Auf einen Blick (13.7.)

Nachricht 13. Juli 2006

Integrationsgipfel: Diakonie fordert gesellschaftlichen Pakt für Bildung und Integration.

"Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte müssen aufgeholt werden!"

Berlin, 13. Juli 2006 "Dieser Integrationsgipfel sollte ein greifbares Ergebnis hervorbringen - unserer Auffassung nach müsste das ein gesellschaftlicher Pakt für Bildung und Integration sein!" So die Forderung des sozialpolitischen Vorstands des Diakonischen Werkes der EKD, Dr. Bernd Schlüter, im Vorfeld des am Freitag in Berlin stattfindenden Integrationsgipfels. Integration habe einen hohen Stellenwert für die Zukunft unserer Gesellschaft - sie bedeute die umfassende Vermittlung von Sprache, Bildung und sozialen Fertigkeiten auf der Grundlage eines gemeinsamen Wertekanons. Den Bundesländern und Kommunen sei es aber in den vergangenen Jahrzehnten nicht hinreichend gelungen, ihren Bildungs- und Erziehungsauftrag im Zusammenhang des Integrationszieles - z.B. in Hinblick auf die Spracherziehung- verantwortlich wahrzunehmen, beklagt Schlüter. Dies nicht zuletzt aufgrund halbherziger Finanzierung für diese Aufgabe. "Wir hoffen, dass der Integrationsgipfel sich nicht nur in Absichtserklärungen erschöpft, sondern einen langfristigen Prozess konkreter Maßnahmen in Gang setzt, um die Versäumnisse der letzten Jahrzehnte aufzuholen. Da es hier aus unserer Sicht zunächst um Förderung und dann erst um Forderung geht, wird ein solcher Plan ohne Finanzierungszusagen kaum Sinn machen." Kindertagesstätten zum Beispiel bräuchten eine finanzielle Regelausstattung, die konsequente Sprachförderung, Bildung und flexible Angebote der Elternberatung einschließe.

Die langjährig im Status der Duldung lebenden knapp zweihunderttausend Migranten sollen nach dem Willen der Diakonie besonders ins Blickfeld gerückt werden. "Diese Menschen leben weitgehend ohne Rechte und ohne Zukunftsperspektive mitten unter uns - ihre Situation ist aus christlicher und menschenrechtlicher Perspektive nicht zu verantworten", kommentiert Bernd Schlüter. Geduldete Jugendliche zum Beispiel könnten weder Ausbildung noch Studium beginnen. "Für Geduldete, die seit mindestens fünf Jahren in Deutschland leben, fordern wir ein Aufenthaltsrecht."

Kritisch wird auch die Handhabung von Widerrufsverfahren betrachtet. Hier sei deutlich mehr Sensibilität erforderlich. "Menschen, die bereits seit langer Zeit als Flüchtlinge in Deutschland leben, haben oft große Integrationsleistungen erbracht. Zumeist lassen die Bedingungen in den Heimatländern realistischerweise gar keine Rückkehr mehr zu", so Schlüter. Hier Widerrufsverfahren einzuleiten, sei oftmals unangemessen. Diese Verfahren führten jedoch zu Statusverschlechterung und erhöhten die Zahl der Menschen mit Kettenduldungen.

Die Diakonie fordert eine umfassende gesetzliche Verankerung eines Grundangebotes zur Integration.

PS: Diakonie-Info kurzgefaßt:

Von den Migrationfachdiensten der Diakonie sind allein im ersten Halbjahr 2006 21.982 Personen, Familienangehörige eingeschlossen, in 33.145 Sitzungen beraten worden. Dabei hat die Diakonie sowohl asyl-, aufenthalts- und sozialrechtliche Aspekte wie auch die Möglichkeiten im Bildungsbereich und beim Zugang zum Arbeitsmarkt im Blick. Die Diakonie bietet an, ihre vielfältigen Erfahrungen und Kompetenzen in der Integrationsarbeit in die Bemühungen um eine umfassende Integration der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund einzubringen

