Auf einen Blick (1.9.)

Nachricht 01. September 2006

Beim Gottesdienst macht die Kirche einen „schlechten Job“. Evangelische Unternehmer befassen sich mit dem Perspektivpapier der EKD

S c h m i t t e n (idea) – Die evangelische Kirche muss ihre Zukunftsaufgaben mit unternehmerischem Elan anpacken und Führungsstärke beweisen. Dazu ist auf einer Tagung des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer (AEU) ermuntert worden. Unter dem Thema „Macht als Motor oder Bremse von Reformen“ beschäftigten sich die rund 50 Teilnehmer am 30. und 31. August in der Evangelischen Akademie Arnoldshain (Schmitten/Taunus) mit dem Impulspapier des Rates der EKD. Es zeigt Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert auf.

Der AEU-Vorsitzende, Michael Freiherr Truchseß (Niederflorstadt bei Frankfurt am Main), hob hervor, dass es sich bei dem Papier nicht um ein Sanierungskonzept, sondern um ein Wachstumsprogramm handele. So wolle die EKD bis 2030 trotz des Bevölkerungsrückgangs ihren Mitgliederstand von jetzt 25,6 Millionen halten und den Gottesdienstbesuch verdoppeln. Die Verkündigung sei die vorrangige Aufgabe der Kirche, so Truchseß. Daher sei von entscheidender Bedeutung, was man tun könne, „dass die Kirchen wieder voll werden“. Mit einem durchschnittlichen Gottesdienstbesuch von rund vier Prozent der evangelischen Kirchenmitglieder sei die Akzeptanz „miserabel“. Truchseß: „Wir machen einen schlechten Job.“

Außerdem wäre es wünschenswert, wenn der Protestantismus geschlossener aufträte, auch wenn er keine Hierarchie wie etwa die römisch-katholische Kirche wolle. Truchseß: „Es wäre hilfreich, wenn es etwa zu den Hartz-IV-Reformen nicht 23 verschiedene Meinungen gäbe.“

Die evangelische Kirche müsse sich auch darauf einstellen, dass es bis zum Jahr 2030 statt der jetzt 22.000 Geistlichen nur noch rund 13.000 geben werde und dass sich das Kirchensteuereinkommen von jetzt rund vier Milliarden Euro pro Jahr halbieren werde - „falls“, so Truchseß weiter, „das heutige System der Kirchensteuer dann noch besteht“.

Finanziell gesehen, so urteilten Unternehmensberater auf der AEU-Tagung – sei manche Landeskirche ein Sanierungsfall. In der Wirtschaft trete diese Situation ein, wenn die Ausgaben eines Unternehmens dessen Einnahmen nachhaltig übersteigen.

Oberlandeskirchenrat Hans Christian Brandy (Hannover) wies demgegenüber darauf hin, dass beispielsweise die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers aufgrund einer vorausschauenden Finanzpolitik weiterhin handlungsfähig sei. Die mit rund drei Millionen Mitgliedern größte Landeskirche habe ein umfassendes Reformkonzept beschlossen und setze dies auch um. Dabei werde zum Beispiel kontrolliert, ob die Einsparziele im vorgegeben Zeitrahmen erreicht würden. Die Kirchenleitung könne jedoch Maßnahmen nicht erzwingen, sondern suche Entscheidungen im Konsens.

Machtausübung ist laut Brandy in der evangelischen Kirche immer kritisch beurteilt worden. Oft habe man Macht aber nur verschleiert. Das verführe zur Heuchelei. Nach der besonders machtkritischen 68er Bewegung habe jedoch in den vergangenen zehn Jahren durch den Einzug von Management-Methoden ein Umdenken in der Kirche eingesetzt. Wichtig sei es, transparent mit Macht umzugehen und zwischen weltlich-institutioneller und geistlicher Macht klar zu unterscheiden. Niemals dürfe die Freiheit des Gewissens eingeschränkt werden.
(31.08.2006/16:29)
Copyright: Evangelische Nachrichtenagentur idea
E-Mail: idea@idea.de
+++


