Vietnamesische Familie sucht Zuflucht im Kirchenasyl (aktualisiert)

Nachricht 28. August 2006

Hoya/Kr. Nienburg (epd). Eine fünfköpfige vietnamesische Familie aus Hoya bei Nienburg hat Zuflucht im Kirchenasyl gesucht, um ihrer drohenden Abschiebung zu entgehen. Der Landkreis Nienburg hat die Abschiebung für diesen Dienstag angekündigt. "Wir hoffen, dass für die Familie eine Lösung für ein dauerhaftes Bleiberecht gefunden wird", sagte der Hoyaer evangelische Pastor Andreas Ruh am Montag dem epd.

Die Familie mit drei Kindern zwischen 15 Jahren und neun Monaten gilt als gut integriert. Ruh appellierte an die Landesregierung, die Abschiebung auszusetzen. Der Fall solle in der neuen Härtefallkommission des Landes beraten werden. Diese nimmt nach den Sommerferien ihre Arbeit auf.

Das Innenministerium wies diese Forderung zurück. "Die Familie ist ausreisepflichtig", bekräftigte Sprecher Klaus Engemann in Hannover: "Sie hat sich für die Abschiebung bereitzuhalten." Der Petitionsausschuss des Landtages habe bereits vor drei Jahren mit den Stimmen aller Parteien entschieden, dass die Familie kein Bleiberecht habe. Laut Engemann wird die Polizei am Dienstag wie geplant die Familie aufsuchen und sie zur Ausreise auffordern.

Wie Pastor Ruh berichtete, ist die Familie derzeit im Kirchenraum untergebracht. Unterstützer hätten sie mit Matratzen, Lebensmitteln und Babynahrung versorgt. "Sie haben erzählt, sie hätten seit langem wieder gut geschlafen", sagte Ruh. Gleichwohl sei die Situation sehr angespannt. Die Behörden seien umgehend über den neuen Aufenthaltsort informiert worden. Die Familie gehört den Angaben zufolge einer christlich-freikirchlichen Gemeinde in Hannover an. Der Familienvater lebt seit 14 Jahren in Deutschland und arbeitet in einer örtlichen Baumschule.

Die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann stellte sich hinter die vietnamesische Familie. "Wie in so vielen anderen Fällen kann ich auch bei der Familie Nguyen nicht nachvollziehen, warum sie, die mit ihren Kindern gut integriert sind, brutal aus ihrem Lebensmittelpunkt gerissen und in ein Land abgeschoben werden sollen, das die Kinder überhaupt nicht kennen", erklärte sie in einem Schreiben an die Gemeinde. Zugleich werde von der Politik Zuwanderung gefordert. Eine Bleiberechtsregelung für langfristig Geduldete sei überfällig.

Ein Sprecher des Landkreises Nienburg sagte, die Familie werde sich illegal in Deutschland aufhalten, wenn sie der Abschiebung nicht folge. Die Eltern könnten inhaftiert werden, wenn sie außerhalb der Kirche von der Polizei angetroffen würden. Ministeriumssprecher Engemann ergänzte, der Asylantrag des Vaters sei bereits vor 14 Jahren abgelehnt worden. Der Fall habe sich nur deshalb in die Länge gezogen, weil die Familie weitere Anträge zunächst für die Frau und dann für die drei Kinder gestellt habe, die ebenfalls abgelehnt worden seien.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2261/28.08.06)
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