Landesposaunenfest versammelt 1.800 Aktive in Verden

Nachricht 16. Juli 2006

Verden (epd). Mehr als 1.800 Bläserinnen und Bläser aus ganz Niedersachsen haben sich am Sonnabend zum Landesposaunenfest der hannoverschen Landeskirche in Verden getroffen. Die Posaunisten sorgten "für einen wahrhaft himmlischen Klang und den unverwechselbaren Sound unserer evangelischen Kirche", sagte Oberlandeskirchenrat Hans Christian Brandy in einem Festgottesdienst unter freiem Himmel vor der historischen Kulisse des Verdener Doms. Die 750 Posaunenchöre mit mehr als 14.000 Aktiven seien "eine blühende Säule" der Gemeinden.

Es sei großartig, dass so viele junge und alte Menschen im gemeinsamen Musizieren verbunden seien, betonte Brandy. Zu dem größten Treffen dieser Art in Niedersachsen, das die Landeskirche alle vier Jahre organisiert, waren nach Angaben der Organisatoren Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Alter zwischen sechs und 90 Jahren gekommen. "Religion und Glaube gibt es nicht ohne Musik", sagte der Stader Landessuperintendent Manfred Horch. "Bläsermusik ist Verkündigung, weil sie das Wort des Evangeliums kräftig und unüberhörbar herausposaunt."

Das nächste Landesposaunenfest ist 2010 in Hildesheim geplant. Die Massenbewegung der evangelischen Posaunenarbeit mit heute bundesweit rund 6.200 Bläserchören und 120.000 Aktiven nahm vor rund 150 Jahren ihren Anfang. Als Gründer gilt der Bauernpastor Johannes Kuhlo (1856-1941) aus dem ostwestfälischen Gohfeld. Sein Geschick, mehrere hundert Bläser in kurzer Zeit zu einem gut klingenden Chor zu vereinen, brachte ihm den Beinamen "Posaunengeneral" ein.
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Ständchen am Krankenbett und Gemeindefest im Regen

Von Dieter Sell (epd)

Verden (epd). Ein Posaunist hat's nicht leicht. Mal gehen die Noten verloren. Dann wieder regnet es mitten ins Ständchen. Ganz zu schweigen von den Minustemperaturen und den klammen Fingern beim Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt. Während des evangelischen Landesposaunenfestes am Sonnabend in Verden bereiteten sich die Jungbläser auf die Widrigkeiten ihres Musikerlebens vor. Mit ihnen kamen mehr als 1.800 Aktive aus der hannoverschen Landeskirche zum größten Treffen dieser Art in Niedersachsen.

Dorothea, Frederik und Michael liegen bäuchlings auf dem Boden und pusten nach Leibeskräften. Die Zehn- und Zwölfjährigen sind dabei, ihr "Posaunenchor-Diplom" abzulegen, und versuchen an dieser Station, ein riesiges Notenblatt vom Sand zu befreien. "Für jede erfolgreiche Prüfung gibt es einen Punkt", verspricht der Lüneburger Landesposaunenwart Ulf Pankoke. Die Sache ist nicht ganz ernst gemeint. Aber ein gefühlvolles Ständchen am Krankenbett oder ein Gemeindefest im Regen, nachgestellt mit einem Gartenschlauch, das kann es durchaus schon mal geben.

Ob kleine Trompete, blitzende Posaune, große Tuba oder mächtiges Susaphon: Die Bläserinnen und Bläser bestimmen unter strahlend blauem Himmel an allen Ecken und Enden das Bild des historischen Verdener Stadtkerns. Sie kommen aus den etwa 750 Posaunenchören der hannoverschen Landeskirche, die mit mehr als 14.000 Aktiven "eine blühende Säule" kirchlicher Arbeit repräsentieren, wie es später im Festgottesdienst Oberlandeskirchenrat Hans Christian Brandy ausdrückt. Es sei großartig, "dass so viele Menschen, junge und alte, im gemeinsamen Musizieren verbunden sind".

Neben traditionellen Stücken gehören Gospel, Swing und Jazz zum Repertoire der Chöre, die an diesem Tag in unterschiedlichen Workshops an ihrem Können feilen. "Nachwuchssorgen gibt es nicht", betont Landesposaunenwart Reinhard Gramm aus Stade, der das Treffen zusammen mit vielen anderen vorbereitet hat. "60 Prozent sind unter 40 Jahre alt." Auch eine Frauenquote ist ganz offensichtlich nicht nötig, denn in den allermeisten Chören musizieren Gramm zufolge je zur Hälfte beide Geschlechter.

Alle vier Jahre organisiert die Landeskirche ein derartiges Mega-Treffen, bei dem sich die etwa 150 Jahre alte Posaunenbewegung im großen Stil selbst feiert - und gefeiert wird. Das Nächste ist 2010 in Hildesheim geplant. "Das ist so etwas wie das Schützenfest der Bläser, erläutert Wolfgang Gerts, Landesobmann der evangelischen Posaunenarbeit. "Ein Höhepunkt, der motiviert", sagt Gerts und betont das ehrenamtliche Engagement. Nach seiner Rechnung stehen im Schnitt jährlich 120 Termine im Kalender jedes Posaunisten, von der Probe über den Gottesdienst bis zum Ständchen beim Jubilar.

"Sie können Menschen dankbar machen", lobt Landessuperintendent Manfred Horch die riesige Bläserschar während des abschließenden Festgottesdienstes vor der imposanten Kulisse des Doms. Die Musik öffne die Menschen und bringe die Seelen zum Schwingen, betont der hannoversche Regionalbischof aus Stade. Und dazu sei das Spiel der Bläserinnen und Bläser auch Verkündigung, "weil es das Wort des Evangeliums kräftig und unüberhörbar herausposaunt". (Internet: www.foerderverein-posaunenwerk.de)

(epd Niedersachsen-Bremen/b1924/16.07.06)
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