Theologinnen kritisieren Benachteiligung von Frauen

Nachricht 28. Juni 2006

Hermannsburg/Kr. Celle (epd). Theologinnen aus Afrika, Asien und Europa haben bei einer Tagung in Hermannsburg die andauernde Benachteiligung von Frauen in einigen lutherischen Kirchen der Welt kritisiert. Noch verweigerten 37 der 140 im Lutherischen Weltbund (LWB) organisierten Kirchen Frauen die Ordination, sagte die Referentin des LWB, Priscilla Singh, am Mittwoch. Vor allem in Asien, Osteuropa und Afrika werde Frauen der Zugang zum Pastorenberuf verwehrt.

Erstmals waren bei der Tagung rund 30 Frauen aus verantwortlichen kirchlichen Positionen auf Einladung des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen zusammengekommen. "Ziel ist es, Strukturen zu entwickeln, um sich gegenseitig zu helfen", sagte Missionsdirektorin Martina Helmer-Pham Xuan. Die Frauen aus dem Süden und Osten der Welt entdeckten ähnliche Probleme. In manchen Kirchen Europas werde die Ordination von Frauen trotz beruflicher Bewährung erneut in Frage gestellt.

Grundsätzlich trete der Lutherische Weltbund für die Ordination von Frauen ein, sagte Singh. Dass Frauen dennoch in einigen Mitgliedskirchen keine Pastorinnen werden könnten, habe vielfältige theologische und gesellschaftliche Ursachen. Sie reichten von politischen Unruhen in einzelnen Ländern über Machtstrukturen bis hin zum Aufkommen eines religiösen Fundamentalismus, der die Frauen wieder allein in der Rolle der Mutter und Hausfrau sehe.

In der evangelisch-lutherischen Kirche in der Ukraine sei die Frauenordination wieder abgeschafft worden, berichtete Olga Temirbulatowa aus Russland. "Auch in Russland fassen viele konservative Gruppen Fuß", sagte sie. In ihrer Kirche, die Frauen ordiniere, wurde zu einem Seminar über die Stellung der Frauen in der Kirche keine Frau eingeladen.

Lösungen sehen die Frauen in der Zusammenarbeit. Die Frage der Geschlechterrollen müsse in der Kirche offensiv diskutiert werden. Zudem müsse die Ausbildung von Frauen vor allem in den armen Ländern gefördert werden. "Es gibt eine Frauenbewegung der Solidarität, die wächst", sagte Singh.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1724/28.06.06)
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