Aurich: Hungertuch erzählt die Geschichte einer Jeans

Nachricht 04. September 2006

Aurich (epd). Auricher Schüler der siebten Klasse haben den ersten Preis für ein von ihnen gestaltetes "Hungertuch" gewonnen, das die Geschichte einer Jeans vom Baumwollfeld bis in die Geschäfte erzählt. "Die Jury war von den Ergebnissen sehr beeindruckt", sagte die ostfriesische Landessuperintendentin Oda-Gebbine Holze-Stäblein am Montag in Aurich dem epd. Sie hatte Schüler und Konfirmanden aufgerufen, großflächige Motivtücher zum Thema Globalisierung zu gestalten.

Alle eingereichten "Hungertücher" seien beim zweiten "Eine-Welt-Tag" im Sprengel Ostfriesland am Sonnabend von 10 bis 16.30 Uhr im Schulzentrum Aurich-Sandhorst zu sehen. Die Klasse 7B des Gymnasiums Ulricianum habe sich intensiv mit der Bedeutung und dem Wert von Kleidung beschäftigt, sagte Religionslehrerin Claudia Groen. "Das begann mit der ersten Kleidung von Adam und Eva in der Schöpfungsgeschichte und reichte bis hin zu Mode und Markenklamotten als Statussymbol."

Darüber hinaus fragten die Schüler in Textilgeschäften nach Gütesiegeln gegen Kinderarbeit, für fairen Handel und für menschliche Produktionsweisen. Ihre Ergebnisse hätten die Jugendlichen auf ein zwei mal zwei Meter großes Tuch gemalt und genäht.

Das Thema des Sprengeltages am Sonnabend sei die Frage, wie Christen mit der Globalisierung umgehen, sagte Holze-Stäblein. Die Auswirkungen des weltweiten Handels machten auch vor den Toren Ostfrieslands nicht halt. Möglichkeiten, Gefahren und Chancen dieser Entwicklung sollten in zahlreichen Workshops diskutiert werden. Ein "Markt der Möglichkeiten" stelle zahlreiche Partnerschaftsprojekte vor.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2323/04.09.06)
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Das aktuelle Stichwort: Hungertücher

Aurich (epd). Seit rund tausend Jahren werden in vielen Kirchen vom Aschermittwoch bis zum Ostersonntag die Altäre mit Tüchern abgedeckt. Diese Tücher wurden bald "Hungertücher" genannt, weil in dieser Zeit gefastet werden musste, sagte der Leiter der Auricher Arbeitsstelle für evangelische Religionspädagogik, Gerhard Wittkugel. Später wurden sie mit biblischen Motiven bemalt, so dass daraus eine Art Bibel für Analphabeten entstand.

Seit Mitte der 1970er Jahre nahm Wittkugel zufolge das katholische Missionswerk Misereor die Tradition wieder auf und gab bei Künstlern in Entwicklungsländern großformatige Hungertücher in Auftrag. Sie zeigten Leiden und Hoffnung der Bevölkerung. Das aktuelle Tuch stamme von südamerikanischen Frauen, die in einem Frankfurter Frauengefängnis einsitzen. (Internet: www.hungertuch.de)

(epd Niedersachsen-Bremen/b2324/04.09.06)
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