Lutherische Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern planen Fusion

Nachricht 27. Juni 2006

Greifswald/Schwerin (Deutschland)/Genf, 23. Juni 2006 (LWI) - Wenn alles planmaessig laeuft, werden die Synoden der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM) und der Pommerschen Evangelischen Kirche (PEK) Ende August zu einer ersten gemeinsamen Tagung zusammenkommen und eine Rahmenvereinbarung unterzeichnen, in der die Fusion beider Landeskirchen geregelt werden soll.

Bereits seit 2003 werden Gespraeche ueber einen moeglichen Zusammenschluss gefuehrt. Den Durchbruch bei den Verhandlungen schafften beide Kirchenleitungen Anfang dieses Jahres. Im Fruehjahr stimmten beide Synoden fast einstimmig der geplanten Fusion zu.

Beide Kirchen sind in etwa identisch mit der Flaeche des 1990 gebildeten Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, das sich ueber den gesamten Norden Ostdeutschlands erstreckt. Dabei ist die mecklenburgische Kirche - mit Sitz in der Landeshauptstadt Schwerin - etwa doppelt so gross wie die pommersche - mit Sitz in Greifswald - und hat mit rund 212.000 Mitgliedern auch doppelt so viele Mitglieder.

Waehrend Mecklenburg politisch und kirchlich ueber die Jahrhunderte in seiner territorialen Ausdehnung nahezu unveraendert blieb, ist der pommersche Landesteil und mit ihm die Kirche seit dem zweiten Weltkrieg genau genommen nur noch ein Rumpf. Nahezu vier Fuenftel des ehemaligen Pommern und der groessten preussischen Kirchenprovinz liegen im heutigen Polen. Der Name Pommern durfte waehrend der Zeit der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nicht benutzt werden und die Kirche musste den Namen Landeskirche Greifswald fuehren.

Entscheidend fuer den Fortgang der Fusionsgespraeche war unter anderem, dass Bekenntnisfragen nicht im Weg standen. Die Pommersche Kirche, obwohl Mitglied der "Union Evangelischer Kirchen in der EKD" (UEK), ist dennoch eine lutherische Kirche. Die UEK ist ein Zusammenschluss aus den 13 Gliedkirchen der Arnoldshainer Konferenz und der Evangelischen Kirche der Union (EKU), mit dem Ziel, die Einheit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu foerdern.

Die unterschiedliche Groesse beider Kirchen und die oft gestellte Frage nach der Identitaet des pommerschen Landesteils erwiesen sich dagegen nicht immer als vorteilhafte Bedingungen fuer eine Fusion und erschwerten teilweise die Gespraeche.

Inzwischen ist auf beiden Seiten die Einsicht gewachsen, dass eine gemeinsame Evangelisch-Lutherische Kirche in Mecklenburg und Vorpommern die einzig sinnvolle Loesung ist. Beide Kirchen sind zu klein, um auf Dauer alle Aufgaben einer Landeskirche wahrnehmen zu koennen. Auch die Gegebenheiten sind nahezu gleich. Die Region ist duenn besiedelt, Rostock ist die einzige Stadt mit mehr als 100.000 EinwohnerInnen. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist vom Tourismus und von der Landwirtschaft gepraegt.

Die aufstrebende Tourismusindustrie an der Ostseekueste und auf den zahlreichen Ostseeinseln kann dennoch nicht verhindern, dass das Bundesland mit knapp 19 Prozent die hoechste Arbeitslosenquote in Deutschland hat. Vor allem die laendlichen Gebiete leiden unter der Abwanderung. Hinzu kommt, dass es verhaeltnismaessig viele mittelalterliche Kirchen gibt und nur noch etwa 20 Prozent der Menschen ueberhaupt zur Kirche gehoeren und zur Erhaltung der kirchlichen Gebaeude beitragen koennen. Beide Kirchen muessen sich diesen Herausforderungen stellen.

Waehrend die bevorstehende Fusion das Ergebnis eines dreijaehrigen Dialogs ist, wurden die Weichen aufeinander zu bereits Mitte der 1990er Jahre gestellt. So gibt es seit dieser Zeit ein gemeinsames Frauenwerk, eine Akademie und eine Kirchenzeitung. Auch die Vertretung bei der Landesregierung, in der Polizeiseelsorge und auf weiteren Gebieten wird laengst gemeinsam wahrgenommen. Kirchentage werden gemeinsam veranstaltet und auch die Ausbildung der VikarInnen ist bereits zusammengelegt.

Eine der groessten Aufgaben ist nun, die Strukturen beider Landeskirchen anzugleichen. Das Finanzierungssystem und manche Gesetzgebungen liegen noch soweit auseinander, dass es an dieser Stelle Uebergangsregelungen geben muss. Als schwierig wird sich auch die Einigung ueber die Standorte erweisen. Beide Kirchen haben sich dafuer ausgesprochen, dass es in der Zukunft nur noch einen Bischof/eine Bischoefin geben soll. Unterschiedliche Berufungszeitraeume werden auch hier voruebergehende Loesungen erforderlich machen. Neben der Klaerung des Bischofssitzes muss ueber den Standort der kirchlichen Verwaltungen - bisher in Schwerin und Greifswald - entschieden werden. Ausserdem muss ein genauer Zeitplan erarbeitet werden, nach dem die Fusion ablaufen soll. Als moegliches Datum fuer den endgueltigen Zusammenschluss gilt das Jahr 2010.

Nicht aktuell, aber doch immer wieder diskutiert wird ausserdem, ob die Fusion beider Kirchen nur ein erster Schritt hin zu einem noch groesseren Zusammenschluss der lutherischen Kirchen in Norddeutschland ist. Die Idee einer Nordkirche - gemeinsam mit der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche - existierte bereits in den 1990er Jahren und ist womoeglich eine Option fuer das zweite oder dritte Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.

Beide Kirchen sind Mitglied im Lutherischen Weltbund (LWB) - die PEK seit 1956, die ELLM gehoerte 1947 im schwedischen Lund zu den Gruendungsmitgliedern des LWB.