Auf einen Blick (18.7.)

Nachricht 18. Juli 2006

Darf Rudi Carrell im eigenen Garten beigesetzt werden?
Ministerpräsident Wulff dafür, Bischöfin Käßmann dagegen

S y k e (idea) – Wo soll der am 7. Juli verstorbene Showmaster Rudi Carrell beigesetzt werden? Er wünschte eine Beerdigung im eigenen Garten in Syke bei Bremen – neben dem Grab seiner zweiten Frau Anke. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) befürwortet die Idee, die Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Margot Käßmann, ist dagegen. Sie plädiert für Beisetzungen grundsätzlich nur auf Friedhöfen. „Wenn Urnen nur noch in Regalen stehen oder in eigenen Gärten vergraben werden, verlieren wir ein Bewußtsein für die Gemeinschaft, die uns hilft, Trauer zu tragen und Abschiede zu verkraften“, schrieb Frau Käßmann in der „Bild“-Zeitung. Der Umgang mit Toten spiegele die Einstellung zum Leben wider. Frau Käßmann zufolge brauchen Menschen Orte des öffentlichen Erinnerns, „damit wir nicht vergessen, wie verletzbar und begrenzt das Leben ist“. Um Carrells Wunsch erfüllen zu können, bedarf es laut niedersächsischem Bestattungsrecht einer Ausnahmegenehmigung. Diese sei aber bisher (Stand 17. Juli) nicht beantragt worden, teilte eine Sprecherin des Bürgermeisteramtes von Syke auf Anfrage von idea mit. Die Hintergründe der Bestattung der Urne von Anke Carrell im Jahr 2000 auf dem Grundstück werden geprüft.
(17.07.2006/14:34)
Copyright: Evangelische Nachrichtenagentur idea
E-Mail: idea@idea.de
+++


Gemeinde in Harpstedt öffnet Kanzel für Laien

Harpstedt/Kr. Oldenburg (epd). Die evangelische Kirchengemeinde in Harpstedt bei Oldenburg öffnet ihre Kanzel für theologische Laien. Unter ihnen sind eine Biologin und Hundetrainerin, ein Schiffsbauer und Betriebsrat, ein Regisseur sowie der Arzt und Buchautor Professor Dietrich Grönemeyer, teilte Pastor Gunnar Schulz-Achelis am Dienstag mit. Die Reihe startet an diesem Sonntag mit der Predigt der 38-jährigen Hundetrainerin Karin Petra Frieling, die als Lektorin bereits Lese-Gottesdienste in der Harpstedter Kirche gehalten hat.

"Die sogenannten Laien sind Experten in bestimmten Lebenswelten, die Pastoren oft kaum kennen", sagte Schulz-Achelis: "Wenn diese Christen eine Bibelstelle auslegen, entdecken sie oft ganz neue Gesichtspunkte." Während der auf zwölf Monate angelegten Reihe mit Gastpredigern ist auch ein Gefängnis-Seelsorger aus Aurich zu hören, der in plattdeutscher Sprache predigen wird. Im Advent spricht die Pastorin und Buchautorin Christa Spilling-Nöker aus der Nähe von Karlsruhe.

Erwartet wird zudem der braunschweigische Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar. Die Predigt von Professor Grönemeyer ist für den 17. Juni 2007 geplant. NDR-Info wird diesen Gottesdienst live im Hörfunk übertragen. Zum Abschluss der Reihe gestaltet erneut Hundetrainerin Frieling in ihrem Haus einen "Gottesdienst für Mensch und Tier". Eine Lesung und ein Filmabend ergänzen die Predigten.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1944/18.07.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
+++


EKD-Papier für Reformierte "Gesprächsangebot"

Leer (epd). Der reformierte Kirchenpräsident Jann Schmidt hat das neue Perspektivpapier des Rates Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als "interessantes Gesprächsangebot" gewertet. In dem Papier wird aus Kostengründen eine deutliche Reduzierung der bislang 23 evangelischen Landeskirchen auf acht bis zwölf vorgeschlagen. Schmidt warnte jedoch vor zu schnellen Beschlüssen: Insbesondere gewachsene Traditionen und Konfessionen dürften in der Debatte nicht einfach beiseite geschoben werden, sagte Schmidt am Dienstag in Leer dem epd.

Schmidt warb für mehr Kooperationen unter den Landeskirchen. "Die müssen aber nicht zwangsläufig in Fusionen münden", sagte er. Die reformierte Kirche mit ihrer kleinen Verwaltung in Leer kooperiere bereits in vielen Bereichen mit ihren Nachbarkirchen, etwa in der Ausbildung des theologischen Nachwuchses oder bei den Zivildienstleistenden.

Die Erfahrung der vergangenen 150 Jahre zeige, dass in den so genannten Unionskirchen, in denen sich Reformierte und Lutheraner zu einer gemeinsamen Kirche zusammengeschlossen haben, die Minderheitenkonfessionen nahezu in Vergessenheit gerieten. In den einzelnen Landeskirchen seien aus den jeweiligen Bekenntnissen und der Tradition Ordnungen gewachsen, die nicht ohne weiteres zusammengeworfen werden könnten, betonte Schmidt.

"Außerdem ist noch lange nicht bewiesen, dass große Kirchen kostengünstiger als kleine Kirchen arbeiten können und alles besser machen", sagte Schmidt. Für die reformierte Kirche sei es wichtig, in der Fläche und den Regionen präsent zu sein. Er habe große Sorge, dass dies nach einer Fusion nicht mehr möglich sei.

Die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer gehört zu den kleineren der 23 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ihr 142 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu haben insgesamt rund 190.000 Mitglieder.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1950/18.07.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
+++


Spitze der bremischen Kirche glaubt nicht an Fusion

Bremen (epd). Die theologische Spitze der Bremischen Evangelischen Kirche glaubt trotz knapper Kassen nicht an eine baldige Fusion mit der hannoverschen Landeskirche. Die bremische Kirche sei identitätsstiftend, ihre Gemeinden seien selbstbewusst, sagte Schriftführer Pastor Louis-Ferdinand von Zobeltitz am Montagabend in einem Gespräch mit dem TV-Regionalmagazin "buten un binnen". Die Kirche sei finanziell nicht in Not, sondern gehöre eher zu denen, die andere Kirchen in Not unterstützten.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte kürzlich in einem Reformpapier unter anderem vorgeschlagen, die Zahl der Landeskirchen in Deutschland bis zum Jahr 2030 von zurzeit 23 auf acht bis zehn zu verringern. Angesichts des demographischen Wandels und schwindender Finanzkraft müsse die Kirche die Qualität ihrer Arbeit stärken, Strukturen durchforsten und ihre Kernaufgaben stärker betonen, hieß es.

Für die bremische Kirche sei Fusion nicht die Hauptaufgabe, betonte von Zobeltitz. Es komme darauf an, in der Jahrtausendwende mit eigenen Mitteln eine zeitgemäße Kirche hinzubekommen. Darauf seien die Bremer, die seit 1995 ihren landeskirchlichen Haushalt um mehr als die Hälfte gekürzt hätten, gut vorbereitet.

"Ich glaube, wir schaffen es", sagte der leitende Theologe. Wenn nicht, müsse in zehn bis 15 Jahren ganz neu über Fusionen nachgedacht werden. "Die Zeiten können sich ändern. Es wird ohne Zweifel in 15 Jahren weniger Landeskirchen geben." Die Bremische Evangelische Kirche gehört mit 66 Gemeinden und rund 141.000 Mitgliedern zu den kleineren Landeskirchen in Deutschland.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1945/18.07.06)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen