Woche der ausländischen Mitbürger hat begonnen

Nachricht 24. September 2006

Muslime beklagen mangelnde Integration

Osnabrück/Berlin (epd). Die bundesweite Woche der ausländischen Mitbürger hat am Sonntag begonnen. Die Kirchen hatten die Interkulturelle Woche am Freitagabend mit einem ökumenischen Gottesdienst in Osnabrück eröffnet. Der westfälische Präses Alfred Buß warb in seiner Predigt für mehr gegenseitiges Verständnis. Unterdessen beklagte der Zentralrat der Muslime eine mangelnde Integration der Muslime. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, appellierte an die Muslime, sich vom Extremismus zu distanzieren.

Unter dem Motto "Miteinander Zusammenleben gestalten" sind während der Interkulturellen Woche in 200 Städten rund 2.000 Veranstaltungen geplant. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), sprach sich anlässlich der Interkulturellen Woche für einen Dialog der Religionen aus, der mehr als ein unverbindliches Gespräch sein solle. "Dabei werden wir nur dann weiterkommen, wenn wir Unterschiede und Probleme offen ansprechen", erklärte Böhmer. Die Frage religiös motivierter Gewalt dürfe nicht ausgeklammert werden.

Der EKD-Ratsvorsitzende Huber appellierte an die Muslime, sich kritisch mit eigenen Glaubenstraditionen auseinanderzusetzen. Der Islam müsse sich vom Extremismus distanzieren, "und zwar unter Einschluss seiner religiösen Begründungen", sagte Huber am Samstag im RBB-Hörfunk. Das schließe auch eine kritische Aufarbeitung der Tradition ein, Gewalt religiös zu legitimieren.

Der Interkulturelle Rat in Deutschland würdigte anlässlich der Interkulturellen Woche "das insgesamt gute Zusammenleben" von Deutschen und Einwanderern. Das gelte insbesondere auch für die Muslime, die auf den Karikaturenstreit und die umstrittene Rede von Papst Benedikt XVI. mit Besonnenheit reagiert hätten, erklärte der Vorsitzende des Interkulturellen Rates, Jürgen Micksch. Zugleich forderte er die deutschen Behörden auf, Zuwanderer und Flüchtlinge nicht zu schikanieren, sondern zu integrieren.

Der Zentralrat der Muslime beklagte wenige Tage vor der Islam-Konferenz der Bundesregierung eine unzureichende Integration der Muslime in Deutschland. Es gebe viele Anzeichen dafür, "dass wir in Deutschland nicht dazugehören", sagte der Vorsitzende des Verbandes, Ayyub Axel Köhler, der "Rheinischen Post" (Sonnabendausgabe). Zugleich bekräftigte er das Bekenntnis der Muslime zur Werteordnung in Deutschland.

Der Zentralrats-Vorsitzende begrüßte die Forderung von Bundespräsident Horst Köhler nach einem Islam-Unterricht in deutscher Sprache. Der Zentralrat der Muslime ist einer der islamischen Dachverbände, die zu der von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) einberufenen "Deutschen Islam Konferenz" am Mittwoch in Berlin eingeladen wurden. Außerdem nehmen muslimische Einzelpersonen teil.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2547/24.09.06)
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