Minister will begrenztes Bleiberecht für Asylsuchende

Osnabrück (epd). Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) will langjährig geduldeten Asylsuchenden unter bestimmten Bedingungen ein Bleiberecht ermöglichen. Für einen Daueraufenthalt kämen Ehepaare oder Alleinerziehende mit schulpflichtigen Kindern in Betracht, sagte Schünemann in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (Freitagausgabe). Er wolle das Konzept in die nächste Innenministerkonferenz am 7. und 8. September einbringen.

"Im Interesse der Zukunftschancen dieser Kinder und ihrer Familien müssen wir eine Lösung finden", sagte der CDU-Politiker. Voraussetzung sei aber, dass die Familien ihren Lebensunterhalt durch dauerhafte Beschäftigung selbst bestreiten könnten. Zudem dürften die Eltern nicht straffällig geworden sein oder den Staat hintergangen haben. Schätzungen zufolge könnte dieser Personenkreis etwa ein Viertel aller der bundesweit gut 200.000 Ausreisepflichtigen umfassen.

Ein pauschales Bleiberecht mit einer Stichtagsregelung für alle geduldeten Ausländer in Deutschland lehnte Schünemann ab. Davon würden auch diejenigen profitieren, die geltendes Recht missachtet hätten, sagte der Minister.

Gleichzeitig kündigte er eine Initiative zur Verschärfung von Bestimmungen an. So sollte der 25-prozentige Zuschlag auf die finanziellen Zuwendungen für Asylbewerber nach 36 Monaten gestrichen werden. Auch der bei Abschiebungen vom Staat zu erbringende Nachweis der Reisefähigkeit solle entfallen.
(epd Niedersachsen-Bremen/b2302/01.09.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
+++

Bischof Knuth: Evangelische Jugend soll Profil schärfen

Hittfeld/Kr. Harburg (epd). Der Bischof der Nordelbischen Kirche, Hans Christian Knuth, hat die evangelischen Jugendverbände ermutigt, ihr christliches Profil zu schärfen. Die evangelische Jugendbewegung sei in Deutschland immer auch Motor und Seismograph gesellschaftlicher Entwicklungen gewesen, sagte Knuth bei der Vorstellung einer Studie über die evangelische Jugendverbandsarbeit am Freitag in Hittfeld bei Hamburg. Heute müsse die Jugendarbeit erneut ihren Standort bestimmen.

Die evangelische Jugendarbeit biete Alternativen zu einer am Konsum orientierten Jugendkultur, sagte Knuth. Jugendverbände müssten oft eine Gradwanderung leisten, um offen genug für viele zu sein und zugleich ihr Profil zu wahren. Auch bei zurückgehenden Finanzen bleibe die Kinder- und Jugendarbeit eine vorrangige Aufgabe der evangelischen Kirche, sagte der Bischof aus Schleswig-Holstein.

Die im Juni erstmals veröffentlichte, repräsentative Studie hatte ergeben, dass von allen Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren rund zehn Prozent die Angebote evangelischer Jugendarbeit nutzen oder in deren Verbänden organisiert sind. Nur die Sportjugend erreiche mehr Jugendliche.

Knuth sagte, zehn Prozent seien dennoch wenig, weil die kirchlichen Angebote auf mehr Teilnehmer ausgelegt seien: "Kirche ist ihrem Selbstverständnis nach für alle da." Die Studie, die vom Bundesfamilienministerium gefördert worden war, hat nach Angaben ihrer Autoren erstmals danach gefragt, wie Kinder und Jugendliche selbst die Arbeit in den Verbänden gestalten.