Pressestelle des Diakonischen Werkes der EKD Barbara-Maria Vahl - Pressesprecherin -
Tel.: 030 83001 130 oder mobil: 0172 620 7839

Informationen auch unter: www.diakonie.de
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Busemann für mehr christliche Werte in der Erziehung

Hannover (epd). Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann (CDU) hat sich für mehr christliche Werte in der Erziehung ausgesprochen. Grundwerte aus Christentum und Aufklärung prägten das Gemeinwesen in Deutschland und Europa, schreibt er in der evangelischen Mitarbeiterzeitschrift "Dialog", die Mitte Juli in Hannover erschienen ist. Busemann bezog sich damit auf das "Bündnis für Erziehung" von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), die angesichts der zunehmenden Gewalt an Schulen das Gespräch zunächst mit den christlichen Kirchen gesucht hatte.

Zu den Grundwerten gehörten die körperliche Unversehrtheit und der Respekt vor der Persönlichkeit eines jeden, erklärt Busemann: "Darum ist es nicht rückwärtsgewandt, sich an diese Werte zu erinnern." In einem der weiteren Beiträge im "Dialog" plädiert auch der Sprecher der Grünen Jugend Niedersachsen, Helge Limburg, für mehr christliche Werte. Politiker müssten diese Werte jedoch vorleben: "Zum Gebot der Nächstenliebe passt es nicht, dass Niedersachsens Innenminister hier geborene und aufgewachsene Menschen abschiebt." Es könne nicht verwundern, wenn Schüler dann unmotiviert und aggressiv würden.

Für den Verband "Freie Humanisten Niedersachsen" wendet Bidlungsreferent Jürgen Steinecke ein, die Kirche habe Werte wie Mitmenschlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe nicht erfunden: "Das sind allgemein anerkannte Werte. Für uns sind das ureigenste humanistische Werte." Der Kirche stehe dafür kein moralischer Alleinvertretungsanspruch zu.

Auch Avni Altiner vom muslimischen Verband "Schura Niedersachsen" erklärt, Werte im modernen Deutschland seien nicht notwendig christliche Werte. "Es geht aus unserer Sicht beim Projekt der Familienministerin nicht nur um christliche Werte, sondern eher um eine neue Form des Ausgrenzungsdiskurses gegenüber zugewanderten Werten."

Für den Verband Christlicher Pfadfinder in Niedersachsen kritisiert Vorstandsmitglied Rolf Ebritsch, dass Werte heute immer schwerer gelebt werden könnten, da man mit ihnen keine Geschäfte machen könne. Der evangelische Berufsschulpastor Olaf Ideker-Harr aus Lüneburg schreibt, dass viele Schüler heute die Frage nach mehr christlichen Werten wohl verneinen würden: "Aber die Möglichkeit, sie im Religionsunterricht kritisch zu prüfen, ergreifen sie gerne."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1883/13.07.06)
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Hannover erinnert an 750-jährige Stiftungsgeschichte

Hannover (epd). Hannover blickt mit einer Ausstellung an die 750-jährige Geschichte der Armenstiftungen in der Stadt zurück. Im Jahr 1256 stifteten Adelige erstmals ein Hospital, um Kranke, Lahme, Blinde und arme Durchreisende aufzunehmen und zu pflegen. Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) würdigte die Armenstiftungen bei der Eröffnung am Donnerstag als Beispiel für soziales Engagement: "Wer meint, gegen Armut könne man gar nichts machen, der entzieht sich seiner Verantwortung für sein Handeln."

Die Ausstellung "Armenstiftungen im Wandel der Jahrhunderte", die bis zum 30. Juli im Bürgersaal des Neuen Rathauses zu sehen ist, stellt mit Fotos, Texten und Karten fünf historische Stiftungen vor. In den Stiftungshäusern sind heute 725 Wohnungen und Heimplätze für alte Menschen untergebracht. Anlass für die erste Stiftung war 1256 ein Aufruf des Bischofs Wedekind von Minden, der die Christen in der Stadt um Spenden für ein Krankenhaus bat. Adelige stellten zur Finanzierung daraufhin Bauernhöfe und landwirtschaftliche Flächen zur Verfügung.

