Wulff ruft gesellschaftliche Kräfte zu Verantwortung auf

Nachricht 26. Juni 2006

Hannover (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat ale gesellschaftlichen Gruppen dazu aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen. "Verantwortung ist genauso Aufgabe der Politik wie der Wissenschaft, der Wirtschaft und aller gesellschaftlichen Kräfte, nicht zuletzt der Kirchen und Religionsgemeinschaften", sagte Wulff am Montag beim Johannis-Sommerempfang des evangelisch-lutherischen Sprengels Hannover. Er sprach zu dem Thema "Wie viel Staat brauchen wir? Wie viel Religion braucht der Staat?"

So wie niemand daran gehindert werden dürfe, alle modernen Freiheiten und Möglichkeiten zu nutzen, dürfe sich auch niemand der damit verbundenen Verantwortung entziehen. Die Politiker dürften mit den Folgen der Globalisierung nicht allein gelassen werden, sagte Wulff weiter. Auch ein einheimisches Unternehmen, das globale Märkte erschließe, habe Verantwortung für seine Beschäftigten, für den sozialen Zusammenhalt und für eine stabile Gesellschaftsordnung.

Globalisierung bedeute deshalb nicht nur neue Gewinnmöglichkeiten und eine Steigerung des Wohlstandes, sondern auch eine neue Sicht auf Gerechtigkeit, auf gegenseitiges Geben und Nehmen sowie auf Verantwortung und Solidarität. Zu einer stabilen, modernen Gesellschaft gehörten auch das Ehrenamt und das Stiftungswesen. "Es ist auch die Bereitschaft zum Engagement, die das entscheidende Plus, den Mehrwert, schafft", sagte der Politiker. Für die Stabilität der Gesellschaft seien Gemeinsinn, Freiwilligkeit und Menschlichkeit unverzichtbar.

Weiter sagte Wulff, er sei davon überzeugt, dass die Gebote des christlichen Glaubens dazu geeignet seien, Orientierung, Halt und Trost zu geben. Auch wenn der moderne, weltanschaulich neutrale Staat keine Vorrangstellung einer Religion kenne, habe der christliche Glauben auch in einer offenen Gesellschaft seinen Platz und seine Aufgabe. "Er kann uns unter den heutigen und zukünftigen Bedingungen helfen, unser Leben sinnvoll zu führen und unser Zusammenleben zu regeln."

Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann rief die christlichen Kirchen dazu auf, den Konsens mit anderen Religionen und Weltanschauungen zu suchen. Die Kirchen hätten im vergangenen Jahrhundert lernen müssen, dass dies nicht selbstverständlich sei und nicht durch Autorität funktioniere. Vielmehr müssten sich die Kirchen im öffentlich-politischen Geschehen engagieren.

Der evangelisch-lutherische Sprengel Hannover entspricht etwa der Größe der Region Hannover und hat rund 483.000 Mitglieder. Er wird seit sechs Jahren von Ingrid Spieckermann geleitet, die als Landessuperintendentin Pastorinnen und Pastoren ordiniert und die Kirche in der Öffentlichkeit vertritt.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1706/26.06.06)
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