Befragungen der evangelischen Jugend ergaben, dass Jugendliche dort vor allem Gemeinschaft suchten. Sie wollten etwas Sinnvolles für sich und für andere tun. Die Studie trage auch dazu bei, das Engagement Jugendlicher stärker öffentlich zu machen, sagte die Staatsministerin im niedersächsischen Familienministerium, Christine Hawighorst. Jugendliche bräuchten eine Plattform, um ihre Identität zu finden und sich ehrenamtlich engagieren zu können.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2310/01.09.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
+++


Gründungsveranstaltung der Bundesakademie für Kirche und Diakonie

Berlin, den 1. September 2006. Am kommenden Montag, dem 4. September, feiern die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und das Diakonische Werk der EKD gemeinsam die Gründung der "Bundesakademie für Kirche und Diakonie" (BAKD) in Berlin. Sie ist durch den Beitrittsbeschluss der EKD als Gesellschafter aus der bisherigen "Diakonischen Akademie Deutschland" hervorgegangen und ist künftig bundesweit die zentrale Akademie des Diakonischen Werkes und der EKD. Ihr wesentlicher Aufgabenbereich liegt in der Fort- und Weiterbildung hauptamtlicher Mitarbeiter.

"An Konfession und Profession hängt die Qualität von Dienstleistungen in Kirche und Diakonie gleichermaßen." Dies gibt der künftige Geschäftsführer der Akademie, Hanns-Stephan Haas, im Vorfeld als Geleitwort aus.

Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Dr. Wolfgang Huber, der bei der feierlichen Gründungsveranstaltung in Berlin-Pankow anwesend sein wird, ist überzeugt vom Sinn eines solchen Zusammengehens. Im Vorfeld kommentiert er: "Dass die Weiterbildung für Führungsaufgaben in Diakonie und Kirche als gemeinsame Aufgabe anerkannt wurde, und dass diese gemeinsame Einsicht eine institutionelle Form findet, ist der entscheidende Impuls, der in der Bundesakademie für Kirche und Diakonie Ausdruck findet." Die neue Bundesakademie für Kirche und Diakonie in Berlin, insbesondere die ihr angeschlossene Führungsakademie, werde den Wandel der Bildungseinrichtungen in Diakonie und Kirche wie auch den institutionellen Wandel von Kirche und Diakonie insgesamt durch Qualifizierungsangebote auf spezifische Weise begleiten und gestalten. Sie solle überregional die Initiativen der Landeskirchen und der diakonischen Einrichtungen und Werke unterstützen. Und weiter: "Die zukünftige Gestalt der evangelischen Kirche und ihrer Diakonie muss nicht nur in den Strukturen, sondern im Leben und Arbeiten ein erkennbar protestantisches Profil haben." Es gehe darum, evangelisch geprägte und am christlichen Menschenbild orientierte Führungskonzepte zu entwickeln und ihre praktische Anwendbarkeit deutlich zu machen. "Es ist der Mühe wert, den Nachweis zu führen, dass solche Konzepte Kirche und Diakonie gut tun, aber auch der Konkurrenz auf dem Fort- und Weiterbildungsmarkt standhalten."

Auch der Vorsitzende des Diakonischen Rates der EKD, Kirchenpräsident Eberhard Cherdron, bezeichnet vorab die Gründung der Bundesakademie als "ein in vielerlei Hinsicht zukunftsweisendes Projekt". Er sei davon überzeugt, "dass diakonisches Lernen in dem Gesamtbereich unserer kirchlichen Bildungsarbeit unaufgebbar" ist. "Für mich steht die Bundesakademie für Kirche und Diakonie für eine ... Kultur der Barmherzigkeit.", so Cherdron. Er ergänzt: "Diakonische Einrichtungen haben ihre eigene christliche Substanz. Sie sind Bewährungsfelder christlichen Lebens und Glaubens in einer immer komplizierter werdenden Welt des sozialen Handelns. Als solche sollten sie auch von den Gemeinden und den Kirchen akzeptiert, anerkannt und gewürdigt werden."

