Trauergottesdienst in Lathen nach Transrapid-Unglück

Nachricht 27. September 2006

Trauergottesdienst in Lathen nach Transrapid-Unglück

Lathen/Kr. Emsland (epd). Die evangelische Osnabrücker Regionalbischöfin Doris Janssen-Reschke hat bei der ökumenischen Trauerfeier für die Opfer des Transrapid-Unglücks im niedersächsischen Lathen nach den Konsequenzen des Unfalls gefragt: "Denn wir können ja nicht einfach nur weitermachen wie bisher", sagte die Landessuperintendentin am Mittwoch vor rund 600 Trauergästen in der St.-Vitus-Kirche. Unter ihnen waren auch Bundespräsident Horst Köhler, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU).

Weder mit der Teststrecke könne es einfach weitergehen noch mit dem Transrapid, "an dem doch auch so viele Hoffnungen hängen, die ja nicht überholt sind, weil das Unglück geschah", sagte Janssen-Reschke, die den Gottesdienst zusammen mit dem katholischen Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hielt. Sie forderte, dass Wirtschaftlichkeit und die Entwicklung immer neuerer und besserer Technik nicht länger im Vordergrund stehen dürften: "Wenn wir Menschen Zukunft planen, muss es immer auch darum gehen, wie wir dem gewachsen sind, was machbar ist."

Bischof Bode lobte die "beispiellose Anteilnahme" der Bevölkerung für die Betroffenen: "Die Menschen sind erschüttert von diesem plötzlichen Einbruch menschlicher und technischer Grenzen in unsere immer perfekter erscheinende Welt." Erschütterung, Trauer, Wut und auch Hader mit Gott seien die verständlichen Reaktionen auf ein solches Unglück: "Wenn Gott etwas zulässt in diesem ganzen Geschehen, dann ist es die Klage und den Schrei aller, deren Leben tödlich durchkreuzt ist", sagte Bode bei dem ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die 23 Todesopfer des Unglücks.

Die fast übermenschliche Hilfsbereitschaft der Rettungskräfte und Notfallseelsorger habe ein greifbares Zeichen gegen dieses Grauen gesetzt, sagte Bode. Die Anteilnahme bestehe darin, nicht zu flüchten, sondern da zu sein und "Nähe zu schenken, wo Worte nicht viel vermögen". Die Magnetschwebebahn Transrapid war am vergangenen Freitag auf der Teststrecke in Lathen im Emsland auf einen Werkstattwagen aufgefahren.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte den Angehörigen zu Beginn des Gottesdienstes sein Beileid ausgesprochen: "Sie sind in Ihrer Trauer nicht allein." Dann verlas er die Namen der 23 am vergangenen Freitag ums Leben gekommenen Menschen.

Wulff wies darauf hin, dass die Technik so fehlbar sei wie der Mensch. Er warnte vor blinder Technikgläubigkeit. Ebenso forderte er aber auch, die Transrapid-Technik nicht wegen dieses Unfalls zu verdammen. Dies hätten auch zwei Hinterbliebene angemahnt, mit denen er vor dem Gottesdienst gesprochen habe. Wulff dankte den zahlreichen Rettungskräften und denen, die in den vergangenen Tagen Geld gespendet hätten. Er sicherte den Hinterbliebenen, vor allem den vier Kindern, die ihre Eltern verloren hätten, die Unterstützung des Landes zu.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2587/27.09.06)
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Trauergottesdienst für Opfer des Transrapid-Unglücks

Lathen/Kreis Emsland (epd). Im niedersächsischen Lathen hat am Mittwochvormittag die Trauerfeier für die 23 Todesopfer des Transrapid-Unglücks begonnen. Mehr als 600 Angehörige, Freunde und Helfer kamen in der bis zum letzten Platz besetzten katholischen St. Vitus-Kirche zu einem ökumenischen Gottesdienst zusammen. Darunter waren auch Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Frau Eva Luise, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD).

