Pastor zieht positives Fazit des Kirchenasyls

Nachricht 28. Juli 2006

Holzminden (epd). Der Holzmindener Pastor Heiko Limburg hat ein positives Fazit des Kirchenasyls für die serbische Familie Fekovic gezogen. Es sei eine christliche Selbstverständlichkeit, dass Menschen, die an die Tür klopften, etwas zu essen, zu trinken und eine Unterkunft erhielten, sagte er am Freitag dem epd. Die fünfköpfige Familie hatte zehn Tage lang Zuflucht in den Räumen der evangelischen Thomasgemeinde in Holzminden gesucht, um ihrer drohenden Abschiebung zu entgehen. Am Donnerstag erhielt sie überraschend eine Duldung.

Die Eltern und die drei Kinder zwischen elf und knapp zwei Jahren hätten am Freitag die Kirche verlassen und seien in ihre Wohnung zurückgekehrt, berichtete Limburg. Zunächst seien sie entspannt, fröhlich und ausgelassen gewesen. Inzwischen seien sie jedoch auch skeptisch, ob sie die Duldung wirklich vor einer Abschiebung schütze.

Die Duldung wurde möglich, weil der Landkreis Holzminden nach einer erneuten Prüfung durch das Innenministerium für das jüngste Kind der Familie von Amts wegen ein Asylverfahren in Gang gesetzt hatte. Man habe die Ausländerbehörde auf ein Versäumnis hingewiesen, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag: Sie hätte die Geburt des jüngsten Kindes dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge melden müssen.

Limburg sagte, ein Kirchenasyl sei als allerletzte Zufluchtsmöglichkeit dazu da, dass strittige Fälle gründlich geprüft und Fehler entdeckt und korrigiert würden. So sei es auch in diesem Fall gewesen. Eine unmittelbare rechtliche Bedeutung hat das Kirchenasyl nicht. Die Polizei dringt jedoch in der Regel nicht in sakrale Gebäude ein, um eine Abschiebung durchzusetzen.

Das strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen Pastor Limburg wird unabhängig vom überraschenden Ende des Kirchenasyls zunächst weitergeführt, teilte die Staatsanwaltschaft Hildesheim dem epd am Freitag mit. Der Ausgang des Falles werde sich aber darauf auswirken, wie die Staatsanwaltschaft am Ende entscheiden werde, sagte Oberstaatsanwalt Christian Gottfriedsen. Dem Pastor war die Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt von Ausländern vorgeworfen worden.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2070/28.07.06)
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