Bischof Noack: Religionsunterricht wird immer wichtiger

Nachricht 12. Oktober 2006

Hannover (epd). Der Religionsunterricht an den Schulen wird nach Ansicht des Magdeburger evangelischen Bischofs Axel Noack für die Weitergabe von Religion immer wichtiger. Für viele Jugendliche sei der Unterricht der erste Kontakt mit Religion überhaupt, sagte Noack am Donnerstag beim evangelischen "Bonhoeffer Forum" in Hannover vor Journalisten. Über die Elternhäuser werde der Glaube im Osten wie im Westen Deutschlands immer seltener vermittelt. Es sei daher wichtig, dass Kirche und Schule eng zusammenarbeiteten: "Das ist wie beim Schwimmunterricht: Ohne Wasser geht es nicht."

Zum "Bonhoeffer Forum" kamen auf Einladung der hannoverschen Landeskirche rund 2.500 Jugendliche ab Klasse 9 aus 120 Schulen zwischen Aurich und Duderstadt ins Kongresszentrum. Unter dem Motto "Das Leben riskieren" gingen sie der Frage nach, ob der evangelische Pastor und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) heute ein Vorbild für Jugendliche sein könne. Bonhoeffer wurde wegen seines Widerstands gegen die Nationalsozialisten in einem Konzentrationslager hingerichtet.

Nach Meinung der hannoverschen Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track kann Bonhoeffers Beispiel die Jugendlichen anregen, über ihr eigenes Leben und Handeln nachzudenken. Die Landeskirche wolle künftig verstärkt auf die Schulen zugehen, kündigte sie an. Thematische Veranstaltungen wie das "Bonhoeffer Forum" sollen in Zukunft jedes Jahr stattfinden. Regelmäßige Schülerwochen sollen den Jugendlichen ethische und religiöse Orientierung geben. Zudem wolle die Landeskirche vier Schulen in eigener Trägerschaft gründen oder übernehmen.

Der Vorsitzende des Bildungsausschusses in der Synode der Landeskirche, Rolf Bade, wies darauf hin, dass die früher oft zu spürende Distanz zwischen Religionslehrern und Kirche inzwischen überwunden sei: "Die Religionslehrer merken: Wenn ich authentisch auftreten will, muss ich etwas mit der Kirche zu tun haben." Neben Mathematik, Deutsch oder den Naturwissenschaften sei Religion ein zentrales Thema der Bildung, betonte Bade, der im Hauptberuf Ministerialrat im niedersächsischen Kultusministerium ist: "Bildung braucht Religion, und Religion ist auf Bildung angewiesen." An der Religion werde gelernt, was die Wertschätzung und Würde des Menschen bedeuteten.

Unterrichtsausfälle im Fach Religion führte Bade darauf zurück, dass Religionslehrer häufig eher in ihren zweiten Fächern eingesetzt würden. Mehr Religionslehrer einzustellen bringe deshalb wenig: "Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Religion wichtig ist und nicht zur Disposition steht."

(epd Niedersachsen-Bremen/b2746/12.10.06)
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