Ausstellung in Braunschweig zeigt Modelle jüdischer Sakralbauten

Nachricht 10. Juli 2006

Von Manfred Laube (epd)

Braunschweig (epd). Die Geschichte des Synagogenbaus in Deutschland ist eine Geschichte der Zerstörung und Vernichtung: Halberstadt: 1709-12 errichtet, 1938/39 zerstört. Seesen: 1810 errichtet, 1938 zerstört. Wolfenbüttel: 1893 errichtet, 1938 zerstört. Wilhelmshaven: 1914/15 errichtet, 1938 zerstört. Dies ist nur ein Teil der Daten einer Wanderausstellung, die bis zum 25. August in Braunschweig Station macht.

Unter der Überschrift "...und ich wurde ihnen zu einem kleinen Heiligtum..." sind 20 detailreiche Holzmodelle beispielhafter Synagogenbauten zu sehen. Text- und Bildtafeln informieren über den architektonischen Rang jüdischer Sakralbauten, aber auch deren Plünderung, Abriss, Zerstörung, Brandstiftung. Die Modelle im Maßstab 1:50 stehen in der Abteilung Jüdisches Museum des Braunschweigischen Landesmuseums. Sie ergänzen die dortige Dauerausstellung: die Inneneinrichtung der Hornburger Synagoge.

Der Ausstellungsbesucher kann Spuren zusammenführen. Die Hornburger Synagoge wurde 1766 bis ins Detail nach dem Vorbild der Synagoge in Halberstadt gebaut. Sie war allerdings bedeutend kleiner. Die Synagoge in Halberstadt war eine der wenigen großen und reich ausgestatteten Synagogenbauten des Barock auf deutschem Gebiet. Ihr Stil prägte spätere Synagogen und andere Barockbauten in der Umgebung.

Der Einfluss reichte sogar bis nach Berlin, wo 1714 in der Heidenreutergasse die erste Gemeindesynagoge der Stadt errichtet wurde. Wie in Halberstadt wurde in Berlin ein Raumtypus gewählt, bei dem die Frauenempore über einem Vestibül eingefügt ist.

Mehr als 3.000 jüdische Ritualbauten waren lange Zeit ein integraler Bestandteil des deutschen Städtebildes. Das Fachgebiet Baugeschichte der TU Braunschweig hat zusammen mit dem Center for Jewish Art in Jerusalem und Bet Tfila, der Forschungsstätte für jüdische Architektur in Europa, die Wanderausstellung ermöglicht. Die Forscher bringen, wie es in einem Text zur Ausstellung heißt, die jüdischen Synagogen als Teil der europäischen Architektur- und Kulturgeschichte zurück ins Bewusstsein.

(epd Niedersachsen-Bremen/b1845/10.07.06)
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