In Hoya bahnt sich ein Kirchenasyl an

Nachricht 25. August 2006

Hoya/Kr. Nienburg (epd). In Hoya bei Nienburg bahnt sich ein Kirchenasyl an. Die evangelische Kirchengemeinde kündigte am Freitag an, einer von der Abschiebung bedrohten fünfköpfigen vietnamesischen Familie Zuflucht in ihren Räumen zu gewähren. "Sollte die Familie Nguyen in den Räumen der Kirchengemeinde Zuflucht suchen, so wird sie dort Zuflucht finden", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Eltern und die drei Kinder zwischen neun Monaten und 14 Jahren sind aufgefordert, das Land am 29. August zu verlassen.

Zugleich äußerte die Gemeinde die Hoffnung, dass die CDU/FDP-Landesregierung den Abschiebetermin noch kurzfristig aussetze. Der FDP-Fraktionssitzende Philipp Rösler hatte sich für einen Verbleib der Familie in Deutschland ausgesprochen. Er ist selbst vietnamesischer Herkunft und wurde als Kind von deutschen Eltern aus einem Waisenhaus in Vietnam adoptiert. Vertreter des CDU-geführten Innenministeriums hatten dagegen erklärt, es sei rechtmäßig, dass die Familie ausreisen müsse.

Der Familienvater lebt nach Angaben der Gemeinde seit 14 Jahren in Deutschland. Die Eltern seien gut integriert und hätten Arbeit. Für die Kinder sei Vietnamesisch allenfalls eine Fremdsprache. "Für sie wäre eine Abschiebung eine Katastrophe", sagte die Kirchenvorstandsvorsitzende Renate Paul. Die älteste Tochter besuche das örtliche Gymnasium, eine zweite Tochter den evangelischen Kindergarten. Die Familie gehöre einer christlich-freikirchlichen Gemeinde in Hannover an.

In Hoya gebe es eine "Welle der Hilfsbereitschaft" für die Familie, berichtete Paul. Nachbarn, Lehrer, Mitschüler und der Arbeitgeber setzten sich für einen Verbleib der Familie ein. Die Kirchengemeinde erklärte, die Kirche und das Gemeindezentrum stünden allen Menschen in Not offen, die dort Rat und Hilfe suchten: "Die Gemeinde ist weder willens noch verpflichtet, eine einzelne Person oder Familie, die in ihren Räumen Schutz und Obdach sucht, mit Hilfe staatlicher Behörden aus diesen Räumen zu vertreiben."

Ein Kirchenasyl hat keine unmittelbare rechtliche Bedeutung. Die Polizei dringt jedoch in der Regel nicht in sakrale Gebäude ein, um eine Abschiebung durchzusetzen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2259/25.08.06)
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