Professor kämpft um Bleiberecht für Kosovo-Familie

Nachricht 01. Juli 2006

Braunschweig/Vechta (epd). Der Braunschweiger Theologieprofessor Gottfried Orth hat der Regierungsmehrheit im Petitionsausschuss des Niedersächsischen Landtages vorgeworfen, sie entscheide unchristlich und unmenschlich. Orth setzt sich für das Bleiberecht einer Familie aus dem Kosovo ein, der nach seinen Angaben die Abschiebung in eine völlig ungesicherte und bedrohliche Situation bevorsteht. Der Ausschuss habe in dieser Woche ein Bleiberecht abgelehnt, sagte Orth am Freitag dem epd.

Betroffen ist eine Mutter mit ihren fünf Kindern im Alter von 10 bis 17 Jahren. Die Familie gehört einer ethnischen Minderheit an und floh 1993 nach Deutschland. 1995 starb der Vater. Die alleinerziehende Mutter lebt in einem kleinen Dorf im Kreis Vechta. Orth, der Religionslehrer ausbildet, hat eine der Töchter in einem Forschungsprojekt kennengelernt. Sie habe sich einen eigenen freiheitlich-demokratischen Wertekanon als "deutsche Muslima kosovarischer Herkunft" erarbeitet.

Die Kinder sind nach Angaben Orths "Hervorragend integriert und sprechen gut deutsch". Zwei der Töchter seien Klassensprecherinnen. Ein Unterstützerkreis habe binnen kürzester Zeit 42.000 Euro gesammelt, um bis zum Schulabschluss der jüngsten Tochter monatlich 500 Euro zur Verfügung zu stellen. Diese Summe decke etwa ein knappes Drittel der bisherigen Sozialhilfekosten.

Nach Auffassung Orths ist der Fall "ein Beispiel, an dem die derzeitige Abschiebungspolitik der niedersächsischen Landesregierung deutlich gemacht werden kann". Der evangelische Theologieprofessor wird über die drohende Abschiebung auch in seiner Predigt am Sonntag in einem Hochschulgottesdienst in Braunschweig informieren. In seiner dem epd vorab schriftlich vorliegenden Predigt formuliert Orth: "Wo Flüchtlinge, wie gegenwärtig in unserem Land, abgeschoben werden, da hat man sich längst entschieden - für das Geld und gegen das Leben, für die Finsternis und gegen das Licht." Der Slogan der Fußballweltmeisterschaft "Die Welt zu Gast bei Freunden" müsse endlich kompromisslos auch den Flüchtlingen gelten.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1754/30.06.06)
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