Landesbischöfin fordert mehr Unterstützung für Familien

Nachricht 16. Juni 2006

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Hannover (epd). Landesbischöfin Margot Käßmann hat am Freitag vor der Landessynode in Hannover mehr Unterstützung für Familien gefordert. Das von der Bundesregierung beschlossene Elterngeld sei ein guter Ansatz, aber Familien brauchten eine weitaus breitere Förderung, sagte Käßmann. Nötig sei ein Bündel von Maßnahmen, um Paare zu Kindern zu ermutigen. "Deutschland ist zu einem kinderarmen Land geworden", sagte die Bischöfin.

Politische und wirtschaftliche Maßnahmen allein könnten die Geburtenrate jedoch nicht steigern, sagte Käßmann, die Mutter von vier Töchtern ist. Es gehe auch um ein grundsätzliches Lebensgefühl: "Die Beziehung zum Kind ist die letzte unkündbare Beziehung in unserem Land." Die Theologin bezeichnete die evangelischen Kindertagesstätten als "großen Schatz der Kirche". Diese Arbeit müsse gefördert, gestützt und anerkannt werden. In den kirchlichen Kindergärten seien auch Kinder aus anderen Religionen willkommene Gäste.

Zur finanziellen Situation der Landeskirche sagte der Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Rolf Krämer, dass es im vergangenen Jahr einen weiteren Rückgang bei der Kirchensteuer gegeben habe. 2005 habe die mit mehr als drei Millionen Mitgliedern größte deutsche protestantische Kirche rund 298,8 Millionen Euro an Kirchensteuern eingenommen. Vor zwei Jahren waren es noch 345,6 Millionen Euro.

Krämer bekräftigte, dass der Haushalt für 2005 mit einem Defizit von 51,1 Millionen Euro abschließe. Mitarbeitervertreter hatten diese Zahl angezweifelt und eine geringere Zahl genannt. Der Vorsitzende des Mitarbeiter-Vertretungs-Verbands in Niedersachsen, Werner Massow, erneuerte am Freitag seinen Vorwurf, die Landeskirche "trickse" bei den Zahlen und rechne sich künstlich arm. Der Präsident des Landeskirchenamtes in Hannover, Eckhart von Vietinghoff, wies diesen Vorwurf vor Journalisten zurück.

Außerdem beschloss das Kirchenparlament am Freitagnachmittag, dass die von der Einstellung bedrohte "Evangelische Zeitung" (EZ) für drei weitere Jahre in Hannover erscheinen wird. Das Lutherische Verlagshaus in Hannover erhält dafür von 2007 an 400.000 Euro im Jahr. Der Zuschuss wurde im Zuge der kirchlichen Einsparungen stark gekürzt: Bisher gab die Landeskirche mehr als 900.000 Euro im Jahr für das Traditionsblatt.

Die EZ erscheint als "Christliche Wochenzeitung für Niedersachsen" in den Landeskirchen Hannover, Braunschweig und Oldenburg. Ihre Auflage sank in den vergangenen fünf Jahren von 35.000 auf rund 26.000. Der Vorsitzende des Öffentlichkeitsausschusses Jörn Surborg bezeichnete die Lösung als "suboptimal", weil sie nur ein Zwischenschritt sei. Im kommenden Jahr müsse die Synode eine langfristige Lösung finden.

Denkbar sei, dass mehrere Landeskirchen über Niedersachsen hinaus bei der Kirchengebietspresse zusammenarbeiteten. Möglich sei auch, das Modell einer Wochenzeitung endgültig durch das in Frankfurt/Main erscheinende Monatsmagazin "Chrismon" abzulösen. - Die Synode tagt noch bis einschließlich Sonnabend in der hannoverschen Henriettenstiftung.
(epd Niedersachsen-Bremen/b1639/16.06.06)
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