Auf einen Blick (23. 7. - erg. 24.7.)

Nachricht 23. Juli 2006

Kirchenasyl in Holzminden für Familie aus Serbien

Holzminden (epd). Eine von der Abschiebung bedrohte Flüchtlingsfamilie aus Montenegro hat in Holzminden Zuflucht im Kirchenasyl gesucht. Die Eheleute Rahmann Fekovic und Bisera Kurtanovic sowie ihre drei Kinder zwischen einem und elf Jahren hielten sich bereits seit Montag in den Räumen der evangelischen Thomasgemeinde auf, sagte Pastor Heiko Limburg am Freitag dem epd.

Die Entscheidung, ihnen Kirchenasyl zu gewähren, werde vom Kirchenvorstand gebilligt, sagte Limburg. Er habe die Mehrheit der Kirchenvorsteher angerufen und von diesen "grünes Licht" erhalten. Das Kirchenasyl sei zunächst nicht befristet worden. Die Gemeinde wolle sich an der Suche nach weiteren Lösungen beteiligen.

Die Familie Fekovic lebt seit acht Jahren in Holzminden, der Heimatstadt des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU). Der Landkreis Holzminden habe nun die Abschiebung der Flüchtlinge angekündigt, erklärten Unterstützer. "Die Ausreisepflicht ist abgelaufen. Die Abschiebung ist eingeleitet", heißt es auch auf Papieren des Landkreises Holzminden, die der Familie Fekovic diese Woche als Ersatz für ihre eingezogenen Ausweise zugestellt werden.

Zur Auskunft berechtigte Vertreter des Landkreises waren am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. "In der Angelegenheit laufen aber noch Gespräche", hieß es im Ordnungsamt des Landkreises.

Rahmann Fekovic und Bisera Kurtanovic arbeiteten nach Angaben der Unterstützer mehrere Jahre in Holzminden und konnten so auch für den Unterhalt der Familie sorgen. Im Mai sei den Eheleuten die Arbeitserlaubnis jedoch entzogen worden. Seitdem unterstützt ein Arbeitskreis die als sehr gut integriert geltende Familie unter anderem durch Basare und das Sammeln von Spendengeldern.

Auch der Petitionsausschuss des Landtages habe bereits über diesen Fall beraten, sagte am Freitag Heidrun Böttger, die als Mitarbeiterin des Landeskirchenamtes die evangelische Kirche im Beraterkreis des Ausschusses vertritt. Ein Bleiberecht sei vom Petitionsausschuss jedoch mehrheitlich abgelehnt worden. Vor einem endgültigen Votum des Landtagsplenums hätten die Unterstützer der Familie ihre Petition zurückgezogen.

"Stattdessen soll sich die neue Härtfallkommission des Landes nun damit befassen", sagte Böttger. Das Kabinett in Hannover hatte am Freitag die Verordnung über eine solche Kommission beschlossen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2000/21.07.06)
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Erster mobiler Glockenturm am Nordsee-Strand

Cuxhaven (epd). Die ökumenische "Kirche unterwegs" hat am Wochenende am Strand von Cuxhaven-Sahlenburg den ersten mobilen Glockenturm an Deutschlands Nordseeküste eingeweiht. Mit der etwa drei Meter hohen Kiefernholz-Konstruktion am weißen Kirchenzelt in den Dünen sollen nach Angaben des evangelischen Urlauber-Seelsorgers Hartmut Schneider Urlauber und Badegäste zu Gottesdiensten, Andachten und besonderen Aktionen gerufen werden. "Damit sind wir jetzt erkennbar Kirche", betonte der Theologe.

Die ökumenische "Kirche unterwegs" ist seit vielen Jahren in Sahlenburg vertreten. Sie organisiert in dieser Saison nach Angaben der hannoverschen Landeskirche auf insgesamt 20 niedersächsischen Campingplätzen mit 170 Ehrenamtlichen Ferienangebote für Urlauber. "Wir wollen zu einem runden und gelungenen Urlaub beitragen", sagte der katholische Pastoralreferent Bernhard Schillmüller dem epd: "Dazu gehört Erholung für Körper, Geist und Seele."

Internet: www.kirche-im-tourismus.de und www.urlauberseelsorge-cuxhaven.de

(epd Niedersachsen-Bremen/b2009/23.07.06)
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Kirche Unterwegs – mitten im Leben

Mit Beginn der niedersächsischen Sommerferien 2006 öffnen sich im Bereich der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers wieder die Zelte der „Kirche Unterwegs“. An der Nordsee, in Harz und Heide, im Weserbergland, in der Grafschaft Bentheim sowie im Osnabrücker Land ist Kirche Unterwegs Gastgeberin für kirchliche Angebote auf den Campingplätzen Niedersachsens.

In vierköpfigen Teams von ehrenamtlich Mitarbeitenden bietet Kirche Unterwegs mit Gottesdiensten, Kinderstunden und vielen weiteren Veranstaltungen ein reichhaltiges Angebot, dass neben Spiel, Spaß und Spannung auch den Glauben an Jesus Christus weitergeben möchte. Auf 20 Campingplätzen sind auf diese Weise rund 170 Ehrenamtliche im Einsatz.

