Theologe appelliert an Verantwortung der Verbraucher

Nachricht 28. September 2006

(epd-Gespräch)

Hannover/Bremen (epd). Der evangelische Theologe Stephan Wichert-von Holten hat an die Verantwortung der Verbraucher beim Kauf von Lebensmitteln apelliert. "Er entscheidet im Laden und auf dem Markt zwischen schlechten und guten Produkten", sagte der Leiter des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande in Hannover am Donnerstag im epd-Gespräch. Der Sprecher der Umweltbeauftragten in der Evangelischen Kirche in Deutschland, Friedhelm Blüthner (Bremen), warnte vor den Zwängen, denen Erzeuger ausgesetzt seien.

"Beim Erntedankfest geht es auch um die Frage, was gute Früchte sind", sagte Wichert-von Holten. Er sprach sich dafür aus, den Begriff des Verbrauchers durch "Kunden" zu ersetzen. Der Kunde habe die Verantwortung, sich kundig zu machen und sei im Gegensatz zu Herstellern und Händlern bei seiner Kaufentscheidung am wenigsten Zwängen ausgesetzt.

Weiter sagte der Pastor, die bäuerlichen Strukturen in der Landwirtschaft sollten mit Blick auf qualitativ gute Lebensmittel erhalten werden. In den neuen Bundesländern zeichne sich schon ab, dass vermehrt durch Kapitalgesellschaften produziert werde. "Das Ebenbild Gottes aber ist der Mensch, nicht Kapital noch Geld. Geld glaubt nichts, es heiligt nichts und es hört nicht auf Gebete."

Wichert-von Holten kritisierte den Trend zur Fast-Food-Gesellschaft. "Zwischen geilem Geiz und schnellem Essen gehen wir langsam vor die Hunde", sagte der kirchliche Landwirtschafts-Experte: "In einer tischlosen Snackgesellschaft erstickt die mangelnde Esskultur die Sozialkultur unter den Verpackungsresten des letzten Mittagessens".

Der Bremer Theologe Friedhelm Blüthner sagte, die Erwartungen der Verbraucher nach Produkten zu möglichst niedrigen Preisen nähmen die bäuerlichen Betriebe in die Zange. "Die eine Zangenwange besteht aus den eher sinkenden Erlösen für landwirtschaftliche Produkte, die andere aus der Kostenseite, die im Gegenteil sogar steigt." Discounter und Weltmarkt sorgten dafür, dass die meisten Landwirte kein Auskommen mit dem Einkommen haben könnten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2597/28.09.06)
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Das aktuelle Stichwort: Erntedankfest

Hannover/Bremen (epd). Mit dem Erntedankfest erinnern Christen an diesem Sonntag an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Das Fest soll deutlich machen, dass der Mensch die Schöpfung Gottes nicht unter Kontrolle hat. Der Dank in den Gottesdiensten gilt daher der Vielfalt des Lebens und der täglichen Nahrung. Termin für Erntedank ist in der Regel der erste Sonntag im Oktober. Einige Gemeinden feiern das Schöpfungsfest bereits Ende September.

Der Mensch ist nach der Bibel selbst Teil der Schöpfung. Christen kritisieren daher die Zerstörung der Umwelt, Manipulationen am Erbgut sowie Missbrauch der Biotechnik. Die Themen Umweltschutz und Gentechnik spielen an diesem etwa seit dem dritten Jahrhundert begangenen Kirchenfest daher eine immer größere Rolle. Auch die Bedeutung der nachwachsenden Rohstoffe als Energieträger beeinflusst zunehmend den Erntedank.

Mit der bei diesem Fest in den Mittelpunkt gerückten Bitte des Vaterunsers "Unser tägliches Brot gib uns heute" wird zugleich an die Hungerkatastrophen in den ärmsten Ländern der Erde erinnert. Im christlichen Verständnis gehören das Danken und Teilen zusammen. Erntedank-Gottesdienste sind daher meist mit einer Solidaritätsaktion zu Gunsten Not leidender Menschen verbunden.

Gott für die Ernte zu danken, gehörte zu allen Zeiten zu den religiösen Grundbedürfnissen. Traditionell werden die Altäre zum Abschluss der Ernte mit Feldfrüchten festlich geschmückt. Auch Kindern soll das Erntedankfest die Zyklen des Jahreslaufes und der Nahrungsproduktion bewusst machen. Es soll zeigen, dass die Milch nicht aus der Tüte und das Gemüse nicht aus der Dose kommt.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2598/28.09.06)
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