechen.“ Dies gelte auch für die evangelische Seite, so Landesbischof Weber. Benedikt XVI. warf er eine „mangelnde Wahrnehmung der reformatorischen Kirchen in Deutschland vor“ und bezeichnete dies als eine „ökumenische Hürde“. Äußerungen des Papstes ließen die Vermutung zu, dass es auch einen Mangel an Kenntnis über Lehre und Leben unserer Kirchen gebe. Dies sei aber keine hinreichende Basis für einen fruchtbaren und ergebnisorientierten Dialog. Es sei zu fragen, ob manche Aussage eine bewusste Abwertung der evangelischen Kirchen in dem Sinne sei, „dass wir keine ernst zu nehmenden Partner in der einen Kirche Jesu Christi wären“. Damit habe der Papst unnötig Irritationen ausgelöst. Freilich ergebe sich für die evangelische Seite eine Aufgabe, die bislang nicht ausreichend wahrgenommen worden sei. Unsere Kirchen und Theologischen Fakultäten müssten nach Ansicht des Catholoica-Beauftragten, mehr darauf bedacht sein, Rom zu vermitteln, was das Zentrum evangelischen Glaubens sei, „was uns heilig ist und wie in unseren Kirchen verbindliches Lehren zustande kommt“.

Beim Besuch des Papstes in Bayern vor wenigen Wochen sei es nicht zu ökumenischen Fortschritten gekommen, bedauerte Weber. Dabei kenne Benedikt XVI. die Situation in Deutschland, die sich für die Menschen aus der Trennung der beiden Konfessionen ergebe. „Das große Problem besteht nicht nur für die einzelnen konfessionsverschiedenen Familien, ihren christlichen Glauben in der Praxis zu gestalten. Es ist zunehmend auch ein Problem für die Kirchen, nämlich dann, wenn diese Menschen keine Erwartungen mehr an ihre Kirchen haben und sie deshalb einfach verlassen.“ Er erwarte vom Papst „einen kräftigen Impuls“, in dieser Frage zu einer Lösung zu kommen.

Hinweis: Der Bericht des Catholica-Beauftragten kann im Internet unter www.velkd.de herunter geladen werden.
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Für intensiven Dialog zwischen Politik und Kirche

Für einen intensiven Dialog zwischen den Kirchen und der Politik hat sich Ministerpräsident Peter Harry Carstensen auf dem heutigen Empfang der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und des Landes Schleswig-Holstein anlässlich der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschland (VELKD) in Ahrensburg ausgesprochen. Politik und Kirche sollten sich gemeinsam um die Probleme in der Gesellschaft bemühen, so Carstensen. „Den Kirchen kommt dabei die besondere Verantwortung zu, die christlichen Werte zu erhalten“, sagte der Ministerpräsident vor rund 200 Gästen im Kulturzentrum „Marstall“. Aufgabe der Politik sei es, die christlichen Werte vor politischen und rechtlichen Einschränkungen zu schützten. Zu dem Empfang hatten die Nordelbische Kirche und die Landesregierung gemeinsam eingeladen.

Zum so genannten Kopftuchstreit sagte Carstensen, die Landesregierung habe auf das Verbot des Tragens von Kopftüchern an öffentlichen Schulen verzichtet, weil damit auch das Tragen christlicher Symbole hätte verboten werden müssen. Damit würde die eigene christliche Tradition geleugnet, so Carstensen. „Zahlreiche Zuschriften aus allen Teilen der Bevölkerung unseres Landes haben uns dazu bewogen, auf eine gesetzliche Regelung zu verzichten. Wir haben stattdessen den Hinweis des Bundesverfassungsgerichtes aufgegriffen, die religiöse Vielfalt an Schulen dafür zu nutzen, wechselseitige Toleranz zu üben“, sagte Carstensen.
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