In Göttingen errichten Muslime eine große Moschee

Nachricht 02. August 2006

"Das Haus steht immer allen offen"
In Göttingen errichten Muslime eine große Moschee

Von Reimar Paul (epd)

Göttingen (epd). An der Fassade und auf dem Dach wird noch gearbeitet. Doch der Innenausbau ist weitgehend abgeschlossen, sogar der Springbrunnen im Eingangsbereich plätschert schon. Der Bau einer Moschee im Göttinger Stadtteil Grone ist in der Endphase. Noch im Herbst soll das Gebäude offiziell eingeweiht werden. Damit fügt es sich in einen "Boom" vom Moschee-Neubauten, wie ihn das Essener Zentrum für Türkeistudien festgestellt hat. Der Trend geht dem Zentrum zufolge zu repräsentativen Neubauten.

"So ein Bauwerk gibt es in ganz Norddeutschland nicht", sagt stolz Ali-Serka Sahbaz von der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). Die Moschee hat eine Kuppel und zwei Minarette, innen drei Stockwerke und ein knappes Dutzend Räume auf insgesamt 400 Quadratmetern. Die bunten Kacheln und der große Kronleuchter wurden in der Türkei produziert. Türkische Kalligraphen fertigten die aufwendigen Wand- und Deckenzeichnungen an.

750.000 Euro kostet der Moschee-Bau. Das Geld stammt aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen sowie aus dem Verkauf eines alten Gebetsraumes am Rande des Industriegebietes, erläutert Sahbaz. Die restliche Bausumme wurde über Kredite finanziert. DITIB zählt in Göttingen rund 170 Familien als Mitglieder. Der Verein arbeitet am "Runden Tisch der Religionen Abrahams" mit, der alljährlich Friedensgebete veranstaltet.

Herzstück der Moschee ist der große Gebetsraum. An der Wand steht die mit kleinen blauen und türkisfarbenen Fliesen verzierte Gebetstreppe. "Die wird aber nur bei den Freitagsgebeten genutzt", sagt DITIB-Mitglied Davut Tekin. Sonst predigt der Imam von einer Kanzel aus. In dem mächtigen roten Teppich weisen Muster in die Gebetsrichtung nach Mekka. Ein kleinerer Gebetsraum für Frauen befindet sich im Obergeschoss.

Das Erdgeschoss wird als sozialer und kultureller Treffpunkt hergerichtet. Der Verein will in der Moschee künftig Sprach- und Alphabetisierungskurse, Nachhilfe und Programme zur Drogen-Prävention anbieten. Zu Diskussionen und Gesprächen sollen Lehrer, Theologen und Vertreter der Polizei eingeladen werden. Sahbaz betont: "Unser Angebot richtet sich nicht nur an Muslime." Jeder sei jederzeit willkommen, "das Haus steht immer allen offen." Insbesondere auch den zunächst skeptischen Nachbarn.

Noch vor zwei Jahren hatte der Moschee-Bau hohe Wellen geschlagen. Anwohner protestierten mit Unterschriftensammlungen und Leserbriefen. Sie befürchteten Parkplatzprobleme oder Lärm. DITIB machte Zugeständnisse bei der Zahl der Parkplätze und der Höhe der Minarette, von denen auch kein Gebetsruf ertönen soll. "Viele, die ursprünglich gegen die Moschee waren, haben gefragt, ob sie schon mal hereinkommen und sich umsehen dürfen", berichtet Sahbaz jetzt. (epd Niedersachsen-Bremen/b2074/02.08.06)
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