Landesbischöfin: Kein Druck auf kleinere Kirchen

Nachricht 19. Juli 2006

(epd-Gespräch)

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hält die Zusammenlegung von Landeskirchen zu größeren Einheiten für sinnvoll. Über ein Zusammengehen müssten jedoch die kleineren Kirchen selbst entscheiden, sagte sie am Mittwoch in Hannover in einem epd-Gespräch. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers als größte deutsche Landeskirche mit knapp 3,1 Millionen Mitgliedern umfasst nahezu 80 Prozent von Niedersachsen. Doch sie werde nach den Worten der Bischöfin keinen Druck auf die kleineren Kirchen von Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe ausüben.

Die kleineren Kirchen hatten zurückhaltend bis ablehnend auf einen Vorstoß der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) reagiert. Ein Perspektivpapier der EKD von Anfang Juli enthält unter anderem den Vorschlag, die Zahl der heute 23 Landeskirchen auf acht bis zwölf zu reduzieren. Dabei sollte man sich an den Grenzen der Bundesländer orientieren. Der Bischof von Schaumburg-Lippe, Jürgen Johannesdotter, hatte daraufhin umgehend erklärt, seine Kirche, mit 63.000 Mitgliedern die zweitkleinste in der EKD, empfinde sich nicht als Übernahmekandidat.

Auch aus anderen Landeskirchen kam Skepsis bis Ablehnung. Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber nannte den Bezug auf die Grenzen der Bundesländer für die Kirchen sachfremd. Auch die bremische und die oldenburgische Kirche reagierten zurückhaltend. Die Evangelisch-reformierte Kirche sprach sich für mehr Kooperation aus, verwies aber auf die Unterschiede zu den lutherischen Kirchen im Bekenntnis.

Die Bekenntnisfrage sei ernst zu nehmen, räumte Bischöfin Käßmann ein. Bei den lutherischen Kirchen stelle sich die Frage des Zusammengehens stärker. Dieser Prozess könne aber kaum von den großen Kirchen in Gang gesetzt werden. Andererseits habe die hannoversche Landeskirche aufgrund ihrer Größe die Möglichkeit, übergemeindliche Zentren zu erhalten wie die Akademie Loccum, das Religionspädagogische Institut oder auch das Haus Kirchlicher Dienste, die spezielle Kompetenzen beispielsweise mit Blick auf den Islam, die Landwirtschaft oder auch die Gesundheitsethik zur Verfügung stellen.

Das sei für einen kompetenten Dialog in der Gesellschaft notwendig, könne aber nicht einfach für kleinere Kirchen inklusive geleistet werden, die andererseits unabhängig und eigenständig bleiben wollten, sagte Käßmann.

Die Bischöfin wandte sich dagegen, die Diskussion um das EKD-Papier auf die Kirchenstruktur zu konzentrieren. Das Perspektivpapier in seiner Gesamtheit enthalte mutige Wachstumsziele. Wichtig sei es, evangelische Christen wieder zu bewussteren Mitgliedern ihrer Kirche zu machen. So gelte es, die Bereitschaft zur kirchlichen Trauung, zur Taufe der Kinder und zur kirchlichen Bestattung der Toten zu stärken.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1960/19.07.06)
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