Woche der ausländischen Mitbürger in Osnabrück eröffnet

Nachricht 22. September 2006

Osnabrück (epd). Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben die Kirchen am Freitag in Osnabrück die bundesweite Woche der ausländischen Mitbürger eröffnet. Der westfälische Präses Alfred Buß forderte in seiner Predigt mehr gegenseitiges Verständnis: "Gerade in Zeiten realer und auch empfundener Bedrohung müssen Hans und Hassan, Aishe und Anne sich an die Hand fassen und umeinander werben." Unter dem Motto "Miteinander Zusammenleben gestalten" sollen in der kommenden Interkulturellen Woche in 200 Städten rund 2000 Veranstaltungen stattfinden.

Ohne echte Teilhabe am wirtschaftlichen, sozialen und solidarischen Leben könne kein Mensch existieren, sagte Buß. Er hielt den Gottesdienst im Osnabrücker Dom gemeinsam mit dem Osnabrücker katholischen Bischof Franz-Josef Bode und dem griechisch-orthodoxen Bischof Vasilios von Aristi.

Bischof Bode nannte den gemeinsamen Gottesdienst der Christen mit Elementen aus der jüdischen Tradition und Grußworten der Muslime "ein nicht zu unterschätzendes Signal". Er rief dazu auf, "die Mauern in unseren Köpfen und Herzen zu überspringen, um unser Miteinander mit allen Menschen, die bei uns Heimat suchen, als wirkliches Zusammenleben zu gestalten".

Buß sagte, Flüchtlinge setzten ihr Leben aufs Spiel, um in Deutschland eine Chance zu bekommen. "Sich abschotten löst die Probleme nicht: Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen", mahnte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen. Er kritisierte die "Scharfmacher", die Besitzrechte an knappen Gütern religiös begründeten und mit Gewalt erstreiten wollten: "Der Karikaturenstreit wurde geschürt auf beiden Seiten. Und was als Brückenschlag von Papst Benedikt intendiert war, wurde als Abwertung und Brunnenvergiftung aufgenommen."

Auswege aus diesen Konflikten könne es nur durch Gespräche und Begegnungen, genaues Zuhören und Verstehen geben. Gerade für Flüchtlinge sei es oft schwer, zu erzählen, was sie bedrücke und was sie erlitten hätten. "Schlimm, wenn unsere Ordnungsphantasie und unser bürokratischer Verstand sich dann eine Version zurechtschustern und Menschen über einen Leisten schlagen", kritisierte Buß.

Der von den Kirchen berufene bundesweite Ökumenische Vorbereitungsausschuss hatte Osnabrück für die Eröffnungsveranstaltung ausgewählt, um die erfolgreiche interkulturelle Arbeit in der Stadt zu würdigen. Osnabrück versteht sich in der Tradition des Westfälischen Friedens von 1648, der in den Rathäusern von Osnabrück und Münster geschlossen wurde, als Friedensstadt. Seit 1992 hat Osnabrück ein Konzept zur Förderung der Friedenskultur und 2001 ein Büro für Friedenskultur.

Der Migrationsforscher Klaus J. Bade, Schirmherr der Osnabrücker "Interkulturellen Wochen", hatte in der vergangenen Woche Osnabrück als Erfolgsmodell für Integration gelobt. Das "Büro für Friedenskultur" rücke die interkulturelle Arbeit ins Zentrum der Kulturarbeit und arbeite mit den Vereinen der Migranten intensiv zusammen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2518/21.09.06)
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Aktuelles Stichwort: Woche der ausländischen Mitbürger

Osnabrück (epd). Der "Tag der ausländischen Mitbürger" wurde 1975 von den christlichen Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland ins Leben gerufen. Das Motto lautete damals "Miteinander für Gerechtigkeit". Im Mittelpunkt stand die Forderung nach Rechtssicherheit durch ein besseres Ausländergesetz. Die ab 1982 so genannten "Ausländertage" wurden ein Jahr später zur "Woche der ausländischen Mitbürger".

Heute wird sie "Interkulturelle Woche - Woche der ausländischen Mitbürger" genannt. Sie wird von Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Ausländerbeiräten, Ausländerbeauftragten und deutsch-ausländischen Initiativgruppen unterstützt und mitgetragen. Die Veranstalter treten für bessere rechtliche und politische Rahmenbedingungen im Zusammenleben von Zuwanderern und Einheimischen ein. Ein weiteres Ziel war von Anfang an, durch Begegnungen und Kontakte zum Abbau von Vorurteilen beizutragen.

In ihrem gemeinsamen Wort zur Woche der ausländischen Mitbürger 2006 kritisieren die Kirchen das Zuwanderungsgesetz. Der angekündigte Perspektivwechsel von einer vornehmlich auf Abwehr ausgerichteten hin zu einer konstruktiven und pragmatischen Migrationspolitik habe nicht stattgefunden. Auch die sogenannten Kettenduldungen seien nicht abgeschafft. Zwangsehen könnten mit diesen Regelungen nicht verhindert werden. Die Kirchen fordern weiter ein Bleiberecht für langjährig geduldete Asylbewerber und einen Stopp der nach ihrer Ansicht inhumanen Abschiebepraxis.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2519/21.09.06)
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