Die Mitarbeitenden im Alter von 18 bis 65 Jahren bringen dabei eine Vielzahl von Begabungen mit, die sich in der Vielfalt der Angebote wiederspiegeln. Nicht nur die Urlauber vor Ort profitieren von dieser Form kirchlicher Arbeit – auch die Ehrenamtlichen erleben ihren Einsatz als Gewinn für sich selbst und als gute Gelegenheit, lebendige Kirche mitgestalten zu können. Die Einsätze von Kirche Unterwegs werden seit über 50 Jahren deutschlandweit und in Teilen Europas erfolgreich durchgeführt und sind ein Beleg gelingender kirchlicher und vom Glauben zeugender Arbeit.

Weitere Informationen, vor allem bei Interesse an einer Mitarbeit, gibt es im Fachgebiet Kirche im Tourismus im Haus kirchlicher Dienste oder auch unter der Internetadresse www.kirche-im-tourismus.de. Kirche im Tourismus im Haus kirchlicher Dienste Archivstr. 3 30169 Hannover Fon: 0511 1241-505 Fax: 0511 1241-558 kirche.tourismus@kirchliche-dienste.de
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Niedersachsen erhält im September Härtefallkommission

Hannover (epd). Als vorletztes Bundesland erhält nun auch Niedersachsen eine Härtefallkommission für Ausländer. Sie soll im September ihre Arbeit aufnehmen, kündigte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag in Hannover an. Damit ist Bayern das einzige Bundesland ohne eine solche Kommission nach dem Aufenthaltsgesetz. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte: "Ich hoffe, dass die Diskussion über Abschiebungen von Ausländern damit versachlicht wird."

Die Härtefallregelung solle Ausländern, die kein Aufenthaltsrecht erhalten können, zu einem legalen Aufenthalt verhelfen, wenn dringende humanitäre oder persönliche Gründe dafür sprächen, erklärte das Ministerium. Anträge an die Kommission können nur über ihre Mitglieder eingebracht werden und sind erst ab September möglich. Wenn die Kommission mit einer Mehrheit von sechs Stimmen einen Antrag befürwortet, kann sie das Ministerium ersuchen, eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen.

Nach der Verordnung, die das Kabinett am Freitag beschlossen hat, wird der Innenminister die neun Mitglieder berufen, darunter einen Vorsitzenden ohne Stimmrecht. Er wird gleichzeitig Leiter der Geschäftsstelle im Ministerium. Für sechs Mitglieder haben Verbände und Kirchen ein Vorschlagsrecht. Der Niedersächsische Städtetag wird nach eigenen Angaben Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg aus Hannover vorschlagen, der Landkreistag Landrat Theodor Elster aus Uelzen. Die evangelischen Kirchen beauftragen Martin Schindehütte, den künftigen Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die katholische Kirche entsendet den Göttinger Juristen Professor Christian Starck. Die Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege hat noch keinen Vertreter benannt.

(epd Niedersachsen-Bremen/b2003/21.07.06)
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Jüdische Gemeindevorsitzende lehnt "Stolpersteine" ab

Göttingen (epd). Die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen, Eva Tichauer Moritz, hat ihre Kritik an der Verlegung so genannter "Stolpersteine" zur Erinnerung an Nazi-Opfer bekräftigt. "Stolpersteine auf dem Fußboden bedeuten, dass sie mit Füßen getreten werden, vielleicht bespuckt, mit Kaugummi überklebt, verdreckt", sagte Tichauer Moritz am Donnerstag: "Noch einmal werden die Namen mit Unrat überzogen."

Die mit Messingplatten versehenen "Stolpersteine" wurden bereits in rund 130 deutschen Städten und Dörfern vor Häusern verlegt, in denen von den Nazis vertriebene oder ermordete Menschen lebten. Initiator der Aktion ist der Künstler Gunter Demnig. Im südlichen Niedersachsen gibt es bislang in Braunschweig und Bad Pyrmont "Stolpersteine", in Duderstadt und Northeim sollen solche Steine nach Ratsbeschlüssen in den kommenden Monaten verlegt werden.

In Göttingen hatte vor vier Jahren die Jüdische Gemeinde gegen das Vorhaben interveniert. Die damalige Vorsitzende Tichauer Moritz befürchtete, dass mit den "Stolpersteinen" die jüdische Kultur und der in vielen jüdischen Namen enthaltene Name Gottes mit Füßen getreten würden.

Sie habe während der Nazi-Diktatur 19 Familienmitglieder verloren, sagte Tichauer Moritz am Donnerstag. "Niemals würde ich akzeptieren, dass deren Namen auf Straßen liegen." Erinnerung müsse "auf Augenhöhe" erfolgen. So gebe es in an einer Hauswand in Hann. Münden eine "eindrucksvolle Tafel" mit dem Namen, Geburts- und Todesdatum eines jungen Mannes, der von der SA in den Fluss getrieben worden sei.

