Theologe aus Südafrika sieht WM-Stimmung positiv

Nachricht 25. Juni 2006

Hermannsburg/Kr. Celle (epd). Der südafrikanische Theologe und frühere Anti-Apartheid-Aktivist Michael Lapsley sieht in der Stimmung in Deutschland während der Fußballweltmeisterschaft ein gutes Signal. "Ich habe Deutschland noch nicht so glücklich gesehen wie bei diesem Besuch", sagte Lapsley am Wochenende beim Missionsfest in Hermannsburg bei Celle. Die Deutschen zeigten sich als ein Volk, das mit der weltweiten Gemeinschaft feiern könne.

Bei dem Fest des Evangelisch-lutherischen Missionswerks in Niedersachsen sprach Lapsley zu gut 1.000 Besuchern aus Deutschland sowie afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Partnerkirchen der Mission. "Deutschland wurde von der Welt immer wieder als ein Land des Krieges gesehen", sagte er. Wie Südafrika sei es ein Ort gewesen, an dem Gewalt gegen die Menschlichkeit begangen wurde.

In Südafrika werde es noch einige Generationen dauern, bis alle Wunden heilten, sagte der anglikanische Theologe. Doch das Land sei auf dem Weg zu einer Friedensnation. Der Apartheidsgegner Lapsley verlor 1990 durch eine Briefbombe beide Hände und ein Auge. 1998 gründete er in Kapstadt das "Institut für die Heilung von Erinnerungen", das sich für die Überwindung von Verletzungen und Traumata einsetzt.

Deutschland werde die Narben seiner Verbrechen in den Lagern von Auschwitz und Bergen-Belsen immer tragen, sagte Lapsley. Als Land, das seine Vergangenheit nicht leugne, könne es aber Gutes in der Welt bewirken. Dazu gehöre es, wie bei der Weltmeisterschaft gastfreundlich zu sein. Wichtig sei zudem, dass sich Deutsche zu Fürsprechern für die Menschen in den armen Ländern des Südens machten.

Missionare, die aus dem Ausland zurückkehrten, könnten dazu beitragen, in dem sie von ihren Erfahrungen erzählten: "Sie können wie sonst keiner den Armen in der Welt ein Gesicht geben", sagte Lapsley. Das Missionswerk in Hermannsburg entsendet seit mehr als 150 Jahren Missionare. Durch Mittelkürzungen der Trägerkirchen sei diese Arbeit zunehmend auf Spender und Freundeskreise angewiesen, sagte Missions-Sprecher Klaus Hampe dem epd.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1698/25.06.06)
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