Wickeln und Füttern im Ehrenamt - Diakonisches Projekt "wellcome" bietet Hilfe für junge Familien

Nachricht 26. Juni 2006

Von Karen Miether (epd)

Jesteburg/Kr. Harburg (epd). Schon die Fahrt zum Kinderarzt ist für Barbara Bodenhausen eine kleine Herausforderung. Es sei nicht immer leicht, mit zwei Säuglingen den Alltag zu bewältigen, sagt die Mutter der Zwillinge Finn und Lissy: "Mit zwei Babyschalen bis in die Praxis zu kommen, ist schon eine Aufgabe." Die 39-Jährige aus Jesteburg bei Hamburg hat sich deshalb Hilfe gesucht, die das Diakonische Werk mit einem neuen Projekt im Norden Niedersachsens anbietet.

"Wellcome" nennt sich das Angebot, mit dem das Diakonische Werk Winsen-Hittfeld Ehrenamtliche in junge Familien vermittelt. Margit Rommerskirchen ist eine von ihnen. Sie kümmert sich um Finn und Lissy, wenn Bodenhausen zur Krankengymnastik muss. Die 52-Jährige begleitet Mutter und Kinder zum Arzt oder zur Frühförderung. "Lissy mag es lieber laut", sagt sie und kennt bereits die Vorlieben beim Spielzeug. Bis zu dreimal in der Woche hilft sie aus.

Die Hamburger Sozialpädagogin Rose Volz-Schmidt hatte 2002 die Idee zu "wellcome". Ihr Konzept der freiwilligen Hilfe, das über Fachstellen wie Familienbildungsstätten und die Diakonie koordiniert wird, machte in Hamburg und Schleswig-Holstein Furore und breitet sich jetzt vor allem in Niedersachsen weiter aus. "Ziel ist es, Familien und vor allem Mütter vor Überforderung zu schützen", sagt Mitarbeiterin Franziska Holfert.

In Niedersachsen stehe "wellcome" auch in Walsrode und Leer vor dem Start, erläutert sie. Vorgespräche führe die gemeinnützige GmbH, die aus dem Projekt erwachsen ist, an weiteren Orten und in mehreren Bundesländern. In Hamburg und Schleswig Holstein engagieren sich laut Holfert mehr als 300 Ehrenamtliche an über 30 Standorten für die mehrfach preisgekrönte Initiative.

Wie die Bodenhausens nehmen zumeist Familien mit mehreren Kindern "wellcome" in Anspruch. Freunde und Angehörige wohnen weit entfernt und die Ehrenamtlichen helfen an ihrer Stelle. "Das ist Unterstützung und Tatkraft, die man mit Geld nicht wettmachen kann", ist die Personalberaterin Barbara Bodenhausen überzeugt.

Auch für die Ehrenamtlichen lohne sich der Einsatz, sagt Martina Mirbach vom Diakonischen Werk Winsen-Hittfeld. "Am Anfang war es eine Herausforderung, gleich zwei Kleine zu betreuen", erinnert sich Margit Rommerskirchen. Doch sie versteht sich mit Finn und Lissy und mit deren Mutter gut. "Ich mag kleine Kinder unheimlich gern", sagt die 52-Jährige, die sich Enkel wünscht.

Der Regelsatz, der pro Stunde für "wellcome" gezahlt werden muss, liegt bei vier Euro. Doch ebenso unbürokratisch, wie die Einsätze angefragt werden können, würden bei Bedarf Gebühren ermäßigt, sagt Diakonie-Sozialarbeiterin Mirbach. Sie hofft, dass das Angebot so weitere Kreise zieht: "Schön wäre es, wenn auch ganz junge oder allein erziehende Mütter, die wir in der Schwangerenkonfliktberatung haben, die Hilfe suchen." (www.wellcome-online.de)
(epd Niedersachsen-Bremen/b1693/26.06.06)
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