In vielen Städten seien die jüdischen Gemeinden nicht einmal gefragt worden, ob sie mit der Aktion "Stolpersteine" einverstanden seien, beklagte Tichauer Moritz. "Gut meinende Menschen haben einfach entschieden, und so wurden die Steine verlegt. Wenn ein Nachfahre eine schriftliche Erlaubnis gibt, dann kann der Stein gelegt werden, wenn die Initiatoren es nicht lassen können. Wenn keine Nachfahren da sind, sollten alle die Finger davon lassen", sagte die Gemeindevorsitzende.

Tichauer Moritz und andere konservative Juden haben die Jüdische Kultusgemeinde für Göttingen und Südniedersachsen vor einem Jahr gegründet. Sie hat nach eigenen Angaben etwa 50 Mitglieder. Die seit 1994 in der Stadt bestehende Jüdische Gemeinde ist dagegen liberal ausgerichtet und Mitglied in der reformjüdischen Union Progressiver Juden. Tichauer Moritz ist auch Vorsitzende des Göttinger Vereins Jüdisches Lehrhaus.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1979/20.07.06)
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Kelche für die Ewigkeit - Angehende Designer entwerfen neue Formen für Abendmahlsgeräte

Von Michael Grau (epd)

Nienburg/Hildesheim (epd). Es sind Gefäße für die Ewigkeit: Rund 800 Jahre alt ist der älteste Abendmahlskelch in der hannoverschen Landeskirche. Jetzt haben zehn Design-Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim bei einem Wettbewerb der evangelischen Landeskirche neue Formen für Abendmahlsgeräte entworfen. "Es ist reizvoll, zu einem mehr als tausend Jahre alten Thema etwas Neues, Feierliches, Schlichtes und Klares zu schaffen", sagt Student Jan Hebach (28). In der Nienburger St.-Martins-Kirche sind die Ergebnisse bis zum 11. September ausgestellt.

"Mit Respekt, aber ohne Scheu" habe er sich den heiligen Geräten genähert, erzählt Dirk Zeyher (26), für den die Stücke zugleich seine Diplom-Arbeiten sind. Zeyher hat gleich drei Kelche und vier Hostienteller aus Silber, Edelstahl, Kupfer und Bronze gestaltet. Bei zwei Stücken symbolisiert ein Ring die Zusammengehörigkeit der Abendmahl feiernden Gemeinde. Bei einem der Teller falten sich die Ecken wie segnende Hände in die Höhe.

Jan Hebach, der beim Wettbewerb einen der beiden ersten Preise gewann, hat lange gebrütet, bevor ihm eine zündende Idee kam. Schließlich schmiedete er einen Hostienteller, die "Patene", aus einem einzigen Rohling: "Dafür habe ich mir von der Bank für 270 Euro einen Silberbarren geholt." 60 Stunden hämmerte er, schliff mit Bimsstein und polierte mit Baumwollscheiben.

Herausgekommen ist eine asymetrische Schale mit einem breiten Rand an der einen Seite und einem flach auslaufenden Rand an der anderen. Der Pastor kann die Schale an der dickeren Seite fassen und sie der Gemeinde reichen: "Sie symbolisiert das Geben." Bevor er sich an die Arbeit machte, holte Hebach sich erst einmal Rat bei seinen Onkeln, die beide Pastoren sind. Und bevor er das Silber schmiedete, gestaltete er die Patene zur Probe in Kupfer.

Auf den Teller sollten etwa 40 Hostien passen, so lautete eine Vorgabe an die angehenden Designer. Das Trinkgefäß, die "Kuppa", musste aus Silber sein. "Sie muss ausreichend groß sein und sich problemlos so drehen lassen, dass sechs bis acht Personen nacheinander daraus trinken können", erzählt Hebach. "Der Kelch darf auch nicht zu schwer sein, denn der Pastor gibt ihn mit ausgestrecktem Arm weiter", ergänzt Dirk Zeyher. "Und da ist ja noch ein halber Liter Wein drin."

Gern zitieren die Studenten ein Bonmot aus der Laudatio bei der Preisverleihung. Nur "Brand und Frevel" könnten verhindern, dass Abendmahlsgeräte die Jahrhunderte überdauern, hieß es. Einige der 32 Stücke wurden bereits von der Landeskirche gekauft - um sie an Gemeinden weiter zu vermitteln. Das kommt jedoch nicht allzu häufig vor, sagt Kunstreferent Hasso von Poser: "Komplette Geräte vermittele ich nur etwa fünf Mal pro Jahr."

Der Bestand an Kelchen und Patenen in der Kirche ist überwiegend alt, erläutert von Poser, der die Entwürfe der Studenten für "ganz überragend" hält. "Aber wir müssen immer mal wieder neue Sachen ausprobieren."

(St.-Martins-Kirche Nienburg, geöffnet montags bis freitags von 10 bis 12 und 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 12 Uhr)

(epd Niedersachsen-Bremen/b1978/21.07.06)
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