Auf einen Blick (30.8.)

Nachricht 30. August 2006

Minister will Islamischen Religionsunterricht bis 2010

Hannover (epd). Der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) strebt bis 2010 ein ordentliches Unterrichtsfach "Islamischer Religionsunterricht" an. "Wenn Eltern vor Ort das wünschen und acht bis zwölf Kinder zusammen sind, bieten wir das an", sagte er am Mittwoch vor Journalisten in Hannover zum Beginn des neuen Schuljahres in Niedersachsen. Es sei besser, wenn der Staat dies in die Hand nehme, als wenn Extremisten es täten.

Niedersachsen hatte 2003 als erstes Bundesland an acht Grundschulen einen Modellversuch zum islamischen Religionsunterricht unter staatlicher Aufsicht in deutscher Sprache gestartet. Die Schüler würden dort nach geklärten Glaubensgrundsätzen unterrichtet, betonte Busemann. Landesweit besuchen rund 50.000 muslimische Kinder die Schule. Sie könnten sich nicht irgendwo die Zeit vertreiben, während ihre Mitschüler christlichen Religionsunterricht hätten, erläuterte der Minister.

Inzwischen werde ein solcher Unterricht an 21 Grundschulen angeboten. Gegenüber dem vergangenen Schuljahr seien drei Versuchsstandorte hinzugekommen. Der Bedarf werde weiter wachsen, sagte Busemann. Die Universität Osnabrück baue derzeit einen Fachbereich zur islamischen Religionspädagogik auf. Muslimische Gemeinden hätten den Schulversuch positiv aufgenommen, wie er bei Besuchen dort erfahren habe, berichtete der Minister. Auch andere Bundesländer seien an dem Versuch interessiert.

Allerdings fehle es in Niedersachsen noch an einem einheitlichen muslimischen Ansprechpartner wie es im Christentum die Kirchen seien, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Vertreter unterschiedlicher Gruppen würden derzeit an einem "Runden Tisch" versammelt. In Niedersachsen werden dem Minister zufolge von Donnerstag an insgesamt rund 1,25 Millionen Schüler rund 3.300 Schulen besuchen. Der Ausländeranteil liegt bei etwa sieben Prozent. Bundesweit gibt es rund 750.000 muslimische Schüler.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2281/30.08.06)
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Internationale Wochen der Kulturen in Osnabrück

Osnabrück (epd). Die Stadt Osnabrück veranstaltet vom 6. September bis 2. November unter dem Titel "Wochen der Kulturen - inter.kult 06" ein internationales Kulturprogramm. Die vor über 30 Jahren als "Ausländerfest" gegründete Veranstaltungsreihe habe sich mittlerweile zu einem interkulturellen Familienfest entwickelt, das bundesweit Beachtung finde, sagte Organisatorin Margret Poggemeier am Mittwoch in Osnabrück.

Als ein Höhepunkt wird am 22. September die 30. bundesweite "Interkulturelle Woche - Woche des ausländischen Mitbürgers" der christlichen Kirchen in Osnabrück eröffnet. In deren Verlauf sollen in 200 Städten in ganz Deutschland rund 2.000 Veranstaltungen stattfinden. Den Auftakt bildet ein ökumenischer Gottesdienst im Dom mit Bischof Franz-Josef Bode und dem westfälischen Präses Alfred Buß, Vorsitzender der Kommission für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er vertritt die erkrankte hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann.

Das Programm der "inter.kult 06" in Osnabrück umfasst nach Angaben der Stadt Konzerte, Ausstellungen, Literatur- und Theatervorführungen, Workshops und Feste. Insgesamt hätten über 100 Gruppierungen rund 70 Veranstaltungen geplant. Ein weiterer Höhepunkt sei das Fest der Kulturen am 17. September auf dem Marktplatz, zu dem mehr als 8.000 Besucher erwartet würden.

