Auf einen Blick (24.8.)

Nachricht 24. August 2006

Am 21. September werden Kirchen in aller Welt für den Frieden beten

"Für den Frieden zu beten, gehört wesentlich zum christlichen Gottesdienst, ja, zum Menschsein", erklärt der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen(ÖRK), Pfr. Dr. Samuel Kobia im Blick auf den Internationalen Gebetstag für den Frieden, der am 21. September 2006 begangen wird.

An diesem Tag, beziehungsweise an dem vorangehenden oder am darauf folgenden Sonntag, sind die ÖRK-Mitgliedskirchen in der ganzen Welt eingeladen, für den Frieden zu beten. Diese ÖRK-Initiative wurde vor zwei Jahren im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV) ins Leben gerufen und ist von UN-Generalsekretär Kofi Annan begrüßt worden. Der Tag fällt mit dem Internationalen Tag des Friedens der Vereinten Nationen zusammen.

Das diesjährige Thema, "… und noch immer sind wir auf der Suche nach dem Frieden", ist von den Kirchen in Lateinamerika ausgesucht worden - der Region des diesjährigen DOV-Jahresfokus.

Die Kirchen werden gebeten, "besonders an die Gewalt in Lateinamerika zu erinnern, aber auch an das Leid der Menschen im Nahen Osten", und für "die Beendigung aller Gewalt und einen dauerhaften Frieden" zu beten, sagt Kobia.

Der Internationale Gebetstag für den Frieden gibt Gemeindem überall in der Welt Gelegenheit, gemeinsam zu beten und tätig zu werden, damit in den Herzen der Menschen, in ihren Familien, Gemeinschaften und Gesellschaften ein dauerhafter Friede entsteht.

Unter den Vorschlägen, wie dieser Tag begangen werden kann, sind ein Kunstwettbewerb, Bildungs- und Kulturveranstaltungen, Gebete und Meditationen zum Frieden in der Gemeinde, am Arbeitsplatz, in der Schule oder zu Hause sowie Vigilien mit anderen Glaubensgemeinschaften.

Exemplare der IDDP-Broschüre, Gebete und andere Materialien finden Sie -> auf der DOV-Webseite.
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Beratungsstelle: "Super-Nanny" verunsichert viele Eltern

Hannover (epd). Fernseh-Sendungen zur Erziehungsberatung wie die "Super-Nanny" verunsichern nach Ansicht von Fachleuten viele Eltern. "Sie erwecken den Eindruck, dass es ein Patentrezept für die Kindererziehung gibt", sagte der Leiter des Evangelischen Beratungszentrums in Hannover, Axel Kreutzmann, am Donnerstag vor Journalisten in Hannover. Ein solches Rezept gebe es aber nicht. Die Eltern erlebten, dass sie die in den Medien formulierten Normen nicht umsetzen könnten. Sie glaubten, in der Erziehung gescheitert zu sein und fühlten sich hilflos.

In der Beratungsstelle berichteten immer mehr Eltern von Problemen mit den Kindern, sagte Kreutzmann. "Wir wollen den Eltern Mut machen, eigene Normen zu entdecken, die zur der Familie passen, und nicht fremde Normen zu übernehmen", erläuterte der Diplom-Psychologe: "Kinder sind verschieden." Ehescheidungen, Patchwork-Familien und die Doppelbelastung der Eltern im Beruf erschwerten heute häufig die Erziehung.

Die Erziehungsberatung in den Medien habe aber auch positive Seiten, ergänzte Diplom-Psychologin Ulrike Dienstbach: "Sie macht darauf aufmerksam, dass Grenzen für Kinder wichtig sind und Eltern Konflikte durchstehen müssen." Nach den Erfahrungen der Berater fällt es vielen Eltern schwer, Positionen zu beziehen und Standpunkte zu vertreten. Viele scheuten Auseinandersetzungen. Die Kinder provozierten dann oft erst recht. Weil die Rollen als Vater und Mutter unklar geworden seien, handelten viele Eltern nicht mehr intuitiv und suchten Rezepte von außen.

Insgesamt hat das Zentrum im vergangenen Jahr 2.208 Personen beraten. Im Einzelfall habe es bis zu zehn Beratungsgespräche gegeben, sagte Kreutzmann. Gegenüber 2003 sei die Zahl der Ratsuchenden um mehr als 170 Personen gestiegen: "Immer mehr Menschen trauen sich, eine Beratungstelle aufzusuchen." Bei den Anlässen lagen die Ehe- und Partnerschaftsprobleme mit weitem Abstand an erster Stelle vor Familienproblemen und Problemen bei Trennung oder Scheidung. Auch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz oder Selbstwert-Probleme führten die Menschen in die Beratung.