Vor dem Gottesdienst hatte Köhler persönlich mit den Angehörigen gesprochen. Hunderte Trauergäste verfolgten die Feier vor der Kirche an Lautsprechern. Der NDR übertrug den Gottesdienst mit der evangelischen Landessuperintendentin Doris Janssen-Reschke und dem katholischen Bischof Franz-Josef Bode live im Fernsehen. Im Anschluss an die Feier sollen an einem großen Holzkreuz an der Unglücksstelle Kränze und Blumen niedergelegt werden. Später soll das Kreuz durch eine Gedenkstätte ersetzt werden.

Am vergangenen Freitag war die Magnetschwebebahn Transrapid auf der Teststrecke nahe dem emsländischen Ort Lathen auf einen Werkstattwagen geprallt. Dabei wurden zehn Fahrgäste schwer verletzt und 23 getötet, darunter zwei US-Amerikaner, die als Gäste eines Judoclubs aus Lathen an der Fahrt teilnahmen. Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern noch an.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2582/27.09.06)
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Hilfe für die Helfer - Für die Rettungskräfte gehören die Notfallseelsorger zum Team

Von Jörg Nielsen (epd)

Lathen /Kr. Emsland (epd). Auch für erfahrene Feuerwehrmänner sind die Bilder vom zerfetzten Transrapid im niedersächsischen Lathen nicht leicht zu verkraften. "Da sind wir froh, dass wir unsere Notfallseelsorger haben", sagt der Kreisbrandmeister im Landkreis Emsland, Christoph Wessing. "Die sind für uns nicht mehr weg zu denken. Die gehören zum Team dazu." Wann immer Menschen schwer verletzt oder gar getötet werden, werden die kirchlichen Helfer mit den lila-farbenen Westen gleich mit alarmiert.

Bei schweren Unfällen oder anderen Katastrophen brauchen nicht nur die Verletzten und deren Angehörige die Hilfe der Seelsorger, sondern auch die Rettungskräfte. In Lathen waren insgesamt 26 Notfallseelsorger im Einsatz, davon vier direkt an der Unfallstelle. "Ihre Aufgabe war es, für die geborgenen Toten ein Gebet zu sprechen und sie zu segnen", berichtet die katholische Krankenhausseelsorgerin Bärbel Wempe, die in den ersten Stunden die Arbeit der Notfallseelsorger koordinierte. "Das entlastet die Feuerwehrleute. Für sie ist es wichtig zu wissen, dass sie alles für das Opfer getan haben, was in ihrer Macht stand."

In der hannoverschen Landeskirche ist Pastor Frank Waterstraat der Beauftragte für die Notfallseelsorge. "Was die Rettungskräfte in ihren Einsätzen erleben müssen, ist nicht normal. Aber es ist normal, wenn sie danach Schlafstörungen haben, weil die Bilder sie immer weiter verfolgen", sagt Waterstraat. "Wer über diese Erlebnisse mit einem Seelsorger reden will, ist beileibe kein Weichei." Bei fast allen Feuerwehren gehört das so genannte Briefing nach besonderen Einsätzen zum Standard: "Es hilft, das Geschehene zu besprechen und so, das Erlebte zu sortieren", sagt der Pastor.

Besonders Geräusche und Gerüche können auch noch lange Zeit nach dem Einsatz intensiv an das Erlebte erinnern. Das könne der Geruch von Verbranntem in der Pfanne oder sogar das Signal des Alarmfunkmelders sein. "Wenn diese Symptome auftreten, sollte man spätestens nach ein, zwei Nächten mit jemandem reden", sagt Waterstraat. Finde kein Gespräch statt, könne die Seele nicht damit beginnen, das Ereignis zu verarbeiten. Werde das Erlebte aber weiter verdrängt, könne dies zu massiven Problemen führen - bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.

