Tschetschenische Menschenrechtsaktivistin Taita Junusova erhält Sievershäuser Ermutigung

Nachricht 17. Oktober 2006

Der tschetschenischen Menschenrechtlerin und Friedensaktivistin Taita Junusova ist der diesjährige Friedenspreis 'Sievershäuser Ermutigung' zuerkannt worden, der mit 5000,- Euro dotiert ist.
Die Vorsitzende der Friedensorganisation 'Echo des Krieges' setzt sich seit 1995 für eine friedliche Lösung des Tschetschenienkonflikts und die Wahrung der Menschenrechte ein.

Für ihren mutigen Einsatz hat sie nun die Dokumentationsstätte zu Kriegsgeschehen und über Friedensarbeit Sievershausen e.V. ausgezeichnet. Die auch als 'Antikriegshaus' bekannte Einrichtung verleiht diese Auszeichnung seit 1988 unter wechselnden Schwerpunkten für beispielhaftes zivilgesellschaftliches Engagement gegen Krieg und Gewalt. Thema der diesjährigen Ausschreibung war der Einsatz für eine friedliche Lösung der Konflikte in der Kaukasusregion. Die Preisverleihung wird am 10. Dezember 2006 zum Tag der Menschenrechte stattfinden.

Taita Junusova ist seit März 2006 Gast der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte.
Die Mitgründerin der „Vereinigung der Frauen des Nordkaukasus“ arbeitet eng mit russischen Nichtregierungsorganisationen zusammen, um Flüchtlingen im Kaukasus zu helfen. Sie filmt, fotografiert und dokumentiert seit Jahren Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien und ist oft zu Massengräbern gefahren, um mit Frauen aus Russland ihre Söhne und Ehemänner zu suchen und zu identifizieren.

Desweiteren setzt sie sich für einen Dialog der Toleranz ein und organisiert Seminare und Gesprächsrunden im Kaukasus. Sie wirbt Hilfsgüter ein, die sie an Kinder, vor allen an Waisenkinder, verteilt und vermittelt ihnen Erholungsreisen ans Schwarze Meer oder zu Familien in Moskau. Selbst mehrfach im Blickpunkt russischer und tschetschenischer Geheimdienste, verzichtete sie auf einen festen Wohnsitz und lebte in verschiedenen Familien, die Opfer zu beklagen haben. Dabei dokumentierte sie deren Schicksal. In dem Dokumentarfilm „Coca- Die Taube“, zeigt Regisseur Eric Bergkraut ihre nimmermüde Arbeit.

Derzeit erarbeitet Taita Junusova ein Konzept zur Friedenserziehung und Aufklärung über Kinder- und Jugendrechte, das sie zusammen mit ihren Kolleginnen - einer Juristin und einer Psychologin - in vier ausgewählten ländlichen Gebieten verwirklichen möchte. Hintergrund des Projektes ist, dass Kinder und Jugendliche in einer Atmosphäre von Gewalt – bedingt durch Krieg und häusliche Gewalt durch traumatisierte Eltern - zunehmend zwei Wege wählen: den des Selbstmordes oder den des bewaffneten Kampfes in einer Rebellenorganisation. Dies zu verhindern, ist Taita Junusovas Anliegen. Den Friedenspreis beabsichtigt sie zur Teilfinanzierung dieses Projektes zu verwenden.

Infos: -> www.antikriegshaus.de