Deutlich gestiegen sei die Zahl der Ratsuchenden mit Depressionen. Sie wuchs in den vergangenen beiden Jahren um fast ein Drittel. Hierbei arbeite die Beratungsstelle eng mit Ärzten zusammen, sagte Dienstbach. Stress und Überforderung könnten eine Depression auslösen. Auch fehlende Anerkennung trotz hohen Einsatzes im Beruf, in Ehe und Familie oder an der Universität könne zur Ursache einer Depression werden. (Kontakt: Oskar-Winter-Straße 2, 30161 Hannover, Telefon 0511/625 028, Internet: www.diakonisches-werk-hannover.de/oswi)

(epd Niedersachsen-Bremen/b2246/24.08.06)
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Neue Ärztetarife beeinflussen evangelische Kliniken

Rotenburg/Wümme (epd). Die neuen Tarife für Ärzte an kommunalen Kliniken beeinflussen nach Auffassung der Spitze des Evangelischen Krankenhausverbandes in Niedersachsen auch konfessionelle Einrichtungen. "Es kann gar keinen Zweifel geben, dass auch unser Tarifwerk sich auf die geänderten Vergütungen einstellen muss", schreibt der Vorsitzende Michael Schwekendiek im neuesten Mitarbeiterbrief des Diakonissen-Mutterhauses in Rotenburg bei Bremen. Allerdings müsse dies im kirchlichen Raum in beiderseitigem Einvernehmen geschehen.

Das Dienstvertragsrecht bei Diakonie und Caritas sieht laut Schwekendiek weder Streiks noch Aussperrungen vor. Trotzdem befürchtet der Vorsteher des Diakoniekrankenhauses in Rotenburg noch harte Diskussionen: "Es wird ja nicht mehr Geld ins System kommen. Wo auf der einen Seite mehr ausgegeben wird, muss auf der anderen Seite gespart werden." Es stehe zu befürchten, dass an den universitären und kommunalen Kliniken demnächst das große Stellen-Streichen losgehe. "Denn irgendwoher muss das - ohne Zweifel angemessene - höhere Gehalt für Ärzte herkommen."

Schwekendiek hofft, dass Kirche und Diakonie zu einem "solidarischeren Modell" als im kommunalen Bereich kommen. Dabei seien neben dem monatlichen Gehalt auch Faktoren wie die Weiterbildungszeiten und das neue Arbeitszeitgesetz zu berücksichtigen. Bei der Diakonie verhandeln derzeit die paritätisch besetzten "Arbeitsrechtlichen Kommissionen" über das gesamte Tarifsystem. Bis Jahresende soll es reformiert sein und alle Lohn- und Gehaltsgruppen neu festlegen. Denkbar ist, dass die Anliegen der Ärzte noch in die Verhandlungen einfließen.

Das empfahl jedenfalls der Verband diakonischer Dienstgeber (VdDD), in dem bundesweit 130 große Einrichtungen organisiert sind, als Reaktion auf den Ärzte-Tarifabschluss. "Die Lage ist komplizierter geworden", sagte Geschäftsführer Ingo Dreyer (Berlin) dem epd. Es gebe nun vier oder fünf Tarife für Ärzte. Man wolle die gut qualifizierten Mediziner nicht verlieren und ihnen in evangelischen Kliniken "attraktive Arbeitsbedingungen" bieten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2244/24.08.06)

Hintergrund: Dienstgemeinschaft in Diakonie und Caritas

Hannover/Rotenburg (epd). Bei den Kirchen gibt es keine Tarifverhandlungen im üblichen Verständnis. Streiks sind nicht erlaubt. Arbeitgeber und Beschäftigte bei der evangelischen Diakonie und der katholischen Caritas verstehen sich als eine "Dienstgemeinschaft". Ihre so genannten "Arbeitsrechtlichen Kommissionen" sind paritätisch besetzt und müssen sich bei unterschiedlichen Positionen ohne Streiks und Aussperrungen in einem Schlichtungsverfahren einig werden. So steht es im kirchlichen Arbeitsrecht.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 2.160 Kliniken. Die Privaten betreiben davon laut Statistik der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ein Viertel. 38,4 Prozent oder knapp 860 Kliniken befinden sich in freigemeinnütziger Trägerschaft, werden also von Wohlfahrtsverbänden und den Kirchen betrieben. Die freigemeinnützigen Krankenhäuser sind überwiegend in kirchlicher Hand. Inklusive verschiedener Fachkrankenhäuser betreibt das Diakonische Werk nach eigenen Angaben 261 Kliniken, der Caritasverband 466 Einrichtungen.

Bei der Diakonie soll das gesamte Tarifsystem nach Angaben des Verbandes diakonischer Dienstgeber bis Jahresende reformiert werden. Denkbar ist, dass die Anliegen der Ärzte dabei einfließen. Man wolle die gut qualifizierten Mediziner nicht verlieren und ihnen in evangelischen Kliniken attraktive Arbeitsbedingungen bieten, hieß es.

Dabei dürften aber die Interessen anderer Berufsgruppen und die Finanzprobleme der Kliniken nicht außer Acht gelassen werden. Arbeitskämpfe und einen eigenen Tarifvertrag für Ärzte jedenfalls soll es nach Angaben der Betreiber in evangelischen Krankenhäusern nicht geben.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2243/24.08.06)
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