Auf das "Hospital St. Spiritus", das heutige Stift zum Heiligen Geist, folgte 1284 das St.-Nicolai-Stift, ursprünglich ein Lepra-Hospital vor den Toren der mittelalterlichen Stadt. Im 13. Jahrhundert wütete die ansteckende Lepra-Krankheit in Europa. Das Rats- und von Soden-Kloster geht auf eine Stiftung der Schwestern Catarina und Johanna Romel im Jahr 1551 und auf das ehemalige Kloster der Barfüßer-Mönche zurück, die während der Reformation die Stadt verlassen hatten. In dem Kloster sollten künftig "kümmerliche Leute" und arme Frauen aufgenommen werden.

1587 stellte der aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie stammende Geistliche Mauritius von Sode weitere Stiftungsmittel für das ehemalige Kloster zur Verfügung. 1848 gründete der hannoversche Pastor Hermann Wilhelm Bödeker ein Haus für Witwen und "unbemittelte alternde Jungfrauen", das heutige Senior-Bödeker-Stift. 1852 schließlich nahm die bereits 1784 urkundlich fixierte Johann-Jobst Wagener'sche Stiftung ihre Arbeit auf.

Die heutigen Senioren-Wohnstifte stünden gegenwärtig vor großen finanziellen Herausforderungen, sagte Schmalstieg. Allein aus ihrem historischen Kapital heraus könnten sie sich nicht mehr verbessern: "Es ist erforderlich, weiter das Engagement der Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen."

(epd Niedersachsen-Bremen/b1885/13.07.06)
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Buxtehudepreis 2007 geht an Orgelbauer Ahrend in Leer

Lübeck/Leer (epd). Der Orgelbauer Jürgen Ahrend aus dem ostfriesischen Leer wird mit dem Buxtehudepreis 2007 der Hansestadt Lübeck ausgezeichnet. Der 76-Jährige erhalte den mit 10.000 Euro dotierten Preis für sein Lebenswerk, teilte die Pressestelle der Stadt am Donnerstag mit. Ahrend ist bekannt geworden durch seine Rekonstruktionen und Restauration von Barockorgeln, unter anderem der Arp-Schnitger-Orgel der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg und der Ebert-Orgel der Innsbrucker Hofkirche.

Mit der Wahl des ersten Instrumentenbauers in der Reihe der Buxtehudepreisträger werde zugleich die Orgel als zentrales Musikinstrument der Barockmusik besonders herausgestellt, hieß es. Der Preis wird während der Buxtehude-Festwoche im Mai 2007 überreicht und damit zum 17. Mal vergeben. Lübeck feiert 2007 anlässlich des 300. Todestages (9. Mai 1707) des Komponisten Dietrich Buxtehude das Buxtehude-Festjahr.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1888/13.07.06)
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"Klatscht in die Hände vor dem Herrn"
Synagogale und jiddische Lieder im Michaeliskloster

Das Michaeliskloster Hildesheim lädt am kommenden Dienstag, 18. Juli, um 20 Uhr zu einem jüdischen Liederabend ein. Ausführende sind der jüdische Rabbiner Dr. Daniel Katz aus Duisburg, der auch Musikwissenschaftler und Komponist ist, begleitet von der Pianistin Nadezhda Senatskaya aus Hannover.
Sie interpretieren Kantorenlieder und biblische Gesänge von Dvorak und Schumann sowie eigene Kompositionen von Daniel Katz, darunter auch 6 jiddische Lieder. Der Eintritt ist frei.
Das Konzert findet im Rahmen einer hochrangig besetzten Tagung des Michaelisklosters zum Spannungsfeld von christlicher und jüdischer Psalmentradition statt.

www.michaeliskloster.de