Norden: Kirche wird Dokumentationstätte für Vertriebene

Nachricht 11. Juli 2006

Norden (epd). Die bundesweit erste dauerhafte Dokumentationsstätte zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem zweiten Weltkrieg entsteht in der ostfriesischen Stadt Norden. Zentrum und Ausstellungs-Ort soll die evangelisch-lutherische Gnadenkirche im Stadtteil Tidofeld werden, sagte Superintendent Helmut Kirschstein am Dienstag in Norden vor Journalisten. Am 1. August werde die Kirche mangels Gemeindemitgliedern aufgegeben und in die Obhut des Kirchenkreises Norden übergeben.

Tidofeld sei nach der Flucht für rund 1.200 Vertriebene aus Schlesien zur neuen Heimat geworden, sagte der Leiter der Auricher Staatsarchivs, Professor Bernhard Parisius. Er gilt als Experte für die Geschichte der Flüchtlinge nach ihrer Vertreibung. Schon früh habe sich im anfänglichen Barackenlager, das zu den größten in Niedersachsen gehörte, eine starke Gemeinschaft gebildet. Bereits 1946 erbauten die Bewohner eine ökumenische Barackenkirche, die 1961 durch die heutige Gnadenkirche ersetzt wurde.

Die ehemaligen Flüchtlinge hätten sich schnell und gut in die einheimische Bevölkerung integriert, betonte Parisius. Unter ihnen seien viele Handwerker und Lehrer gewesen, die geradezu als "Integrationshelfer" einen großen Anteil am Wiederaufbau gehabt hätten. Ihre Geschichte und die Gründe ihrer Vertreibung solle die Dokumentationsstätte mit Fotos, Interviews und Gegenständen beleuchten. Vorbild sei das neue Auswandererhaus in Bremerhaven.

"Wir wollen keinesfalls in einer rechtslastigen Ecke landen, sondern ein Gedächtnis stiften", betonte Kirschstein. In wechselnden Ausstellung solle auch das Schicksal der Flüchtlinge bis zur Gegenwart gezeigt werden. Nach dem Vietnam-Krieg seien viele der so genannten "Boat-People" nach Ostfriesland gekommen. Alle in Ostfriesland vertretenen Parteien und der Bund der Vertriebenen unterstützten das Projekt.

Kirschstein zufolge soll die "Dokumentationsstätte zur Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen in Niedersachsen" Mitte kommenden Jahres eröffnet werden. Viele Stiftungen hätten bereits ihre Unterstützung zugesagt. Um die Stätte auch langfristig finanzieren zu können, solle eine "Stiftung Gnadenkirche Tidofeld" gegründet werden. Spenden seien auf das Konto 860 5345 100 bei der OLB Norden (BLZ 283 200 14) unter dem Stichwort "Gnadenkirche Tidofeld" willkommen.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1861/11.07.06)
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