Evangelische Kirche verzeichnet Zuwachs bei Steuer

Nachricht 11. August 2006

(epd-Gespräch)

Frankfurt a. M./Hannover (epd). Die evangelischen Kirchen verzeichnen im ersten Halbjahr 2006 einen spürbaren Zuwachs von sieben Prozent bei der Kirchensteuer. Dieser deutliche Anstieg sei auf die zufrieden stellende Konjunktur zurückzuführen, sagte Thomas Begrich, Leiter der Finanzabteilung im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, in einem epd-Gespräch. Nach Rückgängen über mehrere Jahre nahm die evangelische Kirche im vergangenen Jahr 3,62 Milliarden Euro an Kirchensteuer ein.

Beim aktuellen Anstieg sei jedoch zwischen dem Aufkommen aus der Kirchenlohnsteuer und der -einkommensteuer zu unterscheiden, erläuterte der EKD-Finanzexperte. Die Kirchenlohnsteuer entwickele sich mit einem Plus von rund 1,7 Prozent bisher "freundlich aber moderat". Hingegen spiegele sich in dem Zuwachs von 33 Prozent bei der Kircheneinkommensteuer die gute wirtschaftliche Entwicklung speziell im Mittelstand wider. Die Kirchensteuer beträgt je nach Landeskirche acht oder neun Prozent der Lohn- und Einkommensteuer.

Zumindest im nächsten Jahr könnte sich diese Aufwärtsentwicklung tendenziell fortsetzen, sagte Begrich. Dabei sei allerdings nicht mehr mit Größenordnungen wie im laufenden Jahr zu rechnen. Die aktuell positive Entwicklung helfe dabei, den schon seit längerem eingeschlagenen Konsolidierungskurs der evangelischen Kirche zu gestalten. Dieser Prozess der Anpassung des kirchlichen Handelns an rückläufige Mitgliederzahl und abnehmende Finanzkraft werde nicht von kurzfristigen Schwankungen des Steueraufkommens bestimmt.

Hinsichtlich der geplanten Reform der Unternehmenssteuer und Einführung einer Abgeltungssteuer wies Oberkirchenrat Begrich darauf hin, dass bislang nur grobe Eckpunkte dafür vorliegen und deshalb Besorgnisse bezüglich möglicher Auswirkungen auf die Kirchensteuer verfrüht seien: "Den politischen Gesprächspartnern ist die Bedeutung der Kirchen in unserem Gesellschaftsgefüge wohl bewusst und auch die Notwendigkeit einer systemkonformen Finanzierung."

Bei der geplanten Abgeltungssteuer auf Kapitaleinkünfte komme es darauf an, dass weiterhin alle steuerpflichtigen Kirchenmitglieder nach gleichen und einheitlichen Grundsätzen besteuert werden müssten, unabhängig aus welcher Quelle ihre Einkünfte stammten. Auch dem Staat könne nicht daran gelegen sein, Kleinsparer übermäßig zu belasten, argumentierte der Finanzfachmann.
(epd Niedersachsen-Bremen/b2154/11.08.06)
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