Evangelische Religionslehrer brauchen künftig "Vokation"

Nachricht 26. Juli 2006

Hannover (epd). Evangelische Religionslehrer in Niedersachsen brauchen künftig eine kirchliche Bestätigung, die so genannte Vokation. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen dem Land und der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen werde Anfang Oktober unterzeichnet, kündigte Kultusminister Bernd Busemann am Mittwoch in Hannover an. Die Kirchen wollen, wie ihre Sprecherin Gabriele Arndt-Sandrock betonte, den Unterricht nicht kontrollieren, sondern ihn aktiv begleiten und durch Fortbildung und Beratung unterstützen.

Das Land verpflichtet sich laut Busemann, nur Lehrer mit Religionsunterricht zu betrauen, deren Eignung von ihrer Religionsgemeinschaft anerkannt werde. Die Mitgliedschaft in einer evangelischen Kirche sei Voraussetzung. Zusätzliche Prüfungen und Befragungen, etwa über die Lebensverhältnisse der Lehrkräfte, seien nicht vorgesehen. Die evangelische Vokation unterscheidet sich von der "Missio Canonica", die katholische Religionslehrer von ihrer Kirche benötigen und in der es auch um ihre persönliche Lebensführung geht.

Für die bisherigen Lehrkräfte gilt die Vokation als erteilt. Von der Neuregelung betroffen sind Lehrkräfte, die seit weniger als einem Jahr ohne Fachstudium Religionsunterricht geben, sowie Berufsanfänger. Nach Angaben des Kultusministeriums bereiten sich gegenwärtig 235 Referendare mit dem Fach evangelische Religion auf den Schuldienst vor. Für beide Gruppen bieten die Kirchen "Vokationstagungen" an. Die erste findet Anfang Dezember im Religionspädagogischen Institut in Loccum statt.

Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen sind damit dem Beispiel der meisten anderen Bundesländer gefolgt, in denen die kirchliche Bestätigung schon länger üblich ist. Zu den Gründen gehören eine veränderte Prüfungsordnung ohne kirchliche Beteiligung, die Einführung der "eigenverantwortlichen Schule" und der Wunsch, den Unterricht mit einer Glaubens- und Frömmigkeitspraxis zu verbinden. Auch dazu sollen die regelmäßigen Fortbildungsangebote der Kirchen dienen.

In Niedersachsen gibt es nach Angaben des Kultusministeriums 9.790 ausgebildete Religionslehrerinnen und -lehrer, davon 6.328 evangelische. Zur Konföderation gehören die lutherischen Kirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit zusammen rund vier Millionen Mitgliedern.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2036/26.07.06)
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