Auch Professor Dr. Hanns-Stephan Haas setzt auf den Synergieeffekt, der entstehen wird, wenn Kirche und Diakonie ihre jeweils hohen Kompetenzen zusammenbinden. "Beide Seiten, Kirche wie Diakonie, bringen in das gemeinsame Projekt der Bundesakademie viele Hoffnungen und Erwartungen ein", so Haas. "Wir kommen in Kirche und Diakonie von einem Auftrag her und sind für die Umsetzung dieses Auftrages auch verantwortlich."

Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.
Barbara-Maria Vahl
Pressesprecherin
+++


Europa zu Gast bei Lukas in Hannover
3. Europäische Ökumenische Versammlung bei der Langen Nacht der Kirchen

Die Lukaskirchengemeinde in Hannover gestaltet ihren Beitrag für die 3. Lange Nacht der Kirche als einen Schritt auf dem Weg zur 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV 3), die in einem Jahr in Sibiu (Hermannstadt) stattfinden wird. „Eine zentrale Aufgabe für die Kirchen in Europa heute ist die Stärkung des Glaubens“, sagte Landesbischöfin Margot Käßmann zum Start des Weges der EÖV 3 im Januar dieses Jahres in Rom, wo die das erste Vorbereitungstreffen stattfand. Über das zweite Vorbereitungstreffen in Wittenberg im kommenden Februar führt der Weg nach Sibiu: „Viele Menschen kennen die Bibel nicht mehr, Kindern werden nicht im christlichen Glauben erzogen, Jugendliche finden keine Orientierung, die Rituale geraten in Vergessenheit, der Gottesdienstbesuch ist schwach. Gemeinsam gilt es, diese Herausforderung anzunehmen und einen missionarischen Aufbruch in Europa zu wagen.“ Auf diesem Weg sollen verschiedene Kirchengemeinden in Europa sich mit den Themen der EÖV 3 auseinandersetzen – so wie es in der Lukaskirche in Dessauer Straße in Hannover während der Langen Nacht der Kirchen geschehen wird.

Ein gastronomisches, musikalisches und europäisches Programm erwartet die Besucher der Langen Nacht am 8. September in der Lukas-Kirchengemeinde in der Dessauer Straße. Eine Podiumsdiskussion auf dem Weg der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung zum Thema „ Die Zukunft Europas gestalten – der Beitrag der christlichen Kirchen?“ beginnt um 19.30 Uhr. Der scheidende Auslandsbischof der EKD Rolf Koppe, der für die erkrankte Landesbischöfin zugesagt hat, diskutiert mit Bischof em. Josef Homeyer, der Europaabgeordneten Erika Mann, Pfarrer Milan Pejiic, dem Generalvikar der Serbisch-orthodoxen Kirche, Martin Strecker, Referent für Europäische Jugendpolitik der Evangelischen Jugend in Deutschland und Markus Breuckmann, Koordinator für das Ausländerzentrum der Katholiken in St. Marien. Fragen nach den gemeinsamen Aufgaben und der Verantwortung der christlichen Kirchen in und für Europa sollen in der von Oberkirchenrätin Antje Heider-Rottwilm moderierten Diskussion angesprochen werden.

Die EÖV3 mit dem Thema ´Das Licht Christi scheint auf alle. Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa setzt die Tradition der beiden bisherigen Europäischen Ökumenischen Versammlungen fort. Die erste fand 1989 in Basel und die zweite 1997 in Graz statt. Die EÖV3 ist als symbolischer Pilgerweg gestaltet, der in vier Stationen eine Begegnung mit den verschiedenen christlichen Traditionen und die Wiederentdeckung der christlichen Wurzeln Europas ermöglicht. Die Ausstellung „Quer durch Europa“, die während der Langen Nacht in der Lukaskirche zu sehen sein wird, zeichnet die Geschichte der Europäischen Ökumenischen Versammlung von Basel über Graz nach Sibiu nach.

Hannover, 31. August 2006
Pressestelle der EKD
Christof Vetter