Die Stadt Osnabrück versteht sich als Friedensstadt in der Tradition des Westfälischen Friedens von 1648. Im Friedensschluss von Münster und Osnabrück wurde der 30-jährige Krieg beendet. Die Stadt hat seit 1992 ein "Handlungskonzept zur Förderung der Friedenskultur" und zu dessen Umsetzung eigens ein "Büro für Friedenskultur".

(epd Niedersachsen-Bremen/b2280/30.08.06)
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EKD gedenkt der evangelischen Opfer des Konzentrationslagers Sachsenhausen

Mit der Enthüllung einer Stele auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) an die evangelischen Opfer des Nationalsozialismus erinnert. „Wir gedenken heute aller evangelischen Christen, die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft an diesem Ort inhaftiert, gequält oder ermordet worden sind“, sagte der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, in einer Gedenkrede. Die vom Bildhauer Christian Roehl gestaltete Gedenkstele sei ein Symbol für ein bewusstes Erinnern an jene, die ihren christlichen Glauben bekannt und im Konzentrationslager Sachsenhausen gelitten haben.

Die Erinnerung an die evangelischen Opfer geschehe nicht unter Absehen von den vielen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, insbesondere der Jüdinnen und Juden oder der Sinti und Roma. Auch vor den Opfern aus anderen christlichen Kirchen „verneigen wir uns“, so der Ratsvorsitzende. „Wenn wir mit dieser Stele der evangelischen Opfer des Konzentrationslagers Sachsenhausen gedenken, dann geschieht dies um unserer Identität als evangelische Kirche willen und in dem Bewusstsein, einen Beitrag zur Identität unserer ganzen Gesellschaft zu leisten.“

Das Gedenken sei eine zentrale Aufgabe der Kirche, so Wolfgang Huber. Erinnern gehöre zu den notwendigen Grundvollzügen der Gesellschaft. „Ich bin davon überzeugt, dass jede Gesellschaft ein kollektives Gedächtnis braucht für Inhalte, die den Alltag übersteigen.“ Das kulturelle Gedächtnis bewahre nicht nur ein gemeinsames Bild der Vergangenheit auf, sondern ermögliche die Deutung der Gegenwart und den Entwurf der Zukunft.

Hannover, 28. August 2006
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi
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„Henning-Schröer-Förderpreis“ erneut ausgelobt

Rheinbach/Hannover – Der mit 2.000 Euro dotierte „Henning-Schröer-Förderpreis für verständliche Theologie“ soll im Januar 2007 in Bonn erneut vergeben werden. Bis zum 15. November 2006 können wissenschaftliche Arbeiten eingereicht werden. Diese müssen sich u.a. durch Mut zur exemplarischen Reduktion des Themas und einer gelungenen sprachlichen Darstellung auszeichnen. Der nach dem Bonner evangelischen Theologieprofessor Henning Schröer (1931-2002) benannte Preis wurde durch den Leiter des CMZ-Verlages, Winrich C.-W. Clasen (Rheinbach bei Bonn) initiiert. Neben dem Verlag und dem Institut für Hermeneutik der Universität Bonn treten die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) sowie die Evangelische Kirche im Rheinland als Mitstifter auf.

Zur Einreichung zugelassen sind Magister-, Doktor- und Habilitationsarbeiten aus allen Bereichen der Evangelischen Theologie in deutscher Sprache. Maßgeblich für die Gültigkeit der Einreichung ist die Entscheidung des jeweiligen Prüfungsausschusses über die Annahme der Arbeit – für den Preis 2006 im Zeitraum vom 1. Oktober 2003 bis zum 30. September 2005. Die Arbeiten werden vom jeweiligen Erstgutachter vorgeschlagen. Das Bewerbungsschreiben muss ein Gutachten von maximal zwei Seiten, das Inhaltsverzeichnis und die ersten zehn Textseiten der Arbeit enthalten.

Der Förderpreis wurde 2004 erstmals vergeben und ging an die in Bochum lehrende Privatdozentin für Altes Testament, Dr. Ulrike Bail.


Lutherisches Kirchenamt - Pressestelle
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