Landesbischöfin: Ja zu Kindern durch Gottvertrauen

Nachricht 16. Juni 2006

-> Zur landeskirchlichen Synodenberichterstattung (inkl. des Berichtes der Landesbischöfin im Wortlaut und Fotogalerien)

H a n n o v e r (idea) – Politische und wirtschaftliche Maßnahmen allein reichen nicht aus, um die Geburtenrate in Deutschland zu steigern. Eine wesentliche Voraussetzung für ein Ja zu Kindern ist Gottvertrauen. Dieser Überzeugung ist die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann.

Mut zur verläßlichen Beziehung, Zukunftshoffnung und die Weitergabe des Lebens seien christliche Grundhaltungen. „Für solches Gottvertrauen und für ein solches Lebensgefühl haben wir als Kirche einzustehen“, sagte die Bischöfin am 16. Juni vor der Landessynode in Hannover. Da jedes Kind erwünscht sei, müsse die Kirche alles tun, um Abtreibungen zu verhindern und Frauen einen Weg mit ihrem Kind zu eröffnen: „Das werden gesetzliche Verbote weniger erreichen als die Wahrnehmung eines Kindes als Geschenk Gottes.“ Die jährlich in Deutschland statistisch erfaßten 130.000 Abtreibungen bezeichnete Frau Käßmann als beunruhigend. Die Kirche müsse deshalb die Frage umtreiben: „Wie können wir werdenden Müttern besser zur Seite stehen, deutlich machen, daß es bei allen Belastungen schlicht auch ein Glück, ein Segen ist, mit Kindern zu leben?“ Deutschland hat mit 1,36 Geburten pro Frau eine der niedrigsten Geburtenraten weltweit. Die Bischöfin ging ferner auf das „Bündnis für Erziehung“ ein, das das Bundesfamilienministerium zunächst mit den beiden großen Kirchen geschlossen hatte. Diese Beschränkung auf die Kirchen stieß in den Medien auf heftige Kritik. Inzwischen sind in das Bündnis auch Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften, der Zentralrat der Muslime und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland einbezogen.


„Bündnis für Erziehung“: Zaghaftigkeit in den eigenen Reihen
Zur kirchlichen Rolle in der Diskussion sagte die Bischöfin: „Die Zaghaftigkeit in unseren eigenen Reihen, die angstbesetzte Forderung, nur nicht allein für Werte oder Erziehung einstehen zu wollen, hat mich irritiert.“ Der Schutz von Minderheiten sei von großer Bedeutung, werde „aber geradezu ad absurdum geführt, wenn nicht mehr erlaubt scheint, daß der Staat Gespräche bzw. Bündnisse mit Mehrheiten knüpft“. Rund 60 Prozent der Bevölkerung gehörten zu einer Kirche. 72 Prozent aller Kindertagesstätten seien in kirchlicher Trägerschaft. Die Bischöfin rief dazu auf, Eltern neu zur religiösen Erziehung zu ermutigen. Kinder sollten möglichst bereits in der Familien hineinwachsen in Rituale, Geschichten, Lieder und Gebete des christlichen Glaubens „in unserer evangelischen Tradition“. Es sei inakzeptabel, ein Kind mit religiösen Fragen ohne Antwort zu lassen und die Erziehung in Sachen Religion zu delegieren.


Unverheiratete evangelische Mütter lassen Kinder meist nicht taufen
Frau Käßmann warb ferner für die Säuglingstaufe. Sie mache „wunderbar deutlich“, daß Gott sich jedem Menschen zuwenden wolle, ohne eine vorher erbrachte Leistung abzufragen. Die Bischöfin wandte sich zugleich dagegen, Säuglings- und Erwachsenentaufe gegeneinander auszuspielen. Es sei erfreulich, daß nach Angaben des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD die Taufbereitschaft evangelischer Kirchenmitglieder gleichbleibend sehr hoch sei. Eine Studie des Instituts mache aber deutlich, daß Kinder unverheirateter evangelischer Mütter überwiegend nicht getauft werden. Da in Westdeutschland inzwischen 20 und im Osten 37 Prozent der Mütter alleinerziehend seien, müsse sich die Kirche der Frage stellen: „Wie eröffnen wir neue Wege der Anerkennung von Alleinerziehenden in der Kirche?“

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