Polizei vermutet Brandstiftung in Hannovers Lutherkirche

Nachricht 25. August 2006

Hannover (epd). Die Polizei in Hannover hat am Freitag einen technischen Defekt als Ursache für den Brand im Kirchturm der evangelischen Lutherkirche ausgeschlossen. Dies hätten die Untersuchungen des Elektro-Sachverständigen ergeben, sagte eine Polizei-Sprecherin auf epd-Anfrage. Man gehe inzwischen von fahrlässiger Brandstiftung aus. Die Vernehmungen dauerten jedoch noch bis Anfang kommender Woche an.

Bei dem Brand im Kirchturm waren am Dienstag drei Männer im Alter von 21 und 35 Jahren leicht verletzt worden. Sie hatten in der Kirche mit Kerzen gebetet. Die Männer alarmierten die Feuerwehr und versuchten, die Flammen zu löschen. Dabei atmeten sie Rauchgas ein. Ob die drei mit den brennenden Kerzen im Dachstuhl gewesen seien, müssten die Vernehmungen ergeben, hieß es. Kirchen-Mitarbeiter sagten, dass der Dachstuhl normalerweise nicht zugänglich sei. Nur Eingeweihte wüssten, wo sich die Einstiegsluke befunden habe.

Der etwa 25 Meter hohe Kirchturm brannte völlig aus. Der Sachschaden liegt nach Schätzung der Polizei bei mindestens zwei Millionen Euro. Eindringendes Löschwasser hatte auch die Orgel schwer beschädigt. Die Lutherkirche wird seit zwei Jahren als Jugendkirche genutzt.

Der evangelische Stadtsuperintendent Wolfgang Puschmann sagte dem epd, durch die Ermittlungen der Polizei gebe es jetzt eine Fülle neuer Fragen: "Denen müssen wir im Einzelnen nachgehen." Noch hätten die polizeilichen Vernehmungen der drei Männer jedoch keine konkreten Ergebnisse gebracht. Falls der Brand durch die Kerzen ausgelöst worden sei, müsse geklärt werden, inwieweit Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden könnten.

Puschmann lobte noch einmal den umsichtigen und sorgsamen Einsatz der Feuerwehr, die verhindern konnte, dass die Flammen auf das Kirchenschiff übergriffen. Gerade in Anbetracht der neusten Ergebnisse sei er sehr erleichtert, dass keine Menschen ernsthaft zu Schaden gekommen seien. Da das Kirchenschiff unversehrt geblieben sei, könne am Sonntag auch Gottesdienst gefeiert werden.

Die Lutherkirche in der Nordstadt war im September 2004 nach umfangreichen Umbauten als Norddeutschlands erste Jugendkirche eröffnet worden. Der Stadtkirchenverband hatte rund 600.000 Euro in den Umbau und den Betrieb investiert. Seitdem hat die Jugendkirche mit mehr als 660 Angeboten wie Ausstellungen, Konzerten und Events zahlreiche jugendliche Besucher angelockt.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2258/25.08.06)
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