In Extremfällen können die schrecklichen Erinnerungen zu einem posttraumatischen Belastungssyndrom führen, erläutert Waterstraat. Das ist ein Fluchtreflex der menschlichen Seele, die versucht, alles was an das Ereignis erinnert, zu verdrängen. Das Denken ist dann bestimmt von dem Verlangen, nie wieder etwas mit Feuer oder Tod zu erleben.

In Lathen hatten die Helfer am Sonnabendabend ihre Arbeit mit einem ökumenischen Trauergottesdienst beendet. "Es ist ein kirchliches Zeichen, jetzt die weiteren Aufgaben an andere abgeben zu dürfen", sagt Notfallseelsorger Thomas David Gotthilf. Ein besonderes Signal sei es für die Hinterbliebenen und die Helfer gewesen, dass Bundespräsident Horst Köhler am Mittwoch an der Trauerfeier in der Lathener St. Vitus-Kirche teilnahm: "Es tut allen Betroffenen gut zu wissen, dass sich die Menschen in Deutschland diese Zeit für die Opfer nehmen."

(epd Niedersachsen-Bremen/b2579/28.09.06)
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Bundespräsident kommt zur Trauerfeier nach Lathen

Lathen /Kr. Emsland (epd). Bundespräsident Horst Köhler wird an diesem Mittwoch am zentralen Trauergottesdienst für die Opfer des Transrapid-Unglücks in Lathen teilnehmen. Köhler werde sich nach der Feier mit Angehörigen der Opfer treffen, sagte der Sprecher des Landkreises Emsland, Dieter Sturm, am Montag dem epd. Am Freitag war die Magnetschwebebahn auf der Teststrecke verunglückt. Dabei starben 23 Menschen.

Die Trauerfeier um 11 Uhr in der katholischen St.Vitus-Kirche in Lathen werden der katholische Bischof Franz-Josef Bode (Osnabrück) und die evangelische Landessuperintendentin Doris Janssen-Reschke (Osnabrück) gemeinsam gestalten. Der Landkreis Emsland hat zu Spenden für die Hinterbliebenen aufgerufen (Sparkasse Emsland , BLZ 266 500 01, Kontonummer 100 103 8031, Stichwort "Transrapid- Unglück").

(epd Niedersachsen-Bremen/b2561/25.09.06)
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Osnabrücker Regionalbischöfin dankt Notfallseelsorgern

Osnabrück (epd). Die Osnabrücker Regionalbischöfin Doris Janssen-Reschke hat den Notfallseelsorgern des Transrapid-Unglücks von Lathen gedankt. Es seien sofort zahlreiche evangelische Notfallseelsorger aus der Region im Einsatz gewesen, teilte die evangelische Landessuperintendentin am Montag mit: "Auch für sie ist die Situation außerordentlich schwer, viele sind an die Grenze ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit geraten."

Gleichzeitig sprach sie den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. "Traurig und mit herzlichem Mitgefühl denken wir an die Angehörigen der Opfer und auch an jene, deren Schuld jetzt öffentlich diskutiert wird. Für sie alle beten wir", sagte Janssen-Reschke. Auch nach der Überwindung des ersten Schocks müssten für die betroffenen Familien materielle Hilfe, seelsorgerliche Betreuung und Beistand bereitgehalten werden.

Auch die Notfallseelsorger bräuchten nach einem solch gravierenden Einsatz Beratung und professionelle Hilfe bei der Bewältigung ihrer Erlebnisse und Gespräche. "Natürlich wünschen wir uns, dass die Dienste der Notfallseelsorger möglichst nie benötigt werden. Aber wenn es Unglücke gibt, ist es unsere Aufgabe, an der Seite der Menschen zu stehen, die unsere Hilfe und unseren Trost brauchen.", sagte die Landessuperintendentin.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2560/25.09.06)
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Christen gedachten am Sonntag der Transrapid-Opfer

Lathen/Osnabrück (epd). In zahlreichen Gottesdiensten in Niedersachsen haben Gläubige am Sonntag der 23 Todesopfer des Transrapid-Unfalls vom Freitag gedacht. Die hannoversche Landeskirche beteiligt sich am Mittwoch an einem zentralen Gedenkgottesdienst in der katholischen Kirche in Lathen/Emsland.

