Besuchsdienst für entlassene Krankenhaus-Patienten

Nachricht 25. Juli 2006

Osnabrück (epd). Das Diakonische Werk in Osnabrück will einen ehrenamtlichen Besuchsdienst für aus dem Krankenhaus entlassene Patienten aufbauen. Es gebe immer mehr alleinstehende und meist ältere Patienten, die nach einem Krankenhaus-Aufenthalt eine Betreuung brauchten, sagte Kirchenkreis-Sozialarbeiter Axel Winter am Dienstag dem epd. Die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft und die Fallpauschalen, die die Verweildauer im Krankenhaus verkürzten, seien dafür verantwortlich.

Viele Patienten würden nicht ganz ausgeheilt aus den Kliniken entlassen und müssten ambulant weiterversorgt werden, sagte Winter. Die Krankenhaus-Seelsorger hätten in den vergangenen Wochen und Monaten einen dringenden Bedarf gemeldet. Viele vor allem alte Menschen stünden ganz allein da. Sie seien zutiefst verunsichert, wie es nach dem Krankenhaus-Aufenthalt weitergehen solle: "Der Kühlschrank ist leer. Für die täglichen Besorgungen oder den Gang zum Arzt fühlen sie sich noch nicht richtig fit."

Genau für diese ersten Tage und Wochen sei eine Begleitung notwendig, betonte der Sozialarbeiter. Gemeinsam mit der Evangelischen Erwachsenenbildung und der Freiwilligen-Agentur der Stadt habe er ein Konzept dafür erarbeitet. Dabei gehe es nicht um die Pflege. Im Herbst sollten die ersten Ehrenamtlichen eine Ausbildung erhalten. Mit Beginn des kommenden Jahres soll der Besuchsdienst seine Arbeit aufnehmen. Patienten und Begleiter sollen im Krankenhaus Kontakt knüpfen und den individuellen Bedarf klären.

In einem ersten Durchgang sollen 15 bis 20 Ehrenamtliche ausgebildet werden, erläuterte Winter: "Wir gehen aber davon aus, dass der Bedarf viel größer ist und dass wir langfristig nicht alle werden versorgen können." Er rechne damit, dass durch die zunehmende Zahl ambulanter Operationen, auch bedingt durch die Fallpauschalen, ein weiterer Nachfrage-Schub komme. Bei den Fallpauschalen bekommen Ärzte und Krankenhäuser für die Behandlung von Krankheiten einen bestimmten Pauschalbetrag.

Früher hätten sich Verwandte oder Nachbarn gekümmert, sagte Winter: "Heute sind viele Verwandte nicht mehr vor Ort, Nachbarn haben kaum Zeit." Die Besuchsdienste der Kirchengemeinden seien meistens schon ausgelastet durch runde Geburtstage: "Da ist die Gesellschaft in der Verantwortung. Wir können nicht erwarten, dass der Staat das alles regelt."

(epd Niedersachsen-Bremen/b2029/25.07.06)
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