Oldenburgische Kirche gibt Geld gegen Neonazi-Hotel

Nachricht 15. August 2006

Delmenhorst (epd). Die evangelische Kirche unterstützt mit 11.000 Euro den Widerstand der Delmenhorster Bürger gegen einen möglichen Verkauf des Hotels am Stadtpark an eine rechtsextreme Stiftung. Der oldenburgische Bischof Peter Krug habe seine Unterstützung telefonisch zugesagt und für die Landeskirche 5.000 Euro auf das Treuhandkonto der Stadt überweisen lassen, sagte Katharina Baehr vom Kreiskirchenrat Delmenhorst am Dienstag vor Journalisten. Der Kirchenkreis habe die gleiche Summe auf das Konto überwiesen. Hinzu kämen die Unterstützung zweier Delmenhorster Kirchengemeinden, die jeweils 500 Euro spendeten.

Unterdessen berichtete "Radio Bremen", der Besitzer des Hotels, Günter Mergel, wolle das Gebäude nunmehr der von dem Hamburger Anwalt Jürgen Rieger vertretenen rechtsextremen "Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation" schenken. Ursprünglich hatte es geheißen, Mergel wolle das 100-Betten-Hotel der Stiftung für 3,4 Millionen Euro verkaufen. Rieger, der wegen Volksverhetzung vorbestraft ist, will darin unter anderem Schulungen abhalten.

"Für die Menschen ist es wichtig, dass die Kirche hier Gesicht zeigt", sagte Baehr für den Delmenhorster Kreiskirchenrat. Ein gemeinsames Wort der evangelischen und katholischen Kirche sei in den Gottesdiensten verlesen worden und habe in der Bevölkerung großen Anklang gefunden. Viele Bürger seien zwar gegen den Verkauf des Hotels und eine mögliche braune Kaderschmiede, trauten sich aber nicht, es offen zu zeigen: "Da tut es gut zu wissen: Die Kirche unterstützt uns."

Trotz des jüngsten Gerüchtes, der Eigentümer wolle das Hotel an die Stfitung verschenken, dürfe der Widerstand nicht nachlassen, forderte Baehr. "Wenn die Nazis kommen, dann gehört den Bürgern ab Freitagmittag die Stadt nicht mehr", warnte sie. Sie rechne dann an jedem Wochenende mit Demonstrationen und Gegendemonstrationen.

Auch der Delmenhorster Chef der Kirchenverwaltung, Carsten Möllenbrok, warb weiter um Spenden auf das Treuhandkonto der Stadt (Kontonummer 1392224 bei der LzO Delmenhorst, BLZ 28050100). Bis zum Dienstagmittag gingen dort 676.111 Euro ein.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2172/15.08.06)
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