Zu dem ökumenischen Gottesdienst um 11 Uhr werden auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) erwartet. Die Osnabrücker Landessuperintendentin Doris Janssen-Reschke werde die evangelische Kirche vertreten, kündigte die Landeskirche am Samstag an.

Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen sprach für die Landeskirche den Hinterbliebenen der Opfer sein Beileid aus. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Angehörigen", sagte der Lüneburger Regionalbischof als Vertreter von Landesbischöfin Margot Käßmann am Samstag. Er würdigte den Einsatz der evangelischen und katholischen Notfallseelsorger am Unfallort.

Der Landkreis Emsland hat zu Spenden für die Hinterbliebenen aufgerufen (Sparkasse Emsland, BLZ 266 500 01, Kontonummer 100 103 8031, Stichwort "Transrapid-Unglück").

(epd Niedersachsen-Bremen/b2545/24.09.06)
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Landeskirche trauert mit den Angehörigen der Unglücksopfer

„Erschrocken und betroffen verfolge ich seit Freitag die Berichte über das Unglück in Lathen“, erklärte Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen (Lüneburg) als offizieller Vertreter von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann.

„Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Angehörigen der Opfer dieser entsetzlichen Katastrophe“, so Jantzen weiter. „Es ist gut, dass wir ihr Leid vor Gott bringen können. Vor ihm dürfen wir klagen und anklagen. Ihm dürfen wir unsere Trauer und Angst vor die Füße werfen. Ihn bitten wir auch um Beistand und Hilfe.“

Er sei froh und dankbar, sagte der Geistliche, dass die evangelischen und katholischen Notfallseelsorger und –seelsorgerinnen seit Bekanntwerden des Unfalls vor Ort seien, um den Familien beizustehen.

Die hannoversche Landeskirche wird in dem ökumenischen Gottesdienst am kommenden Mittwoch durch Landessuperintendentin Doris Janssen-Reschke (Osnabrück) vertreten sein.

Hannover, 23.9.2006
Pressestelle der Landeskirche
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Acht Notfallseelsorger helfen bei Transrapid-Unglück

Lathen/Kr. Emsland (epd). Acht Notfallseelsorger unterstützen nach Informationen von "NDR1" zur Stunde die rund 150 Rettungskräfte nach dem Unfall des Transrapid bei Lathen. Sie kümmern sich um die Verletzten und die Angehörigen der Unfallopfer. Auch den Rettungshelfern, die die Schwerverletzten und Todesopfer aus den Trümmern ziehen müssen, bieten die Theologen eine "Erste Hilfe für die Seele" an. Am Freitagvormittag war ein mit 30 Menschen besetzter Transrapid auf der Teststrecke der Magnetschwebebahn im emsländischen Lathen verunglückt. Dabei wurden bis zu 19 Todesopfer befürchtet.

1989 begannen Pfarrer, die selbst in Rettungsorganisationen tätig waren, interessierte Kolleginnen und Kollegen zu suchen. 1990 entstand aus dieser Initiative die ökumenische "Arbeitsgemeinschaft Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst" (AGS). In ihr treffen sich bundesweit Pfarrer und andere Interessierte, die sich speziell um die Seelsorge in und mit den Rettungsorganisationen kümmern. Heute gibt es in nahezu nahezu allen Kirchenkreisen ein Netz von Notfallseelsorgern, die eng mit der Polizei und der Feuerwehr zusammenarbeiten. (www.notfallseelsorge)

(epd Niedersachsen-Bremen/b2543/22.09.06)
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