Forscher und Kirchen warnen vor rechtem Zentrum

Nachricht 07. August 2006

Delmenhorst (epd). Das Hanse-Wissenschafts-Kolleg in Delmenhorst hat in einem am Montag bekannt gewordenen Brief an die Kommunal- und Landespolitiker vor einem rechtsextremen Bildungszentrum in der Stadt gewarnt. Sollte das Hotel am Stadtpark an den wegen Volksverhetzung vorbestraften Hamburger Anwalt Jürgen Rieger verkauft werden, werde sich der Name Delmenhorst mit Rechtsextremismus oder mit der Förderung rechtsextremistischer 'Elitenbildung' verbinden, heißt es.

Auch die Kirchengemeinden in Delmenhorst haben sich gegen den Verkauf des Hotels an Neonazis gewandt. In allen Gottesdiensten wurde am Sonntag ein gemeinsames Schreiben der stellvertretenden evangelischen Kreispfarrerin Gitta Hoffhenke und des katholischen Dechanten Hubert von der Heide verlesen. Die Gemeindemitglieder werden aufgerufen, "alle guten Initiativen zu unterstützen, die zur Verhinderung des geplanten Vorhabens führen können." Sollte es zu dem Verkauf an Rieger kommen, sei das für die Stadt "tragisch".

In dem Brief des Hanse-Kollegs heißt es weiter, die Arbeit der Wissenschaftler, die sich der Förderung der internationalen Spitzenforschung verschrieben hätten, werde durch die Pläne massiv erschwert: "Wie sollen ausländische Gastwissenschaftler in eine Stadt geholt werden, in der Neonazis geschult werden?" Das Ergebnis wäre eine "rechte 'Elite' statt Forschungselite".

Sorge bereite den Experten auch die Situation in Delmenhorst. Fast 40 Prozent der Einwohner hätten einen "Migrationshintergrund". Laufende Integrationsbemühungen dürften nicht durch rechtsradikal motivierte Verachtung und Bedrohung torpediert werden. Rund 17 Prozent der Bewohner seien zudem derzeit ohne feste Arbeit. - Das Hanse-Wissenschafts-Kolleg ist eine gemeinnützige Stiftung der Länder Niedersachsen und Bremen sowie der Stadt Delmenhorst.
(epd Niedersachsen-Bremen/b2120/07.08.06)
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